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Anleihen: Mittelfristig Kursverluste erwartet


03.06.13 17:04
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Nachdem viele wichtige Aktienmärkte im vergangenen Monat Höchststände erreicht hatten, wurden durch eher schwache wirtschaftliche Frühindikatoren Gewinnmitnahmen ausgelöst, so die Experten von Swisscanto.

Auch sie würden den Fuß etwas vom Gas nehmen und das Übergewicht bei amerikanischen Aktien reduzieren, um temporäre Schwächephasen nutzen zu können. Das Übergewicht bei europäischen Aktien werde beibehalten.

Weltweit würden sich die Volkswirtschaften weiterhin sehr unterschiedlich entwickeln. In den USA würden die Erwartungen erfüllt; Arbeitsmarktentwicklung und Konsumentenstimmung seien sogar etwas besser als erwartet. Das habe Diskussionen um ein vorzeitiges Ende der extrem lockeren US-Geldpolitik und der umfangreichen Treasury-Käufe durch die US-Notenbank FED ausgelöst. Die Experten seien der Ansicht, dass die US-Notenbank ihr "Quantitative Easing" bis ins Jahr 2014 hinein fortsetzen werde und den Ausstieg aus seinem Kaufprogramm mit marktgerechter Kommunikation vorsichtig vorbereiten werde.

Die Eurozone befinde sich zwar noch in der Rezession, aber es gebe inzwischen Lichtblicke. Der wichtigste: Die Leistungsbilanz der Eurozone sei inzwischen markant positiv. Wichtig für Kapitalmärkte: An Spanien sei der Kelch einer Herabstufung der Staatsschulden auf das Niveau von Hochzinsanleihen mit großer Wahrscheinlichkeit vorübergegangen - da hätten die Rating-Agenturen sich ganz offensichtlich politischem Druck gebeugt.

Aus China seien wieder etwas schwächere Wirtschaftsindikatoren gekommen; die Experten würden davon ausgehen, dass die marktgängige Wachstumserwartung für dieses Jahr (+7,9 Prozent) etwas zu hoch angesiedelt sei. Die Neueinschätzung des chinesischen Wachstums belaste derzeit den gesamten Rohstoffsektor sowie die klassischen Rohstoffwährungen. In Japan würden mit den umfangreichen Stimulierungsmaßnahmen der Notenbank sowohl am Aktienmarkt als auch bei der Währung kurzfristig die gewünschten Effekte erzielt. Mit nachhaltigen Wirkungen rechne man eher nicht.

Angesichts des Niedrigzinsumfelds werde immer öfter die Erwartung formuliert, es werde eine "große Rotation" von Anleihen zu Aktien geben - oder diese sei bereits in Gang gekommen. Tatsächlich hätten erstklassige Staatsanleihen zuletzt spürbare Kursverluste verzeichnet. Ob es sich dabei bereits um die vielbeschworene große Zinswende handle, bleibe abzuwarten. Erneute Unsicherheiten wie beispielsweise ein unerwarteter Entscheid des deutschen Verfassungsgerichts am 12. Juni zum Thema "Das Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank" könnten wieder für die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen sorgen.

Swisscanto vertrete nach wie vor die Ansicht, dass es bei Anleihen mittelfristig zu Kursverlusten kommen werde. Der am Markt erwartete markante Schwenk in Richtung Aktien habe sich anhand messbarer Kapitalflüsse allerdings noch nicht bestätigen lassen. Als Alternative zu erstklassigen Staatsanleihen seien nach wie vor Anleihen der europäischen Peripherie, Unternehmensanleihen und Emerging-Markets-Anleihen bevorzugt worden. Als Folge dieser anhaltend hohen Nachfrage, die bisher nicht abebbe, seien inzwischen vor allem Unternehmensanleihen hoch bewertet. Eigentlich wäre hier eine Reduzierung bestehender Übergewichte auf eine neutrale Position geboten. Angesichts des fortdauernden Nachfrageüberhangs sehe man davon bisher noch ab.

Nach den Kursanstiegen der vergangenen Monate sei die Unterbewertung europäischer Aktien nicht mehr stark ausgeprägt. Dafür hätten die Aktienmärkte aus technischer Sicht Rückendeckung bekommen. Deshalb würden die Experten ihr Übergewicht bei europäischen Aktien beibehalten. Wer sich im Rahmen der Abkehr von überbewerteten Staatsanleihen bisher vor einem Einstieg in Aktien gescheut habe, für den böten Dividendenstrategien, die ihren Fokus nicht nur auf hohe Dividendenrenditen, sondern auch auf Stabilität und Wachstum der Ausschüttungen legen würden, eine zweckmäßige Lösung auf der Suche nach Rendite. (03.06.2013/alc/a/a)