Anleihen: Stimmungskanone EZB


27.07.12 14:40
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nachdem zu Wochenbeginn noch alles vor dem Exodus zu stehen schien, sieht die Welt jetzt schon wieder ganz anders aus, berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft aus dem Rentenhandel, so die Deutsche Börse AG.

Für eine deutlich verbesserte Stimmung der Börsianer habe am Donnerstag die Europäischen Zentralbank (EZB) gesorgt, deren Präsident Mario Draghi versichert habe, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. Damit sei die EZB offenbar zu weiteren Staatsanleihekäufen bereit, um die Zinslast in den Krisenstaaten der Eurozone zu lindern.

An den Anleihemärkten der Euro-Peripherie habe sich die Lage schlagartig entspannt: "Noch zur Wochenmitte lagen die Renditen für zehnjährige spanische Staatsanleihen in der Spitze bei 7,75 Prozent - heute sind es gerade mal noch 6,81 Prozent", berichte Daniel. Arthur Brunner von ICF Kursmakler ergänze: "Die Renditen von sechsjährigen spanischen Staatsanleihen lagen zur Wochenmitte teilweise höher als die von zehnjährigen, was als Indiz für den Vertrauensverlust der Märkte gedeutet werden kann. Selbst für Papiere mit einer Laufzeit von sechs Monaten musste das Land diese Woche 3,69 Prozent zahlen, während die Anleger bei den Eurokernländern sogar Minuszinsen akzeptieren."

Auch für Italien habe sich die Refinanzierungssituation seit dem EZB-Bekenntnis wieder gebessert. "Italien musste am Donnerstag 4,86 Prozent Zinsen zahlen um 2,5 Milliarden zweijährige Anleihen bei den Anlegern zu platzieren. Diese werden sich freuen, denn nach der Aussage von Mario Draghi stiegen die Kurse um über einen ganzen Prozentpunkt an, so dass die Rendite aktuell nur noch 4,21 Prozent beträgt", rechne Brunner vor.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) habe seine Korrektur fortgesetzt und im Tief die Unterstützungszone 143,66/76 Prozent ins Visier genommen, erkläre die Helaba und füge hinzu: "Sollte dieser Bereich unterschritten werden, was aufgrund der eingetrübten Tagestechnik zunehmend wahrscheinlich wird, weitet sich das Korrekturpotenzial bis 143,15 aus." Darunter liege die nächste Auffangmarke bei 142,48 Prozent. Aktuell notiere das deutsche Rentenbarometer bei 144,15 Prozent.

Noch zu Wochenbeginn habe ein Interview von Wirtschaftsminister Rößler für Schlagzeilen gesorgt. "Seine Behauptung, dass das Szenario eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone seinen Schrecken verloren habe, wurde von den Märkten ad absurdum geführt", kommentiere Brunner. Im Vorfeld hätten die Troika-Prüfer von EU, Internationalem Währungsfonds und EZB dem schuldenstrapazierten Land nur einen mangelhaften Fortschritt bei den im Rahmen der Rettungspakete vereinbarten Reformen bescheinigt.

Dazu habe sich die Warnung der Ratingagentur Moody's vor einer möglichen Bonitätsabstufung für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg gesellt. Den Rating-Ausblick für die drei Länder habe Moody's von "stabil" auf "negativ" gesenkt und zur Begründung auf die möglichen Belastungen verwiesen, die durch die bereits beschlossenen Rettungspakete zukünftig auf die Länder zukommen könnten.

"Angesichts dieser Nachrichtenlage war Anfang der Woche eine deutliche Flucht der Anleger raus aus dem Euro zu beobachten. Fremdwährungsanleihen waren stark gesucht", erkläre Daniel. So berichte der Market Maker etwa von Käufen bei in Australischen Dollar denominierten Anleihen (ISIN XS0790004344 / WKN A1G5TF, ISIN XS0497461649 / WKN A1AU7J) von General Electric und Nestlé mit Laufzeiten bis 2016 bzw. 2014. Auch ein in Türkischer Lira denominiertes KFW-Papier (ISIN XS0585517245 / WKN A1E8U5) mit Fälligkeit im Jahr 2016 habe auf den Kauflisten gestanden.

"Griechenlandbons wurden nach dem negativen Troika-Urteil indes weiter verkauft. Und auch in spanische Anleihen traut sich eigentlich keiner mehr rein. Lediglich mit Spielgeld wird noch ein bisschen gezockt", ergänze Daniel.

Positives gebe es laut Brunner über Irland zu berichten, das wieder an die Kapitalmärkte zurückgekehrt sei. "Das Land platzierte insgesamt 4,19 Milliarden Euro an fünf und achtjährigen Anleihen. Ebenso tauschten Besitzer von Anleihen mit Fälligkeiten 2013 und 2014 insgesamt 1,04 Milliarden in die länger laufenden Anleihen. Das zeigt, dass das Land das schlimmste hinter sich hat nachdem es 2010 Hilfe aus dem Rettungsschirm annehmen musste", meine der Experte von ICF Kursmakler.

"Die bei den Privatanlegern gefragte Schäffleranleihe musste etwas von ihren Kursgewinnen abgeben, nachdem sie um knapp 26 Millionen Euro aufgestockt wurde", beobachte Brunner am Markt für Unternehmensanleihen. Das Maschinenbauunternehmen zahle seinen Investoren für den fünfjährigen Bond einen Kupon von 6,75 Prozent. Aufgrund der Mindeststückelung von 1.000 Euro sei die Anleihe für Privatanleger interessant.

Trotz der volatilen Märkte hätten am Primärmarkt laut Baader Bank in der abgelaufenen Woche dennoch einige Neuemissionen im Corporate-Bereich auf dem Plan gestanden: "Tendenziell ist die Aktivität in diesem Segment in den vergangenen Wochen aufgrund des beginnenden Sommerlochs rückläufig. In der abgelaufenen Woche traten drei größere Adressen auf, wobei das Interesse der Investoren durchaus lebhaft und im Falle von Coca Cola sogar sehr hoch war", berichte Klaus Stopp, der stellvertretende Leiter des Rentenhandels.

Der weltweit größte Softdrinkhersteller Coca Cola habe einen siebenjährigen Bond (ISIN XS0810720515 / WKN A1G7YC) im Volumen von 350 Millionen Euro mit einem Kupon von 2,0 Prozent emittiert. "Das Interesse der Anleger war enorm und somit das Orderbuch vielfach überzeichnet", wisse Stopp.

Ebenfalls aktiv am Kapitalmarkt sei der australische Konzern Wesfarmers geworden, der in verschiedenen Industriezweigen wie Düngemittelproduktion, Kohlebergbau, Chemie, Gasgewinnung, Baustoffproduktion und Versicherungen tätig sei. Emittiert worden seien 650 Millionen Euro. Die Anleihe (ISIN XS0810622935 / WKN A1G7YF) sei mit einem Kupon in Höhe von 2,75 Prozent ausgestattet und die Rückzahlung erfolge 2022.

Bereits Ende der vergangenen Woche habe sich das niederländische Unternehmen Akzo Nobel zu einer Mittelaufnahme durch eine Anleihe (ISIN XS0809847667 / WKN A1G7UU) im Volumen von 750 Millionen Euro entschieden. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren werde den Investoren jährlich ein Kupon in Höhe von 2,625 Prozent gezahlt. (27.07.2012/alc/a/a)





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