Anleihen: Spanien und Italien auf dem Schleudersitz


01.06.12 16:26
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Renditen für europäische Staatsanleihen laufen immer weiter auseinander: Bei den spanischen Anleihen sind mittlerweile wieder die Niveaus vom vergangenen Herbst erreicht, bevor die EZB stützend eingriff, so die Deutsche Börse AG.

"Italien musste bei der Auktion am Mittwoch tief in die Tasche greifen, um genügend Käufer für fünf- und zehnjährige Anleihen zu finden", erkläre Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Mit 5,66 beziehungsweise 6,03 Prozent sei man gezwungen gewesen, deutlich mehr zu bieten - und habe nicht einmal das maximale Volumen bei den Anlegern platzieren können.

Gleichzeitig setze sich die Flucht in sichere Häfen fort: Der für Bundesanleihen richtungsweisende Euro-Bund-Future sei im Laufe der Woche auf immer neue Höhen geklettert und markiere heute mit 146,63 abermals einen Rekord. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen falle im Gegenzug auf unter 1,15 Prozent, die zweijährige Bundrendite habe sogar zwischenzeitlich im negativen Bereich gelegen. "Damit haben wir hier bald Sushi-Verhältnisse", kommentiere Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "In Japan liegt die Rendite für zehnjährige Anleihen bei 0,816 Prozent."

Doch auch die zuvor unter Druck geratenen französischen, niederländischen und österreichischen Staatsanleihen seien wieder gesucht. Der neue sozialistische Präsident habe Frankreich offenbar nicht geschadet, französische Staatsanleihen seien am gestrigen Donnerstag im zehnjährigen Laufzeitbereich auf 2,375 Prozent gefallen - den tiefsten Stand aller Zeiten.

"Die 19 Milliarden Euro, die die spanische Bankia an frischem Kapital vom Staat benötigt, lassen für den ganzen Sektor nichts Gutes erahnen", kommentiere Arthur Brunner mit Blick auf das viertgrößte spanische Institut. "Klar ist auch, dass Spanien sein Defizitziel von 5,3 Prozent des BIP in diesem Jahr dadurch nicht erreichen kann." Der italienischen Übergangsregierung gelinge es ebenfalls nicht, die Anleger dauerhaft zu gewinnen. "Die zögerliche Umsetzung der Reformen und die Tatsache, dass es bei der Eintreibung von Steuern nach wie vor gravierende Missstände gibt, lassen sowohl Investoren als auch die eigene Bevölkerung an dem Kurs der Regierung zweifeln."

Entwarnung werde es so bald wohl nicht geben: "Auch für die kommenden Tage rechnen wir nicht damit, dass sich die derzeitigen Markttendenzen nachhaltig umkehren", meine die HSH Nordbank. Dies sei wohl erst dann möglich, wenn das zentrale Risiko, nämlich ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone, an Wahrscheinlichkeit verliere. "Angesichts uneinheitlicher Umfrageergebnisse im Vorfeld der Wahl am 17. Juni zeichnet sich hier aber noch keine Tendenz ab."

Im Bereich der Corporate Bonds hätten abermals Praktiker-Anleihen stark unter Druck gestanden, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler berichte. Diese hätten sich in der ersten Maihälfte bis auf 53 Prozent erholen können, dann sei es aber wieder rasant nach unten gegangen, aktuell notiere die Anleihe bei 41 Prozent. Die neuesten Pläne der angeschlagenen Baumarktkette würden offenbar nicht gut ankommen: Die norddeutschen Max Bahr-Filialen sollten zu Premium-Baumärkten umgerüstet werden, die übrigen Praktiker-Märkte als eine Art Baumarkt-Discounter fungieren.

Wieder zulegen können hätten Petz zufolge hingegen Air Berlin-Anleihen (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A; ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B; ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C), die in der Vorwoche aufgrund von Aussagen des Fluglinienchefs Mehdorn kräftig an Wert verloren hätten. Dieser habe geäußert, die Existenz von Air Berlin sei durch die Flugbenzinsteuer bedroht. Investoren würden das aber wohl nicht glauben - oder würden darauf setzen, dass Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi die deutsche Fluggesellschaft durchfüttern werde.

"Der Kurs der bis 2014 laufenden Anleihe (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) fiel von 101 Prozent vor zehn Tagen auf 92, jetzt notiert die Anleihe wieder bei 100 Prozent", erkläre Petz. Dabei komme Air Berlin in einer Bewertung der Rating-Agentur Scope, die in dieser Woche erstmals Noten für Mittelstandsanleihen vergeben habe, nicht gut weg: Das Unternehmen habe nur ein CCC- erhalten.

Arthur Brunner melde daneben Käufe in einer Renault-Anleihe mit Kupon von 6 Prozent und Fälligkeit im Oktober 2014. Außerdem seien angesichts des schwachen Euro Währungsanleihen wieder einmal beliebt, besonders die üblichen Kandidaten: "Gekauft wurden Anleihen in US-Dollar, Südafrikanischen Rand, Australischen Dollar und Norwegischen Kronen."

Mit einer neuen Anleihe (ISIN XS0790015548 / WKN A1G5R8) sei der Industriegaseproduzent Linde auf den Markt gekommen, wie Gregor Daniel melde. Diese laufe bis Juni 2019 und werde zu 1,75 Prozent verzinst, die Stückelung betrage 1.000 Euro. "Die Nachfrage ist wegen der niedrigen Zinsen aber bei Null", meine der Händler. Im vergangenen Dezember habe Linde bei einer Anleihe mit gleicher Laufzeit noch einen Zins von 3,125 Prozent bezahlt.

Am Mittwoch habe im Übrigen die Zeichnungsfrist für die Mittelstandsanleihe (ISIN DE000A1ML4T7 / WKN A1ML4T) des FC Schalke 04 begonnen. Der Fußballverein biete einen Kupon von 6,75 Prozent bei einer Laufzeit von sieben Jahren, die Stückelung betrage 1.000 Euro. Am Markt werde von einer vorzeitigen Schließung der bis 8. Juni geplanten Zeichnungsfrist ausgegangen. (01.06.2012/alc/a/a)






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