Anleihen: sehr dünner Urlaubshandel


06.07.12 14:14
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Sommerloch im Rentenhandel. Laut Händlern war abgesehen vom Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank in dieser Woche nicht viel los im Rentenhandel, so die Deutsche Börse AG.

"Wir sehen weiter rein politische Börsen. Das sieht man auch im Equity-Bereich, wo sich kein Mensch mehr an den Unternehmensnachrichten orientiert", kommentiere Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Die EZB habe am Donnerstag die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf das historisch niedrige Niveau von 0,75 Prozent gesenkt.

Für Enttäuschung unter den Anlegern hätten die Währungshüter um EZB-Präsident Mario Draghi aber damit gesorgt, dass sie keine Hinweise auf zusätzliche Liquiditätsmaßnahmen in Aussicht gestellt hätten. Im Vorfeld der Sitzung sei am Markt etwa über einen dritten Langfristtender spekuliert worden, nachdem die Zentralbank dieses Instrument seit Dezember vergangenen Jahres bereits zwei Mal dazu genutzt habe, billiges Geld in den Markt zu pumpen. Diese Hoffnung sei nun erst einmal geplatzt.

Die Anleiherenditen in den südeuropäischen Ländern seien nach oben geklettert und würden seit dem auf dem erhöhten Niveau notieren. Die richtungweisenden spanischen Anleihen mit Laufzeit von zehn Jahren würden mit rund 6,8 Prozent weiterhin nur knapp unter dem Niveau rentieren, das Griechenland, Portugal und Irland unter den Rettungsschirm der EU gezwungen habe.

Nach Ansicht von Förtsch sei der Renditeanstieg in der Euro-Peripherie allerdings alles andere als verwunderlich: "Diese Länder waren vor dem Euro in einem Zinsgefüge, an dem sie jetzt auch stehen - oder teilweise sogar deutlich darüber. Durch den Eintritt in das gemeinsame Währungsgebiet wurden die Renditen künstlich nach unten gedrückt", erkläre der Händler. "Der Markt spielt jetzt nur, wie die Länder tatsächlich dastehen. Eigentlich ist etwa Italien mit seinen 6 Prozent ganz gut bedient, wenn man es mit der Zeit vor dem Euro vergleicht."

Für Unmut im Handel würden zudem die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels sorgen. "Es ist schon verwunderlich, wie gelassen Deutschlands Bürgerinnen und Bürger auf den Ausverkauf ihrer Werte und Güter reagieren. Nach dem Aus im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft drängt sich der Eindruck auf, dass in Deutschland zwar Millionen von Bundestrainern leben, aber keine Menschen mit finanzpolitischem Sachverstand", kritisiere Klaus Stopp von der Baader Bank.

Anders sei es nicht zu verstehen, dass im Rahmen des EU-Gipfels beschlossene Erleichterungen bei der Nutzung des Rettungsfonds einfach so hingenommen würden. "Damit müssen wir uns abfinden oder aufbegehren. Ansonsten ist der Weg frei für eine Transferunion. Der Selbstbedienungsladen ist eröffnet", warne Stopp.

Auch Förtsch zeige sich skeptisch. "Die Maßnahmen von Zentralbank und Politik verpuffen immer schneller, demnächst werden sie wohl gar nicht mehr greifen."

Für den Euro-Bund-Future sei es in der vergangenen Woche indes deutlich nach oben gegangen. "Nun darf man gespannt sein, ob das Rentenbarometer - trotz der ungeklärten Zukunft der Euroländer - weiterhin nach oben tendiert oder ob es wieder den Rückwärtsgang einlegt", orakle Stopp. Nach unten erscheine der Abstand zum Tief vom 29. Juni bei 139,72 Prozent zwar recht komfortabel, aber in unsicheren Märkten sei grundsätzlich immer alles möglich. Aktuell notiere der Bund-Future bei 143,47 Prozent.

Bei den Unternehmensanleihen hätten sich die Bonds von Firmen aus Kern-Europa laut Baader Bank deutlich besser entwickelt als die von Staaten der europäischen Peripherie. Der Grund liege in den befürchteten weiteren Rating-Herabstufungen bei den Staaten im High-Yield- oder Junk-Bereich, was auch auf Firmenratings durchschlagen würde.

Rainer Petz von Close Brothers Seydler berichte von einer hohen Nachfrage nach einer neuen Anleihe (ISIN XS0801261156 / WKN A1G6WT) von Schaeffler. Das Maschinenbauunternehmen zahle seinen Investoren für den fünfjährigen Bond einen Kupon von 6,75 Prozent. Aufgrund der Mindeststückelung von 1.000 Euro sei der Bond auch für Privatanleger interessant. "Schaeffler hatte zuvor bereits zwei Anleihen emittiert, die aber beide eine Mindeststückelung von 100.000 haben und im Retail-Bereich daher wenig Anklang finden", erkläre Petz. Aktuell notiere die neue Anleihe bei 99,90 Prozent und werfe eine Rendite von 6,77 Prozent ab.

Mit sehr volatilen Kursen hätten laut Petz die Schuldscheine (ISIN DE000A1H3JZ8 / WKN A1H3JZ) der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker in der vergangenen Woche auf sich aufmerksam gemacht. Am Ende der turbulenten, knapp vierzehnstündigen Hauptversammlung hätten die Hauptaktionäre für die Sanierungspläne des Praktiker-Managements und den Einstieg des US-Investors Anchorage gestimmt. Damit sei die befürchtete Pleite des Unternehmens zumindest vorerst abgewendet worden. Nach einem Kurs von knapp über 30 Prozent vor der Hauptversammlung seien die Praktiker-Bonds nach Auskunft von Petz nach der Einigung auf über 45 Prozent nach oben geschnellt. Aktuell würden die am 1. Juli 2017 fälligen Titel bei 38,5 Prozent notieren. (06.07.2012/alc/a/a)






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