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Anleihen: Kommt eine zweite Crashwelle?


17.11.15 08:30
Der Anlegerbrief

Krefeld (www.anleihencheck.de) - Die Umlaufrendite hat sich in Deutschland zwischen 0,4 und 0,5% eingependelt, so die Experten von "Der Anlegerbrief".

Die Investoren scheinen darauf zu lauern, ob auf den ersten Marktcrash im Frühjahr eine zweite Welle folge. Dafür spreche vor allem die hohe Bewertung der Anleihen - doch es gebe auch gewichtige Gegenargumente.

Nicht wenige Marktbeobachter würden in der aktuellen Bewertung der Anleihen die Mutter aller Blasen sehen. Und das beziehe sich nicht nur auf die deutschen Rentenpapiere höchster Bonität, die mit einer Umlaufrendite von nur noch 0,44% auf dem historischen Zenit notieren - und, bei einer unterstellten positiven Zinsforderung der Anleger, rein rechnerisch kaum noch Potenzial aufweisen würden. Noch fragwürdiger seien allerdings die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen aus Ländern wie Italien oder Frankreich. Ein Marktzins 1,65% resp. 0,94% spiegle wohl kaum die hohe Verschuldung und die chronischen Budgetprobleme der Länder korrekt wider.

Es sei denn, Europa stehe vor einer langen deflationären Phase (à la Japan), die dauerhafte Minizinsen rechtfertigen würde. Ganz abwegig sei das nicht, denn der Abwärtsdruck bei den Preisen sei sehr nachhaltig, aktuell liege die Inflation bei etwa 0%. Und das, obwohl die EZB bereits umfangreiche Stimulierungsmaßnahmen eingeleitet habe, bspw. in Form eines Anleihenkaufprogramms mit einem Volumen von mehr als 1,1 Bio. Euro. Auch die Zentralbank scheine von der Wirkung nicht restlos überzeugt, daher habe Draghi nach der letzten Sitzung eine mögliche Ausweitung der Markteingriffe im Dezember angedeutet.

Letztlich gehe es am Rentenmarkt um die Frage, ob sich die EZB mittelfristig durchsetzen werde. Ein Comeback der Inflation wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit mit steigenden Renditen und fallenden Anleihenkursen verbunden. Sei die Notenbank aber machtlos, da sich der Markt in der sog. Liquiditätsfalle befinde, dürften nachhaltige 0-Renditen die Folge sein. Die aktuelle Seitwärtsbewegung der Umlaufrendite auf niedrigem Niveau spiegle die Unsicherheit wider, welches Szenario letztlich greife. Aktuell bleiben die Experten von "Der Anlegerbrief" in dem Markt daher weiterhin an der Seitenlinie. (Ausgabe 45 vom 14.11.2015) (17.11.2015/alc/a/a)