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Anleihen: Im Juni bestimmte der Zinsanstieg das Geschehen


18.07.13 16:44
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Tapering ist in aller Munde, berichten die Analysten der Deutschen Bank.

Allein die Ankündigung der FED, dass sie ihre Anleihekäufe bei weiterhin positiven Wirtschaftsdaten verringern werde, habe weltweit zu anziehenden Zinsen geführt. Der nächstfällige T-Note-Future, ein Indikator für die Entwicklung zehnjähriger US-Staatsanleihen, habe sich von Anfang Mai bis zum 21. Juni von 133,36 auf 126,22 Punkte verringert. Die Zinswende gebe damit Anschauungsunterricht, wie schnell bei Anleihen mit Kupons von derzeit rund zwei Prozent die Zinszahlungen von mehreren Jahren durch Kursverluste aufgezehrt seien.

Die gute Nachricht: Aufgrund der Kursrückgänge würden die langfristigen US-Staatspapiere wieder eine positive Realrendite von 1,2 Prozentpunkten bieten. Eine ähnliche Entwicklung habe es auch bei zehnjährigen Bundesanleihen gegeben: Sie würden jetzt bei einer Nominalverzinsung von 1,6 Prozent eine Realrendite von 0,1 Prozent aufweisen. Die Anleihemärkte hätten damit bereits Tapering zu einem nicht unwesentlichen Teil vor dessen Einsetzen eingepreist. Das spreche dafür, dass die Investoren jedenfalls aus taktischer Sicht Bundesanleihen und US-Treasuries wieder kaufen könnten.

Gleichzeitig mit der Diskussion um Tapering hätten sich auch die Zinsdifferenzen zwischen den Ländern der Peripherie und der Euro-Kernzone ausgeweitet. Auftrieb hätten die Spreads zum einen durch die Anfrage Zyperns nach neuen Finanzhilfen für ihren angeschlagenen Finanzsektor erhalten, zum anderen hätten auch Aussagen von EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen vor dem Bundesverfassungsgericht für den Spread-Anstieg gesorgt.

Das Gericht prüfe derzeit die Rechtmäßigkeit von OMT (Outright Monetary Transactions) und wolle im Herbst zu einer Entscheidung kommen. Mario Draghis berühmtes "whatever it takes" - also auch in unlimitierter Menge Staatsanleihen von klammen Euro-Staaten in einer Krise aufzukaufen - habe Asmussen auf Staatsanleihen mit ein- bis dreijähriger Laufzeit eingeschränkt, die bereits am Sekundärmarkt notieren würden. Gleichzeitig habe die EZB betont, dass OMT nur für Länder möglich sei, die Geld aus dem ESM (European Stability Mechanism) erhalten und somit auch die Auflagen zum Schuldenabbau akzeptiert hätten. Die EZB habe damit selbst auf die Einschränkung ihrer Handlungsfähigkeit bei OMT hingewiesen.

Allerdings habe die EZB in der Vergangenheit bewiesen, dass sie auf anderem Weg Liquidität schaffen und damit Krisen handhaben könne. So habe sie mit Hilfe von LTRO (Long-Term Refinancing Operations) bereits in der Vergangenheit die Zinsdifferenzen zwischen den Mitgliedsländern etwas eingeebnet. Sollte sich die Situation verschärfen, dürfte sie auch diesmal gegen diese Fragmentierung der Kapitalmärkte angehen. Für die Investoren bleibe damit Carry und Tightening, also das Verdienen an den Zinsspreads und an einer Normalisierung dieser Spreads innerhalb des Euro-Raums, eine attraktive Strategie.

Die Anleihemärkte der Schwellenländer seien im Rahmen der Tapering-Diskussion noch stärker in Mitleidenschaft gezogen worden. Erst Anfang Mai hätten die rekordtiefen Zinsen und der schwache Dollar Investoren aus den Industrieländern veranlasst, hochverzinsliche Anleihen von Schwellenländern zu kaufen und damit mehr Risiko auf ihre Bilanzen zu nehmen. Selbst Ländern mit notorisch hohen Leistungsbilanzdefiziten sei es leicht gefallen, ihr Ungleichgewicht im Außenhandel zu finanzieren. In der Korrektur habe sich wieder einmal gezeigt, dass für die vielen, die sich an diesem "Crowded Trade" beteiligt hätten, die Ausgangstür zu klein gewesen sei. Viele Investoren hätten es nur mit Verletzungen durch diese Tür geschafft.

Die auf lokale Währungen lautenden Schwellenländeranleihen hätten enorm verloren, die Dollar-denominierte Anleihen seien mitverkauft und entsprechend mit nach unten gezogen worden. Mit den Kursrückgängen sei die Rendite und damit die Attraktivität vieler EM-Bonds gestiegen. Doch noch werde am Markt nicht zwischen fundamental starken und schwachen Ländern differenziert. Entsprechend sei diese Anlageklasse auf neutral gestellt worden. Beruhige sich die Lage wieder, würden die Fundamentaldaten wichtiger. Bonds aus Ländern mit guten wirtschaftlichen Rahmendaten dürften sich dann schnell erholen.

Insgesamt sei nach dem Zinsanstieg selbst im Segment der Investment Grades sehr viel Nervosität zu beobachten. Kehre mehr Ruhe ein und reduziere sich die Volatilität, sei aber eine kräftige Erholung zu erwarten. Zusätzliche Gewinnchancen würden in Euro rechnenden Investoren Dollar-Anleihen bieten. Die US-Wachstumsstärke habe für eine Ausweitung der Zinsdifferenz zum Euro-Raum und Japan gesorgt. Gleichzeitig habe sich damit der Greenback zuletzt von einer Funding Currency zu einer Saving Currency gewandelt. Das spreche für eine Dollar-Aufwertung. (Ausgabe Juli 2013) (18.07.2013/alc/a/a)