Anleihen: Starker Euro-Bund-Future


12.12.14 16:22
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Regierungskrise in Griechenland und ein, wie es scheint, ins Uferlose fallender Ölpreis sorgen laut Händlern für Unsicherheit an den Kapitalmärkten, so die Deutsche Börse AG.

Mit zunehmender Risikoaversion stünden Staatsanleihen aus Ländern mit guter Bonität hoch im Kurs. Dem deutschen Zinsbarometer habe die rege Nachfrage nach zehnjährigen Bundesanleihen auf die Sprünge verholfen. Der Euro-Bund-Future habe bei einem Stand von 154,33 Prozent am Morgen ein neues Allzeithoch markiert. "Damit gehen historisch niedrige Renditen von 0,64 Prozent einher", bemerke Arthur Brunner von ICF Kursmakler.

Demgegenüber würden griechische Bonds gleicher Laufzeit gegenwärtig 8,75 Prozent abwerfen. Vor einer Woche seien es laut Brunner noch um 7,0 Prozent gewesen. Alle griechischen Staatsanleihen stünden unter Druck. "Die Regierung in Athen geht mit den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen ein großes Risiko ein, wodurch die Eurokrise wieder stärker thematisiert wird", begründe der Händler. Denn trotz zuweilen unsichtbarer Symptome sei die Krankheit hartnäckig und immer noch nicht auskuriert.

Das Dreigespann aus Europäischer Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds schenke den griechischen Zahlen zu einem ausgeglichenen Haushalt 2015 kein Vertrauen. "Der Patient ist entgegen bisheriger Planungen auch nicht bis zum Jahresende in der Lage, auf eigenen Füßen zu stehen" urteile Klaus Stopp von der Baader Bank. Deshalb sei das Ende Dezember auslaufende Rettungsprogramm für Griechenland um zwei Monate verlängert worden. Ohne dieses vorgezogene Weihnachtsgeschenk erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit einer Auflösung des Parlaments. Und bei Neuwahlen könne es Umfragen zufolge zu einem Regierungswechsel hin zur linksradikalen Oppositionspartei Syriza kommen. Damit käme aber aller Voraussicht nach ein Grexit, also ein griechischer Exit aus der Währungsunion, auf die Agenda.

Stopp stelle in diesem Zusammenhang die Frage, ob die Folgen wirklich so fatal wären, wenn sich Griechenland aus eigenem Antrieb vom Euro verabschieden würde. Zwar nähmen die Unruhen auf politischer Ebene zu. Finanziell würde es nach Ansicht des Analysten allerdings keinen großen Unterschied geben. Mit den bisherigen Hilfsmitteln für Griechenland hätten andernfalls die eigenen Banken gerettet werden müssen.

Die Nachfrage nach dem zweiten Langfristtender der EZB sei am gestrigen Donnerstag ebenfalls unter den Erwartungen geblieben. 306 Banken hätten rund 130 Milliarden Euro abgerufen. "Für beide Tranchen wurden damit von den erhofften 400 Milliarden Euro insgesamt rund 212 Milliarden Euro ausgeschöpft", berichte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank, die das geringe Interesse unter anderem auf die derzeitige Phase negativer Einlagenzinsen zurückführe. Interessant werde die heutige EZB-Ankündigung über die frühzeitige Zurückführung von Geldern aus den ausstehenden Dreijahrestendern. Allerdings sei bereits klar, dass die Notenbank die Bilanzsumme nicht wie geplant habe ausweiten können. "Damit steigt die Wahrscheinlichkeit breit angelegter Anleihe-Käufe."

Selbst bei diesem Vorhaben könnte EZB-Präsident Mario Draghi die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben, wie Stopp meine. Europäische Banken, die immerhin Staatsanleihen aus dem Euroraum im Gesamtvolumen von 6,6 Billionen in ihren Büchern führten, würden sich vermutlich gut überlegen, ob diese zum Verkauf stünden. Denn falls sie die dadurch erzielten Mittel bei der Notenbank zwischenlagern wollten, würden für diese kurzfristen Einlagen Strafzinsen in Höhe von 0,2 Prozent fällig.

"Der Aufkauf von Staatsanleihen durch eine Notenbank bei gleichzeitigem Strafzins für zu parkende Liquidität geht nicht so recht zusammen." In der Geschichte der Notenbanken gebe es dafür auch keine Erfahrungen. Ein Ausweg aus der Bredouille biete vielleicht eine Erhöhung des Mindestreserve-Solls für die Banken. "Denn für diese Einlagen gibt es immerhin 0,05 Prozent Zinsen."

Den Handel mit Mittelstands-Anleihen beschreibe Brunner als tendenziell ruhig. "Der fallende Ölpreis macht sich allerdings bemerkbar." Schuldverschreibungen von Ölgesellschaften wie Petrobras stünden unter Druck. Anleger hätten sich beispielsweise von einem mit 4,25 Prozent verzinsten Papier (ISIN XS0835890350 / WKN A1G97H) des brasilianischen Ölkonzerns mit Fälligkeit im Oktober 2023 getrennt. Seit Anfang Oktober sei die Anleihe von knapp 105 Prozent auf derzeit gut 91,43 Prozent gesunken. Ähnlich seien die Kurseinbrüche für ein bis Dezember 2019 laufender Bond (ISIN XS0835886598 / WKN A1G97J) der Gesellschaft mit einem Kupon von 3,25 Prozent.

Seit dieser Woche hätten Anleger zusätzlichen Zugang zu 70 Bonds in chinesischer Währung, wie Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft melde. Neben chinesischen Staatsanleihen befinde sich unter den Emittenten eine Reihe von Banken (ISIN XS0873816259 / WKN A1HEX0, ISIN nicht bekannt/ WKN A1ZCMM).

Auf viel Gegenliebe stoße laut Förtsch eine seit dieser Woche handelbare Anleihe (ISIN XS1152338072 / WKN A13R96) des Pharmakonzerns Merck. Der zunächst mit 2,625 Prozent und später variabel verzinste Bond habe eine Stückelung von 100.000 Euro.

Für Überraschung habe diese Woche laut Tillmann die Erste Bank aus Österreich gesorgt. Sie habe am Mittwoch angekündigt, dass sie die Zinszahlung für ihre Hybridanleihen ausfallen lasse. Es stehe kein ausreichender Jahresüberschuss zur Verfügung. Unter anderem hätten Anleger einen mit 5,294 Prozent ausgestatte Anleihe (ISIN XS0268694808 / WKN A0GYKZ) verkauft, die seitdem eine Talfahrt von 95,5 auf 82,5 Prozent hinlegte. "Die Erste Bank hatte bereits zuvor über einen voraussichtlichen Verlust im Geschäftsjahr informiert."

Südwärts gegangen sei es dieser Woche auch für die Anleihe (ISIN DE000A1YDDX6 / WKN A1YDDX) der SolarWorld AG, wie Tillmann berichte. Innerhalb einer Woche sei der mit 6,0 Prozent verzinste, im Februar 2019 fällige Bond von 260 auf 230 Euro pro Stück gerutscht. An konkreten Unternehmensnachrichten könne die Händlerin die Bewegung nicht festmachen. "Möglicherweise spielen fallende Modulpreise gekoppelt mit einem starken US-Dollar eine Rolle." In der Branche gebe es harte Preiskämpfe. (12.12.2014/alc/a/a)





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