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Anleihen der Schwellenländer durch Diskussion der FED und Sorge über Chinas Konjunktur belastet


11.07.13 16:40
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Kursverluste bei Aktien und Anleihen der Schwellenländer im Mai bildeten nur das Vorspiel für eine beschleunigte Abwärtsbewegung im Juni, berichten die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".

Der MSCI-Emerging Markets Index habe über 6% verloren und liege damit seit Jahresbeginn bereits rund 10% im Minus. Als Auslöser seien allgemein die Äußerungen aus der US-Notenbank (FED) und zunehmende Sorgen über Chinas Konjunktur genannt worden. Die FED habe unter gewissen Umständen ein vorzeitiges Reduzieren ("tapering") der massiven Anleihekäufe von derzeit monatlich rund 85 Mrd. US-Dollar in Aussicht gestellt. Im Zuge dessen hätten US-Staatsanleihen einen der dynamischsten Renditeanstiege der letzten Jahrzehnte verzeichnet. Das habe weltweit auch fast alle anderen Assetklassen unter Druck gebracht, vor allem Aktien und Anleihen, sowie Währungen der Schwellenländer.

Es herrsche weitgehend Konsens darüber, dass die US-Notenbank mit ihren Maßnahmen in den letzten Jahren die Renditen für US-Staatsanleihen künstlich nach unten gedrückt habe. Weniger Einigkeit bestehe jedoch darüber, in welchem Ausmaß. Die Ansichten der Marktteilnehmer und Analysten würden deutlich auseinander gehen bei der Frage, ob die Rendite für 10-jährige US-Treasuries "eigentlich" über den gegenwärtigen 2,65% liegen müsste oder darunter. Die Antwort darauf habe erhebliche Implikationen auch für Aktien und Anleihen der Schwellenländer.

Sollte der Renditeanstieg nämlich der Beginn eines nachhaltigen Aufwärtstrends bei US-Staatsanleihen sein, dann könnte das ein nachhaltig verbessertes globales Konjunkturbild anzeigen und das wäre sehr positiv für EM-Aktien. Die gegenteilige Interpretation sehe den Renditeanstieg nur als eine vorübergehende Panikreaktion und die Prognosen der FED als zu optimistisch an. In diesem Falle würden die Renditen wieder sinken und EM-Aktien wohl weiterhin unterdurchschnittlich abschneiden.

Die kommenden Monate würden zeigen, welches Lager richtig liege. Konjunkturdaten und Vorlaufindikatoren würden bislang jedenfalls auf eine graduelle Verbesserung des weltwirtschaftlichen Umfeldes hindeuten, was sich früher oder später auch positiv auf die EM-Volkswirtschaften auswirken sollte. Auch für China würden die Experten zwar eine Wachstumsverlangsamung, jedoch keinen Konjunktureinbruch erwarten und etwaige Schwierigkeiten im Finanzsystem sollten für das Land aus heutiger Sicht absolut beherrschbar bleiben.

Der Zinsanstieg bei langfristigen US-Staatsanleihen und die Furcht, dass auch die kurzfristigen US-Zinsen vielleicht früher steigen würden als bislang erwartet, habe viele Investoren dazu veranlasst, Positionen in Schwellenländeranleihen aufzulösen, die in den zurückliegenden Jahren mittels kurzfristiger US-Dollar-Kredite finanziert worden seien (so genannte "carry-trades"). Die daraus resultierenden Kapitalströme - raus aus Schwellenländerwährungen und zurück in den Dollar - hätten die entsprechenden EM-Währungen unter Druck gebracht - was zum Teil weitere Verkäufe von Investoren nach sich gezogen habe.

Die Experten würden derzeit aber nicht erwarten, dass daraus eine Währungskrise werde. Die meisten Schwellenländer würden heutzutage über weit größere Fremdwährungsreserven als früher verfügen und sollten in der Lage sein, unkontrollierten Währungsabwertungen entgegenzuwirken. (Ausgabe Juli 2013) (11.07.2013/alc/a/a)