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Anleihen in alten Währungen: Wo D-Mark und Schilling noch leben


10.08.23 09:30
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Das Investmenthaus Kepler-Fonds aus Linz verfolgt im Rentenbereich einen rundum bodenständigen Ansatz: Die Portfoliomanager bedienen die gesamte Klaviatur - von Staats- und bonitätsstarken Unternehmensanleihen über Pfandbriefe bis hin zu ausgewählten Hochzinspapieren, so die Experten von "FONDS professionell".

Auch Schwellenländerbonds würden die Profis dazu streuen. Ein solides Rentenmanagement, wie es viele andere ebenfalls betreiben würden. Auf den ersten Blick also keine Besonderheit, möchte man meinen.

Doch die Fondstochter der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich habe eine Nische entdeckt und besetzt, die nur wenige Häuser abdecken würden. "Im Einzelfall mischen wir Anleihen bei, die eine geringe Liquidität im Handel aufweisen", so Herbert Matzinger, Rentenmanager bei Kepler-Fonds. Beispiele seien österreichische Staatsanleihen, die in D-Mark notieren würden oder Bonds der Deutschen Bank in der italienischen Lira. Solche Papiere würden einer aussterbenden Spezies angehören: Die Währungen, in denen sie ausgegeben worden seien, gebe es ja nicht mehr. Nach und nach würden die noch ausstehenden Bonds ihre Fälligkeit erreichen.

Gerade das berge für die Linzer einen besonderen Reiz. "Solche Papiere bieten eine Liquiditätsprämie", erläutere Matzinger. "Denn nicht alle Investoren sind in der Lage, solche Anleihen zu halten oder zu handeln." Dies erfordere einen höheren Aufwand, sowohl bei der depotführenden Bank als auch beim Asset Manager. Dementsprechend würden die noch ausstehenden Papiere in Francs, Peseten, Schilling oder D-Mark in Depots schlummern, bei denen die Verwahrung noch möglich sei. Dort würden sie häufig bis zur Fälligkeit bleiben und würden selten gehandelt. Und wenn, dann würden sie einen Renditeaufschlag aufweisen. Der allenfalls sporadische Handel führe zu der genannten Liquiditäts- oder präziser Illiquiditätsprämie.

Papiere aus der Prä-Euro-Periode würden nur einen Aspekt dieser Nische darstellen. "Ein anderes Beispiel sind Anleihen, bei denen der Kupon eine besondere Ausgestaltung aufweist", so der Kepler-Manager. So sei etwa ein Papier der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung mit einem Kupon versehen, der an den Euribor gekoppelt sei. Die Gesamtzahlungen seien aber gedeckelt. "Ein Käufer muss also prüfen, in welcher Höhe bereits Kupons geflossen sind, und nachrechnen, wie viel er noch erwarten kann", erkläre Matzinger.

Ein weiteres Beispiel sei ein Bond der britischen Bank Barclays. Bis 2013 sei eine Kuponzahlung in Höhe von sechs Prozent festgelegt gewesen, danach sei der Kupon an die Inflation gekoppelt gewesen. "Nach 2013 war das Papier praktisch uninteressant", meine Matzinger. "Doch nun, mit dem Anstieg der Inflation, hat seine große Stunde geschlagen." Vom ursprünglichen Emissionsvolumen in Höhe von 100 Millionen Euro stünden nur noch rund zehn Millionen aus. "Solche Besonderheiten bei den Kupons zu bewerten, ist nicht einfach", so der Rentenexperte. "Viele Investoren stellen solche Anleihen vor Probleme - und sie kaufen sie daher nicht." Die Gründe für eine solche Kupongestaltung könnten etwa in Verpflichtungen von Versicherern liegen, die ihre Auszahlungen würden absichern wollen.

"Entschließt sich dieser Erstkäufer dazu, die Papiere vor der Fälligkeit zu veräußern, kommen wir ins Spiel", so Matzinger. Um an diese Papiere überhaupt ranzukommen, hätten die Linzer über die vergangenen zwei Jahrzehnte Kontakte zu Händlern geknüpft. "Bei solchen Investments sind wir meist reaktiv", berichte der Kepler-Mann. "Wir werden über unser Brokernetzwerk angesprochen. Das passiert auch nicht täglich, sondern eher selten." Dann bewerte das Team sehr genau, welche Emissionen in die Portfolios passen würden. "Häufig hat der Verkäufer überzogene Preisvorstellungen", verrate der Manager.

Auf einen Punkt lege der Kepler-Profi besonders Wert: "Wir setzen hier nicht auf eine Bonitätsprämie", betone Matzinger. "Die Anleihen stammen meist von großen Emittenten wie Banken mit guten Ratings." Nur die jeweilige Emission weise ein geringes Volumen auf, da sie speziell für einen Abnehmer aufgelegt worden sei - oder weil wie bei den Altwährungsbonds der Nachschub fehle und die Papiere zum Teil vom Emittenten zurückgekauft würden.

Dennoch würden Investments in illiquide Anleihen Tücken bergen - weshalb sie ja mit einer Illiquiditätsprämie aufwarten würden. Die Spezialisten von Kepler seien sich dieser Fallstricke bewusst. "Solche Investments stellen immer nur eine Beimischung dar", betone Matzinger. "Die geringe Liquidität lässt sich nur in geringen Dosen mit der täglichen Handelbarkeit eines Fonds vereinbaren." (10.08.2023/alc/a/a)