Anleihen: Verunsicherung stützt Bundesanleihen


16.11.12 16:44
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Verunsicherung ist nach wie vor groß, berichten Händler im Rentenmarkt, so die Deutsche Börse AG.

"Zwar haben die zuletzt veröffentlichten Konjunkturzahlen auf beiden Seiten des Atlantiks nicht unisono enttäuscht, Konjunktursorgen sind aber weiterhin vorhanden. Auch die anhaltende Euro-Schuldenkrise, die drohende Fiskalklippe in den USA sowie die Eskalation im Nahen Osten halten die Risikoaversion hoch", kommentiere Ulrich Wortberg von der Helaba. Von der Suche der Investoren nach Sicherheit würden unter anderem die deutschen Staatsanleihen profitieren - zehnjährige Titel würden mit aktuell 1,33 Prozent weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau rentieren.

Das Rentenbarometer Euro-Bund Future notiere um die Mittagszeit bei 143,10 Prozent, am vergangenen Freitag seien es 143,36 Prozent gewesen. "Der Bund-Future hat seine seit Tagen zu beobachtende Konsolidierung fortgesetzt und mit Tiefstkursen von 142,91 Prozent den kurzfristigen, seit knapp drei Wochen bestehenden Aufwärtstrend zeitweise unterschritten", merke Wortberg an.

Dennoch erscheine das Abwärtsrisiko aktuell begrenzt, erkläre der Analyst: "Selbst wenn es zu einem dauerhaften Trendbruch kommen sollte - was in Anbetracht der Steilheit des Trends früher oder später der Fall sein wird - gibt es vonseiten der technischen Indikatoren noch keine klaren Anzeichen für eine breit angelegte Korrektur nach unten."

Arthur Brunner von ICF Kursmakler spreche zwar von einem aktuell ruhigen Geschäft, schätze das Marktumfeld aber als riskant ein: "Wer glaubt, dass der bisherige Weg konsequenten Sparens den Königsweg aus der Eurokrise darstellt, sieht sich beim Betrachten der Massenproteste in Südeuropa eines Besseren belehrt", erkläre der Rentenspezialist.

Zwar herrsche an den Finanzmärkten im Moment eine trügerische Ruhe. Diese beruhe aber lediglich darauf, dass die EZB ihre schützende Hand über die Märkte halte. "Die Realität sieht anders aus: Die Eurozone ist wieder in die Rezession gerutscht." Auch die Industrieproduktion in Deutschland sei rückläufig und lasse für die kommenden Monate nichts Gutes erwarten, was die jüngste ZEW-Umfrage in dieser Woche bestätigt habe.

"Genauso frustriert agierten diese Woche die Profianleger, die dem Bund wieder Geld bezahlten, um diesem für zwei Jahre Geld leihen zu dürfen", merke Brunner zu der jüngsten Auktion deutscher Staatsanleihen an. Der Bund habe am Mittwoch zweijährige Schätze über 4,3 Milliarden Euro zu einer Durchschnittsrendite von -0,02 Prozent am Markt untergebracht. Bei der jüngsten Auktion vergleichbarer Titel am 17. Oktober habe die Rendite noch bei +0,07 Prozent gelegen.

Dank der Zusage der Europäischen Zentralbank, unter bestimmten Voraussetzungen Anleihen der Euro-Krisenstaaten zu kaufen, hätten Staaten der Eurozonen-Peripherie wie Spanien und Italien derzeit allerdings ebenfalls kaum Schwierigkeiten, sich am Primärmarkt zu vertretbaren Konditionen zu refinanzieren.

"So konnte Italien in dieser Woche 3,5 Milliarden Euro dreijährige Anleihen am Markt platzieren und musste dafür mit 2,64 Prozent deutlich weniger bieten als die 2,86 Prozent vor einem Monat", wisse Brunner. Auch bei zwei anderen Platzierungen italienischer Staatsanleihen hätten die Anleger an diesem Mittwoch beherzt zugegriffen. "Vor allem Versicherungen dürften hier gekauft haben", ergänze Brunner.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichte ebenfalls von einem nach wie vor verunsicherten Marktumfeld. Dafür spreche neben der Flucht der Anleger in deutsche Staatspapiere auch das wiederaufflammende Interesse an Fremdwährungsanleihen: "Nachdem der Euro wegen der erneuten Unsicherheiten um Griechenland und den enttäuschend ausgefallenen Konjunkturdaten wieder unter Beschuss gekommen ist, gewinnen Fremdwährungsanleihen wieder an Attraktivität", berichte der Händler. Gesucht seien etwa in Brasilianischen Real denominierte Anleihen (ISIN XS0754679669 / WKN A1K0WU, ISIN XS0830174222 / WKN A0VLNE).

In dieser Woche sei im Segment der Corporate Bonds unter anderem eine Anleihe des Modeunternehmens René Lezard platziert worden, deren Zeichnung wegen der ausreichenden Nachfrage um 13.00 Uhr am ersten Tag vorzeitig beendet worden sei. Das Emissionsvolumen liege bei 15 Millionen Euro, die fünfjährige Anleihe werde jährlich mit 7,25 Prozent verzinst.

Am Montag beginne die Zeichnung einer Anleihe (ISIN DE000A1RE7P2 / WKN A1RE7P) des Essener Bierbrauers Stauder, die bis 2017 laufe und mit 7,5 Prozent verzinst werde.

Drei Tage später komme eine weitere Unternehmensanleihe: Ab 22. November könne eine Emission des österreichischen Bauunternehmen PORR gezeichnet werden, Laufzeit bis 2016, verzinst mit 6,25 Prozent. (16.11.2012/alc/a/a)






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