Anleihen: Neue Rekorde für Euro-Bund-Future


25.01.16 09:41
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Angst vor einer Weltwirtschaftskrise wie 2008 bestimmt den Anleihehandel ebenso wie die Aussicht auf weitere EZB-Lockerungsmaßnahmen im Rahmen der Sitzung am 10. März, so die Deutsche Börse AG.

Nach der deutlichen Kommunikation Draghis am Donnerstag erwarte die HSBC eine weitere Rücknahme des Einlagesatzes um 10 Basispunkte auf dann -0,40 Prozent. Das Anleihen-Kaufprogramm werde vermutlich nicht weiter ausgedehnt, während eine Aufweichung der selbstauferlegten Restriktionen beim Ankauf der Bonds durchaus möglich sei.

Die Aussichten auf noch mehr billiges Geld habe Arthur Brunner zufolge die Märkte etwas beruhigt. "Zuvor hatten insbesondere Sorgen um die Weltwirtschaft und die niedrigen Ölpreise den Euro-Bund-Future auf einen neuen Rekordstand von 161,94 Punkte getrieben", bemerke der Händler der ICF Bank. Im gesamten Wochenverlauf habe das hiesige Rentenbarometer von knapp 160 auf aktuell 161,22 Prozent zugelegt. "Zehnjährige deutsche Staatsanleihen bringen derzeit 0,465 Prozent Rendite, Bundesanleihen bis einer Laufzeit von sechs Jahren kommen auf einen negativen Ertrag", berechne Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Technisch befinde sich der Euro-Bund-Future nach Meinung von Klaus Stopp in einem weiterhin intakten Aufwärtstrend gestützt vom Novemberhoch bei 160,66 Prozent. Eine weitere Unterstützung mache der Händler der Baader Bank bei 160,52 Prozent aus. "Erst bei einem nachhaltigen Durchbrechen dieser Marke würden die diversen Hochs und Tiefs vom Dezember und Januar im Bereich von 159 Prozent neuen Halt bieten." Doch dazu bedürfe es Stopp zufolge einer kompletten Wandlung des aktuellen Sentiments. Nach oben gebe es aktuell lediglich Renditeniveaus, die eine psychologische Hürde darstellen würden. "The sky is the limit", urteile Stopp.

Das von Kärnten unterbreitete Rückkaufangebot für Heta-Anleihen stoße scheinbar bei den Gläubigern auf wenig Gegenliebe. Eine große Investorengruppe, zu der unter anderem die Commerzbank, HSH Nordbank und Deutsche Pfandbriefbank gehöre, lehne die Offerte nach eigenen Angaben ab, biete aber mehr Zeit für die Rückzahlung. Auch deutsche Versicherungen hätten bereits den Daumen gesenkt. Damit der Deal zustande komme, müssten zwei Drittel der Gläubiger bis März zustimmen.

Insgesamt gehe es laut Stopp um Anleihen der ehemaligen Bank Hypo Alpe Adria im Volumen von 11 Milliarden Euro, für die Kärnten eine Garantie gegeben habe. Das österreichische Bundesland biete den Inhabern vorrangiger Schuldtitel 75 Prozent und den Gläubigern nachrangiger Schuldtitel 30 Prozent des bereinigten Nennbetrages, dafür habe es 7,8 Milliarden Euro eingeplant. Ob dieser Vorschlag überhaupt akzeptiert werde, halte der Händler für fraglich. Alle Investoren hätten in diesem Marktumfeld eher auf möglichst geringe Verluste gezielt, obwohl die Europäische Zentralbank die betroffenen Banken bereits im Vorjahr angewiesen habe, mindestens 50 Prozent der Heta-Forderungen abzuschreiben. "Eine finale Einigung kann sich also noch hinauszögern."

Am Primärmarkt für Corporate Bonds sei den Händlern zufolge eher ruhig. Stopp mache das aktuelle Marktumfeld mitverantwortlich. easyJet als neuer Emittent plane seit geraumer Zeit die Begebung einer Anleihe, lasse aber weiter auf sich warten. Lediglich das früher unter dem Namen Kraft Foods bekannte und inzwischen umfirmierte Unternehmen Mondelez International habe eine mit eine mit jährlich 1,625 Prozent Zinsen ausgestattete Anleihe (ISIN XS1346872580 / WKN A18W1G) im Volumen von 700 Millionen Euro aufgelegt, die im Januar 2023 fällig werde.

Mittelstands-Anleihen seien nach Beobachtung von Brunner in dieser Woche generell unter Druck geraten. "Die Nachfrage nach Unternehmensanleihen ist gering, es sind wenige Käufer am Markt", beschreibe der Händler die gegenwärtige Situation. Gleichzeitig hätten sich Investoren beispielsweise von einer 182,5 Millionen schweren Scholz-Anleihe getrennt. "Mit der Verlegung der Zentrale nach London hat das Unternehmen die Anleihe-Gläubiger verärgert." Der mit 8,5 Prozent verzinste und im März 2017 fällige Bond sei seit Montag von knapp 40 auf 17,5 Prozent gefallen. Mitte 2015 habe der Wert noch bei 104 Prozent gestanden.

Ebenso hätten sich Anleger laut Brunner verstärkt von einer German Pellet-Anleihe (ISIN DE000A1H3J67 / WKN A1H3J6) mit einem Kupon von 7,5 Prozent getrennt, die im Wochenverlauf von 97 auf 55 Prozent regelrecht abgestürzt sei. Bei der im April fälligen Anleihe stehe die Refinanzierung der 52 Millionen Euro noch nicht. Eine weitere 2018 zur Rückzahlung vorgesehenen Anleihe des Unternehmens (ISIN DE000A1TNAP7 / WKN A1TNAP) mit einem Kupon von 7,25 Prozent sei von 95 auf 34 Prozent abgesackt.

"Die allgemeine Marktverfassung ist schwierig, Geldseiten sind rar, aber verkaufen wollen die Teilnehmer auch nicht unbedingt", beschreibe Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Nachrang-Emissionen der Deutschen Bank (ISIN DE000A0TU305 / WKN A0TU30, ISIN DE000A0DEN75 / WKN A0DEN7) hätten angesichts der veröffentlichten Ergebnisse nicht unerwartet Federn lassen müssen. "Der Markt beruhigte sich dann wieder etwas, die Tiefststände wurden verlassen und auf dem danach erreichten Niveau scheint sich ein Boden auszubilden."

Verhalten gekauft werde Daniel zufolge eine im Januar 2019 zur Rückzahlung anstehenden VW-Anleihe (ISIN XS0731681556 / WKN A1GY7M) mit einem Kupon von 3,25 Prozent. Nachdem der Wert im Zuge der Diskussion um Abgasmanipulationen auf 101 Prozent abgesackt sei, stehe die Anleihe mittlerweile wieder bei 105,21 Prozent.

Von Abgaben geprägt sei laut Daniel in dieser Woche eine in 2020 fällige Anleihe des Luftfahrtzulieferers FACC mit einem Kupon von 4 Prozent. Anleger seien angesichts der betrügerisch abgeflossenen 50 Millionen Euro an liquiden Mitteln aus der Finanzbuchhaltung nervös geworden. Das habe den Kurs des Bonds zwischenzeitlich um knapp 10 Prozent gedrückt.

Mittlerweile habe sich die Anleihe der Österreicher wieder bis 98 Prozent leicht erholt. Statt einer bislang angenommenen Cyber-Attacke handle es sich nach Angaben von FACC um einen verschmerzbaren Angriff auf das Vermögen. Die IT-Systeme seien nicht betroffen, und auch die Produktion laufe uneingeschränkt weiter. (Ausgabe vom 22.01.2016) (25.01.2016/alc/a/a)





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