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Anleihen: Italienische Zinsen steigen wieder
15.03.13 16:31
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Da sind sie wieder, die alten Sorgen, so die Deutsche Börse AG.
Nachdem der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) seit Monatsanfang wie der klare Verlierer ausgesehen habe, habe das deutsche Rentenbarometer in dieser Woche mehr als die Hälfte der erlittenen Verluste wieder aufgeholt. "Gründe für die Renaissance sicherer Anlagehäfen waren die Abwertung der Bonität Italiens durch die Ratingagentur Fitch, aber auch die enttäuschenden Zahlen zur Industrieproduktion in der Eurozone. Diese lag im Monat Januar um 0,4 Prozent niedriger als im Vormonat", erkläre Arthur Brunner von ICF Kursmakler.
Während der Aktienmarkt vor allem die positiven Konjunkturdaten aus Übersee zum Anlass nehme, neue Jahreshöchststände zu markieren, hätten sich die Rentenmärkte zudem um enttäuschende Staatsanleiheauktionen Italiens und Spaniens gesorgt. Bei einer Versteigerung von vier Anleihen in dieser Woche habe das italienische Schatzamt abermals höhere Zinsen zahlen müssen. Zudem habe das von politischem Stillstand bedrohte Land weniger Kapital aufgenommen als geplant.
"Bei Italien und Spanien scheinen die Anleger das Interesse an länger laufenden Anleihen zu verlieren, was auch den Euro diese Woche weiter unter Druck gebracht hat", berichte Brunner. Am kurzen Ende gebe es angesichts des so genannten "Draghi Puts" - also der Zusage der EZB, über Aufkäufe von Staatsanleihen, die Renditeniveaus in den Euro-Krisenländern künstlich niedrig zu halten - indes weiterhin genügend Nachfrage. "Im Notfall steht ja immer noch die EZB als Käufer in diesen Titeln bereit", ergänze der Händler.
Laut Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank hätten sich die jüngsten Anleiheauktionen Italiens und Spaniens jedoch nicht nachhaltig auf den Markt ausgewirkt. "Durch die Herabstufung von Fitch musste Italien höhere Zinsen am Markt zahlen. Die spanischen Zinskosten waren jedoch rückläufig", beobachte Hellwig.
Die Rentenanalysten der HSH Nordbank, Stefan Gäde und Cyrus de la Rubia, würden sich mit Blick auf die Entwicklung an den Anleihemärkten der Euro-Peripherie indes schon fast optimistisch zeigen: "Trotz gestiegener Renditen war die jüngste Staatsanleihen-Auktion der Italiener kein Misserfolg. Ebenso wie die Spreads der anderen Peripherie-Staaten verringerte sich sogar der Spread der italienischen Staatsanleihen und untermauert die sich fortsetzende Entspannung an den Kapitalmärkten", würden die Analysten argumentieren und mit wieder steigenden Renditen am deutschen Rentenmarkt rechnen.
"Die Zinsen der zehnjährigen Bundesanleihen sind zwar in den vergangenen Tagen unter 1,50 Prozent zurückgefallen, wir erwarten aber kommende Woche wieder Renditen von deutlich oberhalb dieser Marke. Grund für unseren Optimismus sind weitere Anzeichen der Normalisierung in der Eurozone", heiße es.
So habe etwa Irland in dieser Woche erstmals seit der Rettung vor der Staatspleite vor rund zwei Jahren mit großem Erfolg einen zehnjährigen Bond platziert. Der Schritt gelte als Meilenstein für das bis 2014 angestrebte Ziel, sich wieder völlig über den internationalen Kapitalmarkt ohne Hilfsgelder bzw. -maßnahmen zu refinanzieren. "Der Test der irischen Kapitalmarktfähigkeit wurde zu einem vollen Erfolg. Eigentlich sollte der Emissionsumfang zwischen 2,5 bis 3 Mrd. Euro liegen. Das irische Schatzamt platzierte aber Anleihen im Gesamtvolumen von 5 Mrd. Euro. Insgesamt gingen Gebote im Umfang von 12 Mrd. Euro ein", kommentiere Brunner.
Die Anleihe sei syndiziert begeben worden. Bei diesem Verfahren würden die Titel zunächst von einer Gruppe von Konsortialbanken übernommen, die sie dann interessierten Investoren anböten. "Die Emissionsrendite lag bei 4,15 Prozent, die Anleihe hat im OTC-Handel einen kleinen Kursgewinn erzielen können", wisse Hellwig.
Der Euro-Bund-Future notiere am Freitagmittag knapp über 143 Prozent. Damit liege das deutsche Rentenbarometer aus Sicht der Baader Bank in der Mitte der charttechnischen Leitplanken von 141,85 Prozent auf der Unterseite und 143,96 Prozent auf der Oberseite. "Im Hinblick auf die anstehenden Entscheidungen in Italien und auf Zypern ist damit zu rechnen, dass sich der Euro-Bund-Future bei hoher Volatilität in dieser Bandbreite bewegen wird. Erst ein Durchbrechen dieser Begrenzungslinien würde eine Neubewertung der Situation erforderlich machen", erwarte das Institut.
Zu den umsatzstärksten Anleihen der Woche haetten laut Hellwig Titel der Commerzbank gezählt. So habe etwa ein nachrangiges Papier (ISIN DE000CB83CE3 / WKN CB83CE) mit Fälligkeit im März 2019 von der angekündigten Kapitalerhöhung der Bank profitiert und in der Spitze um 2,5 Prozent zugelegt. Klaus Stopp von der Baader Bank bestätige: "Was den Anleger am Rentenmarkt freut, findet der Aktionär betrüblich. Die Commerzbank zahlt staatliche Rettungsgelder über 1,6 Mrd. Euro zurück, was an den Märkten unterschiedlich goutiert wird. Während die Aktie des Instituts kräftige Abschläge bis zu 14 Prozent hinnehmen musste, stiegen die Preise für Commerzbank-Bonds."
Mit der Rückzahlung der Staatshilfe, die über eine Kapitalerhöhung von 2,5 Mrd. Euro finanziert werden solle, würde der Staatsanteil an dem Institut auf unter 25 Prozent sinken. "Dadurch fallen für die Bank auch fällige Zinsen in Höhe von 9 Prozent auf die 1,6 Mrd. Euro schwere Rückzahlung an den Staat weg. Gleichzeitig soll eine frühere Finanzspritze der Allianz über 750 Mio. Euro zurückgezahlt werden", wisse Stopp.
Gute Nachfrage herrsche laut Hellwig wie schon in den vergangenen Wochen bei einer bis zum 18. September 2017 laufenden Renault-Anleihe, die bei einem Kurs von rund 104,85 derzeit auf einem Renditeniveau von etwa 3,44 Prozent handle.
Die Anleihe (ISIN DE000A1CRMQ7 / WKN A1CRMQ) des Windparkbetreibers Windreich mit einer Laufzeit bis 2015, deren Kurs sich in der vergangenen Woche innerhalb weniger Tage mehr als halbiert habe, habe sich nach Auskunft von Hellwig mittlerweile von ihren Tiefstständen bei 20 Prozent gelöst und handle derzeit zwischen 30 und 35 Prozent. Das Unternehmen habe die in der Vorwoche fälligen Zinsen erst mit zwei Tagen Verzögerung gezahlt und zur Begründung darauf verwiesen, dass "die dafür vorgesehenen Mittel kurzfristig anderweitig disponiert werden mussten". Zeitungsberichten zufolge ermittle auch die Staatsanwaltschaft gegen das Unternehmen, unter anderem wegen des Verdachts auf Bilanzmanipulation und Kapitalanlagebetrug. (15.03.2013/alc/a/a)
Nachdem der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) seit Monatsanfang wie der klare Verlierer ausgesehen habe, habe das deutsche Rentenbarometer in dieser Woche mehr als die Hälfte der erlittenen Verluste wieder aufgeholt. "Gründe für die Renaissance sicherer Anlagehäfen waren die Abwertung der Bonität Italiens durch die Ratingagentur Fitch, aber auch die enttäuschenden Zahlen zur Industrieproduktion in der Eurozone. Diese lag im Monat Januar um 0,4 Prozent niedriger als im Vormonat", erkläre Arthur Brunner von ICF Kursmakler.
Während der Aktienmarkt vor allem die positiven Konjunkturdaten aus Übersee zum Anlass nehme, neue Jahreshöchststände zu markieren, hätten sich die Rentenmärkte zudem um enttäuschende Staatsanleiheauktionen Italiens und Spaniens gesorgt. Bei einer Versteigerung von vier Anleihen in dieser Woche habe das italienische Schatzamt abermals höhere Zinsen zahlen müssen. Zudem habe das von politischem Stillstand bedrohte Land weniger Kapital aufgenommen als geplant.
"Bei Italien und Spanien scheinen die Anleger das Interesse an länger laufenden Anleihen zu verlieren, was auch den Euro diese Woche weiter unter Druck gebracht hat", berichte Brunner. Am kurzen Ende gebe es angesichts des so genannten "Draghi Puts" - also der Zusage der EZB, über Aufkäufe von Staatsanleihen, die Renditeniveaus in den Euro-Krisenländern künstlich niedrig zu halten - indes weiterhin genügend Nachfrage. "Im Notfall steht ja immer noch die EZB als Käufer in diesen Titeln bereit", ergänze der Händler.
Laut Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank hätten sich die jüngsten Anleiheauktionen Italiens und Spaniens jedoch nicht nachhaltig auf den Markt ausgewirkt. "Durch die Herabstufung von Fitch musste Italien höhere Zinsen am Markt zahlen. Die spanischen Zinskosten waren jedoch rückläufig", beobachte Hellwig.
Die Rentenanalysten der HSH Nordbank, Stefan Gäde und Cyrus de la Rubia, würden sich mit Blick auf die Entwicklung an den Anleihemärkten der Euro-Peripherie indes schon fast optimistisch zeigen: "Trotz gestiegener Renditen war die jüngste Staatsanleihen-Auktion der Italiener kein Misserfolg. Ebenso wie die Spreads der anderen Peripherie-Staaten verringerte sich sogar der Spread der italienischen Staatsanleihen und untermauert die sich fortsetzende Entspannung an den Kapitalmärkten", würden die Analysten argumentieren und mit wieder steigenden Renditen am deutschen Rentenmarkt rechnen.
So habe etwa Irland in dieser Woche erstmals seit der Rettung vor der Staatspleite vor rund zwei Jahren mit großem Erfolg einen zehnjährigen Bond platziert. Der Schritt gelte als Meilenstein für das bis 2014 angestrebte Ziel, sich wieder völlig über den internationalen Kapitalmarkt ohne Hilfsgelder bzw. -maßnahmen zu refinanzieren. "Der Test der irischen Kapitalmarktfähigkeit wurde zu einem vollen Erfolg. Eigentlich sollte der Emissionsumfang zwischen 2,5 bis 3 Mrd. Euro liegen. Das irische Schatzamt platzierte aber Anleihen im Gesamtvolumen von 5 Mrd. Euro. Insgesamt gingen Gebote im Umfang von 12 Mrd. Euro ein", kommentiere Brunner.
Die Anleihe sei syndiziert begeben worden. Bei diesem Verfahren würden die Titel zunächst von einer Gruppe von Konsortialbanken übernommen, die sie dann interessierten Investoren anböten. "Die Emissionsrendite lag bei 4,15 Prozent, die Anleihe hat im OTC-Handel einen kleinen Kursgewinn erzielen können", wisse Hellwig.
Der Euro-Bund-Future notiere am Freitagmittag knapp über 143 Prozent. Damit liege das deutsche Rentenbarometer aus Sicht der Baader Bank in der Mitte der charttechnischen Leitplanken von 141,85 Prozent auf der Unterseite und 143,96 Prozent auf der Oberseite. "Im Hinblick auf die anstehenden Entscheidungen in Italien und auf Zypern ist damit zu rechnen, dass sich der Euro-Bund-Future bei hoher Volatilität in dieser Bandbreite bewegen wird. Erst ein Durchbrechen dieser Begrenzungslinien würde eine Neubewertung der Situation erforderlich machen", erwarte das Institut.
Zu den umsatzstärksten Anleihen der Woche haetten laut Hellwig Titel der Commerzbank gezählt. So habe etwa ein nachrangiges Papier (ISIN DE000CB83CE3 / WKN CB83CE) mit Fälligkeit im März 2019 von der angekündigten Kapitalerhöhung der Bank profitiert und in der Spitze um 2,5 Prozent zugelegt. Klaus Stopp von der Baader Bank bestätige: "Was den Anleger am Rentenmarkt freut, findet der Aktionär betrüblich. Die Commerzbank zahlt staatliche Rettungsgelder über 1,6 Mrd. Euro zurück, was an den Märkten unterschiedlich goutiert wird. Während die Aktie des Instituts kräftige Abschläge bis zu 14 Prozent hinnehmen musste, stiegen die Preise für Commerzbank-Bonds."
Mit der Rückzahlung der Staatshilfe, die über eine Kapitalerhöhung von 2,5 Mrd. Euro finanziert werden solle, würde der Staatsanteil an dem Institut auf unter 25 Prozent sinken. "Dadurch fallen für die Bank auch fällige Zinsen in Höhe von 9 Prozent auf die 1,6 Mrd. Euro schwere Rückzahlung an den Staat weg. Gleichzeitig soll eine frühere Finanzspritze der Allianz über 750 Mio. Euro zurückgezahlt werden", wisse Stopp.
Gute Nachfrage herrsche laut Hellwig wie schon in den vergangenen Wochen bei einer bis zum 18. September 2017 laufenden Renault-Anleihe, die bei einem Kurs von rund 104,85 derzeit auf einem Renditeniveau von etwa 3,44 Prozent handle.
Die Anleihe (ISIN DE000A1CRMQ7 / WKN A1CRMQ) des Windparkbetreibers Windreich mit einer Laufzeit bis 2015, deren Kurs sich in der vergangenen Woche innerhalb weniger Tage mehr als halbiert habe, habe sich nach Auskunft von Hellwig mittlerweile von ihren Tiefstständen bei 20 Prozent gelöst und handle derzeit zwischen 30 und 35 Prozent. Das Unternehmen habe die in der Vorwoche fälligen Zinsen erst mit zwei Tagen Verzögerung gezahlt und zur Begründung darauf verwiesen, dass "die dafür vorgesehenen Mittel kurzfristig anderweitig disponiert werden mussten". Zeitungsberichten zufolge ermittle auch die Staatsanwaltschaft gegen das Unternehmen, unter anderem wegen des Verdachts auf Bilanzmanipulation und Kapitalanlagebetrug. (15.03.2013/alc/a/a)
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16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie



