Anleihen: Die Zuversicht kehrt zurück


23.11.12 15:25
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Vertagte Entscheidungen zur Griechenlandhilfe, die Absenkung der Kreditwürdigkeit Frankreichs durch die Ratingagentur Moody's oder die fehlende Lösung hinsichtlich des drohenden US-Fiskalkliffs scheinen Marktteilnehmer wenig zu beeindrucken, so die Deutsche Börse AG.

"In dieser Woche stieg der Optimismus der Investoren wieder an", bemerke Arthur Brunner von ICF Kursmakler. "Auch wenn über Details noch gestritten wird, kann Griechenland mit Entgegenkommen der Gläubiger rechnen, und im Gazastreifen herrscht wieder Ruhe."

Deshalb wundere es Brunner nicht, dass die Aufwärtstendenz des Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) ins Stocken geraten sei. Auf Wochensicht habe das Krisenbarometer leicht verloren und tendiere derzeit seitwärts um 142,37 Prozent. "Investoren scheinen davon auszugehen, dass Lösungen für alle Probleme gefunden werden", pflichte die Helaba bei. Zudem hätten Anzeichen einer Erholung der Weltkonjunktur nach einem robusten chinesischen Einkaufsmanagerindex optimistisch gestimmt.

Abschließende Entscheidungen hinsichtlich des Umgangs mit den griechischen Schulden würden nach Einschätzung der HSH Nordbank erst im Dezember getroffen, ebenso komme es vermutlich bis dahin zur Auszahlung der nächsten Tranche der Griechenlandhilfe. Dass die Rentenmärkte etwas zuversichtlicher seien, würden die Analysten der HSH Nordbank an den sinkenden Spreads der Renditen für Staatsanleihen der Peripherieländer im Euroraum erkennen. "Entsprechend reduzierte sich die Nachfrage nach Bundesanleihen, ihre Renditen zogen wieder etwas an."

"Anleger griffen trotz negativer Meldungen gar zu griechischen Staatsanleihen", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft und nenne die Entwicklung der Griechenland 12-23 (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA) als Beispiel. Nach 33 Prozent zu Beginn der Woche notiere sie derzeit bei 35,5 Prozent.

Trotz schwacher Konjunktur, hoher Arbeitslosigkeit und pessimistischer Konjunkturprognosen müsse man sich um Frankreich keine Sorgen machen, glaube zumindest die HSH Nordbank. Die Renditen französischer Staatsanleihen befänden sich in der Nähe ihrer Tiefststände. Frankreichs Industrie sei modern, breitgefächert und verfüge über eine Vielzahl innovativer Unternehmen. "Anders als viele ihrer Nachbarländer wie Deutschland mögen die Franzosen Kinder und haben deshalb beispielsweise kein demographisches Problem."

Eine andere Einschätzung der Lage skizziert die Helaba. "Auch wenn es die Risikoaufschläge noch nicht zeigen, ist Frankreich für Ökonomen einer der großen Wackelkandidaten in Europa, die ein großes Erdbeben auslösen könnten." Der Anreiz für Strukturreformen sei aufgrund der geringeren Zinsen und der Nähe zu Deutschland noch nicht groß genug. Die Gelassenheit der Kapitalmärkte auf die niedrigere Bonitätsnote Frankreichs führe Klaus Stopp auf den Schutz der Staatengemeinschaft durch den ESM Rettungsschirm zurück. "Zukünftig könnten Bonitätsminderungen der an den Rettungsschirmen beteiligten Staaten auch zu nachhaltig höheren Refinanzierungskosten dieser Institutionen führen", schätze der Rentenspezialist der Baader Bank.

Mit 1,7-fachen und 2,6-fachen Überzeichnungsquoten hätten Investoren robustes Interesse an aufgestockten spanischen Staatsanleihen gezeigt, wie die Helaba berichte. Das Tesoro habe drei SPGB-Serien um insgesamt 3,9 Milliarden Euro erfolgreich zu niedrigeren Finanzierungskosten erhöht. Die Rendite fünfjähriger spanischer Staatsanleihen habe sich auf 4,47 Prozent reduziert, von 4,68 Prozent Anfang November. Bei kürzer laufenden Anleihen bis 2015 hätten sich die Finanzierungskosten auf 3,62 Prozent vermindert. "Am Vortag rentierte die Anleihe noch bei 3,77 Prozent", beobachte die Helaba.

Gegenüber italienischen zehnjährigen Staatsanleihen habe sich der Renditeabstand spanischer Bonds weiter zurückgebildet. Mit rund 84 Basispunkten liege die Risikoprämie allerdings weiter auf erhöhtem Niveau. "Noch im Februar dieses Jahres war die Situation genau umgekehrt und italienische Bonds rentierten über ihrem spanischen Pendant." Seither hätten die Rendite-Spreads je nach Gefühlslage der Anleger hinsichtlich eines möglichen Hilfegesuchs der Spanier geschwankt.

Einen Kurseinbruch habe eine Fresenius-Anleihe hinnehmen müssen, wie Brunner berichte. Den Grund erkenne der Händler in der Kündigungsabsicht des Konzerns für diesen Bond im Dezember dieses Jahres zu 101,83 Prozent.

Nachdem Brunner vier Jahre lang in einer "Tier 2"-Anleihe (ISIN XS0200612355 / WKN A0A73M) der IKB kaum Umsatz verzeichnet habe, sei diese nun aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Investoren hätten darauf gehofft, dass die IKB mit Blick auf Basel 3 die Anleihe zum 13.03.2013 zu 100 Prozent kündigen werde. Nach den neuen Regeln könne diese Wertpapiergattung ab diesem Datum nicht mehr dem Eigenkapital zugerechnet werden. "Deshalb erscheint eine Kündigung bei einem ausstehenden Volumen von 73 Millionen Euro nicht ganz unwahrscheinlich."

Bereits am ersten Emissionstag sei die Zeichnungsfrist der Mittelstandsanleihe (ISIN DE000A1RE7P2 / WKN A1RE7P) der Privatbrauerei Jacob Stauder vorzeitig beendet worden. Das angestrebte Emissionsvolumen in Höhe von 10 Millionen Euro sei in den ersten Stunden der Zeichnungsfrist erreicht gewesen. Ursprünglich geplant sei eine Frist bis zum 21. November 2012 um 12:00 Uhr gewesen. Käufern der auf fünf Jahre angelegten Anleihe biete die Brauerei einen jährlichen Zins von 7,5 Prozent.

Noch bis voraussichtlich 29. November könnten Anleger eine Neuemission (ISIN AT0000A0XJ15 / WKN A1HCJJ) der Porr AG zeichnen. Der österreichische Baukonzern ziele auf ein Volumen von bis zu 50 Millionen Euro. Bei einer Laufzeit von vier Jahren biete die PORR-Gruppe, die im Tiefbau, Straßenbau, der Umwelttechnik, im Hochbau und der Projektentwicklung aktiv sei, einen jährlichen Kupon von 6,250 Prozent. Der Erlös aus der Anleiheemission solle für die Optimierung des Finanzportfolios, die Stärkung der Finanzkraft und die Rückführung von im kommenden Jahr fälligen Finanzverbindlichkeiten verwendet werden. (23.11.2012/alc/a/a)






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