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Anleihen: Zwischen Bangen und Hoffen
22.02.16 08:47
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den internationalen Märkten hat sich die Stimmung in dieser Woche spürbar verbessert, so die Deutsche Börse AG.
DAX und Dow Jones Industrial hätten über 700 Punkte zugelegt, nachdem sich die asiatischen Börsen von den Neujahrsfeierlichkeiten mit stabileren Kursen zurückgemeldet hätten. "Der erneute Anstieg der Preise macht Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung bei Öl, was insbesondere für die Schwellenländer von Bedeutung wäre", begründe Arthur Brunner.
Trotz höherer Risikobereitschaft der Anleger hätten sich qualitativ hochwertige Staatsanleihen ebenfalls recht gut gehalten. Bei zwischenzeitlich hektischem Auf und Ab notiere das deutsche Rentenbarometer am heutigen Freitag nach wie vor über 165 Prozent. Gleichzeitig seien Bonds der Peripheriestaaten zwischenzeitlich unter Druck geraten, was nach Ansicht des Händlers der ICF Bank eher ein Krisenzeichen sei. Etwa hätten die zeitweiligen Verluste zehnjähriger portugiesischer Bonds die Rendite in der Spitze auf 4,5 Prozent getrieben. Ebenso hätten spanische Anleihen gleicher Laufzeit höher rentiert. "Das Thema Sicherheit spielt in den Köpfen der Anleger weiterhin durchaus eine Rolle", schließe Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank aus den Bewegungen am Kapitalmarkt.
Die Aussicht auf eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik hüben wie drüben habe zur Beruhigung beigetragen. "Weltweit könnte es eine neue Runde billigen Geldes geben", meine Brunner. In dieser Woche habe EZB-Dragi einmal mehr auf die hinreichende Flexibilität bei den Anleihen-Käufen hingewiesen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank beobachte. "Mit ihrem inzwischen auf 1,5 Billionen Euro angelegten Programm will die Notenbank erreichen, dass Geschäftsbanken weniger in Staatsanleihen investieren und stattdessen mehr Kredite an Unternehmen und Haushalte vergeben." Dies würde die Konjunktur unterstützen und die Inflation anheizen. Nur lasse der große Durchbruch bisher auf sich warten.
Sollte der EZB-Rat im März weitere Lockerungsmaßnahmen beschließen, wachse das Lager der Kritiker bezüglich der aus Stopps Sicht reformverhindernden Zinspolitik um eine weitere exponierte Person. Laut Nachrichtenmagazin Spiegel werde Wolfgang Schäuble beim G20-Treffen Ende des Monats in Shanghai die Trommel für eine Kehrtwende der ultralockeren Geldpolitik rühren. "Nach Auffassung des deutschen Finanzministers führt die Politik des billigen Geldes zu immer neuen Blasen an den Finanzmärkten."
"In den USA scheint, wenn überhaupt, maximal eine weitere Zinserhöhung für dieses Jahr anzustehen", ergänze Brunner. "Auch ein mögliches Zurückrudern der Federal Reserve steht im Raum."
Stopp sehe in der Korrektur der Bondstrategie von BlackRock ein Indiz für eine mögliche Änderung des eingeschlagenen geldpolitischen Pfades. Nachdem die Zinsen in den USA erst im Dezember angehoben worden seien, erwarte der weltgrößte Vermögensverwalter nun eine weitere Lockerung. "Sollte diese Rolle rückwärts passieren, würden neue Unsicherheiten ausgelöst", sei Stopp überzeugt.
Über den Primärmarkt für Unternehmensanleihen habe sich Apple mit der Ausgabe von neun Anleihen verschiedener Laufzeiten insgesamt erfolgreich 12 Mrd. USD frisches Geld besorgt, wie Brunner berichte. Für den Händler sei das ein Zeichen des Vertrauens in Unternehmen mit Investment Grade.
Nach dem Ausverkauf der vergangenen Wochen habe sich auch die Lage bei Mittelstands-Anleihen stabilisiert. "Das gesamte Segment wurde in den vergangenen Monaten nicht zuletzt durch die German Pellets-Pleite in Sippenhaft genommen", wisse Brunner.
Anleihen wie die von KSW Immobilien mit einer Laufzeit bis Oktober 2019 und einem jährlichen Zins von 6,5 Prozent hätten laut Brunner in dieser Woche deutlich zulegen können. Die Projektgesellschaft der KSW-Gruppe zur Errichtung und Verpachtung des Hotel- und Restaurantprojekts habe nach dem Verkauf von "Kosmos-Ensemble" den Rückkauf der Anleihe angekündigt. Ab dem 7. Oktober 2016 könne KSW die Anleihe zu 103 Prozent des Nennwerts zurückzahlen. Im Wochenverlauf habe der Wert von 96,15 auf aktuell 103,45 Prozent gewonnen.
Obwohl sich die Aktie von Travel24 seit vergangener Woche etwas erholt habe, könne eine im September 2017 fällige Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) des Unternehmens davon kaum profitieren, wie Brunner registriere. Die Anleihe notiere aktuell bei 25 Prozent. "Anleger spielen offenbar derzeit alles oder nichts."
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft spreche von ansehnlichen Umsätzen mit einer STADA-Anleihe, die in beide Richtungen gehandelt würde. Der in 2022 fällige Wert mit einem Kupon von 1,75 Prozent trete auf Wochensicht mit etwas über 100 Prozent mehr oder weniger auf der Stelle. Insbesondere zum Wochenbeginn tendenziell verkauft worden sei Daniel zufolge ein BWW-Bond (ISIN XS1105276759 / WKN A1ZN0T) mit 1,25 Prozent jährlichen Zinsen und einer Laufzeit bis 2022. (Ausgabe vom 19.02.2016) (22.02.2016/alc/a/a)
DAX und Dow Jones Industrial hätten über 700 Punkte zugelegt, nachdem sich die asiatischen Börsen von den Neujahrsfeierlichkeiten mit stabileren Kursen zurückgemeldet hätten. "Der erneute Anstieg der Preise macht Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung bei Öl, was insbesondere für die Schwellenländer von Bedeutung wäre", begründe Arthur Brunner.
Trotz höherer Risikobereitschaft der Anleger hätten sich qualitativ hochwertige Staatsanleihen ebenfalls recht gut gehalten. Bei zwischenzeitlich hektischem Auf und Ab notiere das deutsche Rentenbarometer am heutigen Freitag nach wie vor über 165 Prozent. Gleichzeitig seien Bonds der Peripheriestaaten zwischenzeitlich unter Druck geraten, was nach Ansicht des Händlers der ICF Bank eher ein Krisenzeichen sei. Etwa hätten die zeitweiligen Verluste zehnjähriger portugiesischer Bonds die Rendite in der Spitze auf 4,5 Prozent getrieben. Ebenso hätten spanische Anleihen gleicher Laufzeit höher rentiert. "Das Thema Sicherheit spielt in den Köpfen der Anleger weiterhin durchaus eine Rolle", schließe Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank aus den Bewegungen am Kapitalmarkt.
Die Aussicht auf eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik hüben wie drüben habe zur Beruhigung beigetragen. "Weltweit könnte es eine neue Runde billigen Geldes geben", meine Brunner. In dieser Woche habe EZB-Dragi einmal mehr auf die hinreichende Flexibilität bei den Anleihen-Käufen hingewiesen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank beobachte. "Mit ihrem inzwischen auf 1,5 Billionen Euro angelegten Programm will die Notenbank erreichen, dass Geschäftsbanken weniger in Staatsanleihen investieren und stattdessen mehr Kredite an Unternehmen und Haushalte vergeben." Dies würde die Konjunktur unterstützen und die Inflation anheizen. Nur lasse der große Durchbruch bisher auf sich warten.
Sollte der EZB-Rat im März weitere Lockerungsmaßnahmen beschließen, wachse das Lager der Kritiker bezüglich der aus Stopps Sicht reformverhindernden Zinspolitik um eine weitere exponierte Person. Laut Nachrichtenmagazin Spiegel werde Wolfgang Schäuble beim G20-Treffen Ende des Monats in Shanghai die Trommel für eine Kehrtwende der ultralockeren Geldpolitik rühren. "Nach Auffassung des deutschen Finanzministers führt die Politik des billigen Geldes zu immer neuen Blasen an den Finanzmärkten."
Stopp sehe in der Korrektur der Bondstrategie von BlackRock ein Indiz für eine mögliche Änderung des eingeschlagenen geldpolitischen Pfades. Nachdem die Zinsen in den USA erst im Dezember angehoben worden seien, erwarte der weltgrößte Vermögensverwalter nun eine weitere Lockerung. "Sollte diese Rolle rückwärts passieren, würden neue Unsicherheiten ausgelöst", sei Stopp überzeugt.
Über den Primärmarkt für Unternehmensanleihen habe sich Apple mit der Ausgabe von neun Anleihen verschiedener Laufzeiten insgesamt erfolgreich 12 Mrd. USD frisches Geld besorgt, wie Brunner berichte. Für den Händler sei das ein Zeichen des Vertrauens in Unternehmen mit Investment Grade.
Nach dem Ausverkauf der vergangenen Wochen habe sich auch die Lage bei Mittelstands-Anleihen stabilisiert. "Das gesamte Segment wurde in den vergangenen Monaten nicht zuletzt durch die German Pellets-Pleite in Sippenhaft genommen", wisse Brunner.
Anleihen wie die von KSW Immobilien mit einer Laufzeit bis Oktober 2019 und einem jährlichen Zins von 6,5 Prozent hätten laut Brunner in dieser Woche deutlich zulegen können. Die Projektgesellschaft der KSW-Gruppe zur Errichtung und Verpachtung des Hotel- und Restaurantprojekts habe nach dem Verkauf von "Kosmos-Ensemble" den Rückkauf der Anleihe angekündigt. Ab dem 7. Oktober 2016 könne KSW die Anleihe zu 103 Prozent des Nennwerts zurückzahlen. Im Wochenverlauf habe der Wert von 96,15 auf aktuell 103,45 Prozent gewonnen.
Obwohl sich die Aktie von Travel24 seit vergangener Woche etwas erholt habe, könne eine im September 2017 fällige Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) des Unternehmens davon kaum profitieren, wie Brunner registriere. Die Anleihe notiere aktuell bei 25 Prozent. "Anleger spielen offenbar derzeit alles oder nichts."
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft spreche von ansehnlichen Umsätzen mit einer STADA-Anleihe, die in beide Richtungen gehandelt würde. Der in 2022 fällige Wert mit einem Kupon von 1,75 Prozent trete auf Wochensicht mit etwas über 100 Prozent mehr oder weniger auf der Stelle. Insbesondere zum Wochenbeginn tendenziell verkauft worden sei Daniel zufolge ein BWW-Bond (ISIN XS1105276759 / WKN A1ZN0T) mit 1,25 Prozent jährlichen Zinsen und einer Laufzeit bis 2022. (Ausgabe vom 19.02.2016) (22.02.2016/alc/a/a)
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