Erweiterte Funktionen
Anleihen USA: Rätselraten über den weiteren Kurs der FED
30.12.14 13:30
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Entgegen der allgemeinen Markterwartung war 2014 nicht das Jahr steigender, sondern fallender US-Staatsanleiherenditen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "bondreport".
Die langen US-Renditen seien nicht mehr weit von ihren Mitte 2012 erreichten Paniktiefs (Euro-Krise) bei rund 1,50% entfernt und sie lägen nur noch 20 bis 30 Basispunkte über den Tiefs von Weltwirtschaftskrise und 2. Weltkrieg. Und das trotz zuletzt wieder stärkerer Konjunkturdaten, eines robusten Arbeitsmarktes, einer Inflationsrate nahe dem Zielniveau der FED (ca. 2%) und einer näher rückenden ersten Zinsanhebung der FED. Doch wann genau werde die US-Notenbank handeln?
Gepreist werde ein erster Zinsschritt weiterhin für März/Juni 2015. Doch komme er tatsächlich bereits dann? Denn interessanterweise (und sicher nicht zur Freude der US-Notenbank) seien die Inflationserwartungen deutlich zurückgegangen - auch die langfristigen. Das spräche eher für ein weiteres Zögern der Währungshüter.
Andererseits habe die FED zuletzt den Passus "für längere Zeit" aus ihrer Stellungnahme bezüglich weiterhin unveränderter Zinssätze gestrichen und stattdessen von "geduldig" gesprochen. Zugleich habe sie sich zu versichern beeilt, dass damit aber das gleiche gemeint sei. FED-Chefin Yellen versuche offenkundig, die Märkte etwas mehr im Unklaren zu lassen und sie stelle diesbezüglich ihren Vor-Vorgänger Alan Greenspan fast schon in den Schatten.
Mit dem rasanten Ölpreisrückgang sei zudem eine neue Variable aufgetaucht, deren Auswirkungen derzeit noch schwer abzuschätzen seien. Dem aktuellen Marktkonsens zufolge handele es sich dabei vor allem um ein Überangebot an Öl, (US-Schieferöl-Boom plus geopolitisch motivierte Aktionen Saudi Arabiens) und weniger um ein Problem zu geringer Nachfrage.
In diesem Fall sollte der Nettoeffekt für die US-Konjunktur (und die Weltwirtschaft) positiv sein, weil den Konsumenten durch niedrigere Benzin- und Energiepreise mehr Geld für andere Ausgaben bleibe. Dem stehe freilich entgegen, dass mit den aktuellen Ölpreisen ein Großteil der US-Schieferölprojekte nicht mehr rentabel sei und die Cashflows vieler Firmen massiv in Gefahr seien, wenn der Preis längere Zeit niedrig bleibe. Das könnte zu einer Pleitewelle im US-Energiesektor führen und zusätzlich kräftige Rückgänge bei neuen Investitionen in diesem Bereich bedeuten.
Zudem scheine ein erheblicher Teil der so eingesparten Ausgaben der Konsumenten in "Obamacare" zu fließen, weil viele bislang offenkundig Schwierigkeiten hätten, die Versicherungsprämien zu bezahlen. Und sollte der Ölpreis stärker als vermutet Ausdruck einer sich weiter abschwächenden Weltkonjunktur sein, dann stünden auch wieder vermehrt Fragezeichen hinter der Robustheit der US-Konjunktur.
Schließlich könnte auch der US-Dollar weiter steigen, wenn die FED einen Zinsanhebungszyklus starte. Ein noch stärkerer Dollar wäre aber nicht im Sinne der FED und wenig förderlich für die US-Konjunktur. Eine Zinsanhebung für die erste Jahreshälfte 2015 oder überhaupt für 2015 sei angesichts dessen längst nicht sicher.
10-jährige US-Staatsanleihen würden weiterhin eher leichten Druck nach unten als nach oben zeigen. Zugleich scheine das weitere Abwärtspotenzial aus heutiger Sicht aber recht begrenzt zu sein. Möglicherweise würden sich die Renditen in den kommenden Monaten daher in einer recht breiten Spanne zwischen 1,90% und 2,70% bewegen. (Ausgabe Dezember 2014/Januar 2015) (30.12.2014/alc/a/a)
Die langen US-Renditen seien nicht mehr weit von ihren Mitte 2012 erreichten Paniktiefs (Euro-Krise) bei rund 1,50% entfernt und sie lägen nur noch 20 bis 30 Basispunkte über den Tiefs von Weltwirtschaftskrise und 2. Weltkrieg. Und das trotz zuletzt wieder stärkerer Konjunkturdaten, eines robusten Arbeitsmarktes, einer Inflationsrate nahe dem Zielniveau der FED (ca. 2%) und einer näher rückenden ersten Zinsanhebung der FED. Doch wann genau werde die US-Notenbank handeln?
Gepreist werde ein erster Zinsschritt weiterhin für März/Juni 2015. Doch komme er tatsächlich bereits dann? Denn interessanterweise (und sicher nicht zur Freude der US-Notenbank) seien die Inflationserwartungen deutlich zurückgegangen - auch die langfristigen. Das spräche eher für ein weiteres Zögern der Währungshüter.
Andererseits habe die FED zuletzt den Passus "für längere Zeit" aus ihrer Stellungnahme bezüglich weiterhin unveränderter Zinssätze gestrichen und stattdessen von "geduldig" gesprochen. Zugleich habe sie sich zu versichern beeilt, dass damit aber das gleiche gemeint sei. FED-Chefin Yellen versuche offenkundig, die Märkte etwas mehr im Unklaren zu lassen und sie stelle diesbezüglich ihren Vor-Vorgänger Alan Greenspan fast schon in den Schatten.
In diesem Fall sollte der Nettoeffekt für die US-Konjunktur (und die Weltwirtschaft) positiv sein, weil den Konsumenten durch niedrigere Benzin- und Energiepreise mehr Geld für andere Ausgaben bleibe. Dem stehe freilich entgegen, dass mit den aktuellen Ölpreisen ein Großteil der US-Schieferölprojekte nicht mehr rentabel sei und die Cashflows vieler Firmen massiv in Gefahr seien, wenn der Preis längere Zeit niedrig bleibe. Das könnte zu einer Pleitewelle im US-Energiesektor führen und zusätzlich kräftige Rückgänge bei neuen Investitionen in diesem Bereich bedeuten.
Zudem scheine ein erheblicher Teil der so eingesparten Ausgaben der Konsumenten in "Obamacare" zu fließen, weil viele bislang offenkundig Schwierigkeiten hätten, die Versicherungsprämien zu bezahlen. Und sollte der Ölpreis stärker als vermutet Ausdruck einer sich weiter abschwächenden Weltkonjunktur sein, dann stünden auch wieder vermehrt Fragezeichen hinter der Robustheit der US-Konjunktur.
Schließlich könnte auch der US-Dollar weiter steigen, wenn die FED einen Zinsanhebungszyklus starte. Ein noch stärkerer Dollar wäre aber nicht im Sinne der FED und wenig förderlich für die US-Konjunktur. Eine Zinsanhebung für die erste Jahreshälfte 2015 oder überhaupt für 2015 sei angesichts dessen längst nicht sicher.
10-jährige US-Staatsanleihen würden weiterhin eher leichten Druck nach unten als nach oben zeigen. Zugleich scheine das weitere Abwärtspotenzial aus heutiger Sicht aber recht begrenzt zu sein. Möglicherweise würden sich die Renditen in den kommenden Monaten daher in einer recht breiten Spanne zwischen 1,90% und 2,70% bewegen. (Ausgabe Dezember 2014/Januar 2015) (30.12.2014/alc/a/a)


