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Anleihen: Nicht mehr auf der Welle surfen


01.04.14 16:18
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Im Monat März ließen sich die Märkte von der Krim-Krise, schwächelnden chinesischen Wirtschaftsdaten und der Zins-Botschaft der neuen FED-Chefin Janet Yellen nur kurzzeitig beeindrucken, so die Experten von Swisscanto.

Die fundamentale Rückendeckung durch anziehendes Wirtschaftswachstum sei weiterhin gegeben. Ihr Übergewicht bei Aktien lassen die Experten von Swisscanto unverändert, die Untergewichtung bei Anleihen wird durch eine Aufbesserung bei den Emerging Markets leicht zurückgenommen.

Die wirtschaftlichen Frühindikatoren befänden sich weltweit auf einem Dreijahreshoch. In den USA sei nach der wetterbedingten Winterdelle wieder eine Beschleunigung zu verzeichnen. Dort falle mittlerweile der Anstieg der Löhne ins Auge (Lohnwachstum auf Dreijahreshoch), der die bisher gute Verankerung der Inflationserwartungen beeinträchtigen könnte. Vor diesem Hintergrund sei die Ankündigung der neuen FED-Chefin einzuordnen, den Entscheid für die erste Leitzinserhöhung im neuen Zinszyklus wohl etwas früher treffen zu wollen, als an den Märkten bisher erwartet worden sei.

In Europa setze sich die Erholung fort: In den Ex-Krisenländern sei eine hohe Frequenz von Reformen zu beobachten; insgesamt lebe man dort nicht mehr über seine Verhältnisse. Die neue internationale Wettbewerbsfähigkeit der Peripherie werde durch steigende Exporte belegt.

Nachdem die Währungen zahlreicher Emerging Markets nach dem Jahresbeginn unter heftigen Verwerfungen gelitten hätten, habe sich die Lage dort beruhigt. Dennoch fließe nach wie vor Anlagekapital von dort ab, was an einzelnen Aktienmärkten - beispielsweise in Russland und China - zu auffällig niedrigen Bewertungen der Aktienmärkte gemessen am Kurs/Gewinn-Verhältnis geführt habe. Die Krim-Krise berge zwar weitere punktuelle Risiken, zum Beispiel für bestimmte Gazprom-Bonds, werde aber kaum Einfluss auf die vorherrschenden wirtschaftlichen Szenarien haben. Mit Blick auf China teilen die Experten von Swisscanto die Ansicht, dass es gewichtige Fragezeichen im Hinblick auf Schattenbanken und den Immobilienboom gibt. Die politisch gewünschte Wachstumsdämpfung werde jedoch geordnet vollzogen.

An den Märkten für sichere Staatsanleihen seien geopolitische Risiken auf kurze Sicht tonangebend. Das überdecke die Einschätzung, dass die Wirtschaftslage eigentlich ein höheres Zinsniveau rechtfertigen würde. Die Experten würden ihr deutliches Untergewicht bei Anleihen ebenso beibehalten wie eine unterdurchschnittliche Duration - mit Ausnahme der Emerging Markets, die sie ab sofort wieder neutral gewichten würden. Bei Unternehmensobligationen seien die Zeiten, wo man auf der großen Welle der allgemeinen Spreadverengungen ganz einfach habe mitsurfen können, eindeutig vorbei. Sorgfältige Branchen- und Titelselektion sei dagegen noch erfolgversprechend.

Für die Aktienmärkte sei die Krim-Krise nur ein Sturm im Wasserglas gewesen. Die Experten von Swisscanto kaufen eine Position russischer Aktien, um dort auf dem sehr niedrigen Bewertungsniveau kurzzeitig auf eine Kurserholung zu setzen. Das stärkere Lohnwachstum in den USA werde die US-Börse wohl noch nicht beeinträchtigen. Aus früheren Konjunkturzyklen sei bekannt, dass bei zunehmendem Lohndruck die operativen Margen der Unternehmen erst ein Jahr später einen Gipfel überschreiten würden. Die Bewertung von US-Aktien liege etwas über dem historischen Durchschnitt, wobei einzelne Aktienmarktsegmente - wie zum Beispiel Biotechnologie oder Internet Content - ganz offensichtlich heiß gelaufen seien. Europäische Aktien würden dagegen nach wie vor Bewertungsabschläge aufweisen. (01.04.2014/alc/a/a)