Anleihen: Ruhe nach dem Sturm


25.04.16 10:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit der Erholung von Ölpreis und Aktienkursen ist die Nachfrage nach Bundesanleihen in dieser Woche zurückgegangen, so die Deutsche Börse AG.

Händler würden durchweg von einem ruhigeren Geschehen an den Märkten berichten. Die heftigen Turbulenzen scheinen vorbei zu sein, die Volatilität ist, gemessen am VDAX-New, wieder auf das Normalmaß zurückgekehrt, so die Deutsche Börse AG.

Der Euro-Bund-Future liege am Freitagmittag bei 162,60 Punkten nach 163,87 vor einer Woche, zehnjährige Bundesanleihen würden wieder 0,23 Prozent abwerfen nach 0,13 vergangenen Freitag.

Wie erwartet wenig Neues habe es auf der EZB-Ratssitzung am Donnerstag gegeben. "Mario Draghi betonte jedoch erneut die Handlungsbereitschaft der Notenbank", berichte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Die Auswirkungen der Beschlüsse vom März sollten aber erst einmal abgewartet werden. "Mit weiteren Maßnahmen rechnet der Markt in naher Zukunft nicht." Details habe es zu den im Juni beginnenden Ankäufen von Unternehmensanleihen gegeben. "Die Liquidität im Handel ist bereits seit Ankündigung der Maßnahmen im März gering", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank.

Am kommenden Dienstag und Mittwoch tage die US-Notenbank, es werde überwiegend davon ausgegangen, dass der Leitzins noch nicht weiter erhöht werde. "Spannender ist die Frage, ob die Währungshüter einen Wink geben, dass sie einen Schritt auf der Juni-Sitzung ernsthaft erwägen", meine Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Denn so sei auch der "Lift-Off" im Dezember vorbereitet worden. "Wir halten es für wahrscheinlicher, dass sich die Notenbank bedeckt hält und allenfalls das Kommuniqué leicht ’anschärft’".

Kein großes Thema am Markt sei Griechenland. Dabei würden heute die Finanzminister der Eurozone darüber beraten, ob im Rahmen des dritten Rettungspakets weitere Hilfszahlungen an Athen freigegeben werden könnten. "Die Spreads für Griechenland-Anleihen sind in dieser Woche sogar zurückgegangen", stelle Brunner fest. "Allen ist klar, dass es eine neue Baustelle Griechenland nicht geben darf - auch angesichts der Flüchtlingskrise." Eine bis 2016 laufende Anleihe (ISIN GR0114028534 / WKN A1ZGWQ) werde aktuell zu 89,30 Prozent gehandelt nach zwischenzeitlich 72 im Februar und unter 60 Prozent im vergangenen Sommer.

Nach 15 Jahren Auszeit sei Argentinien in dieser Woche an den Kapitalmarkt zurückgekehrt: Am Dienstag habe das Land mehrere Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten im Wert von insgesamt 16,5 Milliarden US-Dollar platziert. Die Papiere seien bei den Anlegern sehr begehrt gewesen, allerdings müsse das Land hohe Zinsen zahlen: Für die zehnjährige Anleihe seien es zum Beispiel 7,5 Prozent, für die fünfjährige (ISIN USP04808AA23 / WKN A180N3) 6,875 Prozent. Die Emission richte sich mit einer Mindestanlagesumme von 150.000 US-Dollar nicht an Kleinanleger.

Argentinien sei 2001 zahlungsunfähig geworden, danach sei es zu einem Schuldenerlass gekommen. "Erschreckend ist, wie vergesslich doch Investoren sind", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank: "Gestern noch pleite, und heute ist bereits alles vergessen und verziehen." Im Zuge der Neuemission seien auch die Kurse alter Argentinien-Anleihen gestiegen, etwa eines bis 2033 laufenden Papiers mit Kupon von 7,82 Prozent (ISIN XS0501195134 / WKN A0VTZV), wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte.

Im Corporate Bond-Bereich habe es Brunner zufolge in dieser Woche deutliche Gewinne für VW-Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21, ISIN XS0968913268 / WKN A1VCZP) gegeben, vor und auch nach der Einigung zwischen VW und den US-Behörden in Sachen Abgasskandal am Donnerstag. "In der Spitze kletterte das Papier mit Kupon von 4,625 Prozent bis auf 101 Prozent", melde der Händler. Aktuell seien es 99,28 Prozent. "Das zeigt, dass die Anleger an die Zukunft von VW glauben."

Käufe habe Daniel in Hornbach Baumarkt-Anleihen beobachtet. Diese böten bei einer Laufzeit bis 2020 zwar einen Kupon von 3,875 Prozent, würden derzeit aber zu 108,89 Prozent gehandelt, was die Rendite auf 1,45 Prozent drücke. Gewinnmitnahmen habe es laut Daniel hingegen in der neuen, mit 2,375 Prozent verzinsten siebenjährigen Peugeot-Anleihe gegeben. "Die ist wohl zu schnell gestiegen." Der Kurs liege aktuell bei 102,70 Prozent.

Sehr gut sei die neue fünfjährige Anleihe der Karlsberg Brauerei angekommen, die Zeichnungsfrist sei gleich am ersten Tag, am Dienstag dieser Woche, um 14 Uhr beendet worden. "Das zeigt, dass der Markt für Mittelstandsanleihen nicht tot ist", kommentiere Brunner. "Es trennt sich nur die Spreu vom Weizen." Die Anleihe sei stark überzeichnet gewesen, der Kupon liege mit 5,25 Prozent am unteren Ende der vorab genannten Spanne von 5,25 bis 5,75 Prozent. 30 Millionen Euro aus dem Emissionserlös von insgesamt 40 Millionen sollten zur vorzeitigen Ablösung der ersten Anleihe (ISIN DE000A1REWV2 / WKN A1REWV) eingesetzt werden.

Seit Mittwoch werde das neue Papier im Entry Standard der Börse Frankfurt gehandelt. "Wir hatten sehr gute Umsätze", erkläre Brunner. Aktuell liege der Kurs bei 103,95 Prozent. "Anleger wissen, dass die alte Anleihe nie unter 100 Prozent gefallen ist."

Am 20. April fristgerecht zurückgezahlt worden sei ein Bond von Semper idem Underberg, wie Rainer Petz von Oddo Seydler melde. (Ausgabe vom 22.04.2016) (25.04.2016/alc/a/a)





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