Anleihen-Handel: Zinswende unabhängig von Wahlausgang


07.11.16 09:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zeiten extrem niedriger Zinsen scheinen vorbei zu sein: Zu fast 80 Prozent wird an den Märkten eine US-Zinserhöhung im Dezember erwartet, so die Deutsche Börse AG.

Am Mittwoch habe die US-Notenbank die Zinsen unverändert gelassen, signalisiert worden sei aber ein baldiger Zinsschritt. Am letzten Freitag sei der aktuelle US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht worden, gute Zahlen würden eine Zinsanhebung nochmals wahrscheinlicher machen.

Bereits in der 43. Kalenderwoche hatte sich das auch hierzulande bemerkbar gemacht, Bundesanleihen gaben deutlich nach, so die Deutsche Börse AG. In der vergangenen Woche habe sich der Euro-Bund-Future auf dem niedrigeren Niveau stabilisiert: Am letzten Freitag habe der Indikator für langfristige Zinserwartungen bei 162 Prozent gelegen. Vor zwei Wochen seien es noch mehr als 164, im September für kurze Zeit sogar über 168 Prozent gewesen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liege bei 0,15 Prozent nach 0,17 vor einer Woche, im Juli seien es im Tief minus 0,181 Prozent gewesen.

Auch die Renditen in Europas Peripherie würden steigen, zum Teil auch die Renditeabstände zu Bundesanleihen. "Vor allem Italien musste hier zuletzt deutliche Aufschläge in Kauf nehmen", erkläre die Helaba. Investoren hätten sich besorgt gezeigt über den Ausgang des Referendums zur Verfassungsreform, das Anfang Dezember abgehalten werden solle. "Vor diesem Hintergrund ist eine deutliche Spread-Ausweitung auf derzeit 154 Basispunkte zu beobachten."

Als Risiko gelte die am 08.11. anstehende US-Wahl. "Doch die Trendwende in der Geldpolitik wird kommen, so oder so - egal, wer Präsident/in wird", meine Klaus Stopp von der Baader Bank. Bei den Notenbanken habe bereits ein Umdenken eingesetzt, das auf einen beginnenden Ausstieg aus der Nullzinspolitik hinauslaufen werde. "Das Ausmaß und der Zeitpunkt der Entscheidungen dürften sich aber unterschiedlich gestalten - je nachdem, wer das Rennen macht."

Gewinne Trump, werde eine Zinserhöhung voraussichtlich heftiger ausfallen, allein schon deshalb, weil dann mit einem Kapitalabfluss aus den USA und einer Schwächung des US-Dollar zu rechnen sei. Andere Analysten würden unterdessen keine Zinserhöhung bei einem Trump-Sieg erwarten, da dies die erwartete Unruhe an den Märkten noch mehr verstärken würde.

In der Eurozone sei mit einer strafferen Geldpolitik vorerst nicht zur rechnen, auch wenn die Kritik an den Minizinsen immer lauter werde. "Welche Risiken Ankaufprogramme zuweilen in sich bergen, davon kann die EZB momentan ein "Liedchen" singen", kommentiere Stopp. Habe man bis vor kurzem noch Anleihen des Düngemittelkonzerns K+S erworben, so stelle sich nun - nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau - die Frage, wie man zukünftig mit diesen Altbeständen umgehen solle.

Die Bank of England habe am letzten Donnerstag die Füße still gelassen: Sie habe den Umfang ihres Anleihekaufprogramms und auch den historisch niedrigen Leitzins unverändert belassen. Hintergrund sei, dass sich die britische Wirtschaft trotz Brexit-Votum überraschend robust zeige.

Auch bei den Unternehmensanleihen würden Verkäufe dominieren, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Wir sehen fast nur Gewinnmitnahmen." Zudem würden die Sorgen bezüglich der Banken hoch bleiben: "Fitch hat heute das Kreditrating der Deutschen Bank einschließlich der langfristigen "A"-Kreditausfalleinstufung auf ‚"watch negative" gesetzt."

Kräftige Kursgewinne habe die Travel24.com-Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) verzeichnet, wie Arthur Brunner von der ICF Bank melde. Am Montag habe das Papier noch bei unter 42 Prozent notiert, am Freitag seien es 50 Prozent gewesen. Echte Neuigkeiten gebe es nicht: Nach der Insolvenz des Hauptgesellschafters Unister sei bereits Ende Juli ein Anleiherückkaufprogramm angekündigt worden, Details würden nach wie vor fehlen.

Eine neue Anleihe (ISIN DE000A2BPDU2 / WKN A2BPDU) mit privatanlegerfreundlicher Stückelung von 1.000 Euro habe es vom Autovermieter Sixt gegeben. Der Kupon liege bei 1,125 Prozent, die Laufzeit gehe bis November 2022. "Das war letzte Woche unsere umsatzstärkste Anleihe", erkläre Rainer Petz von Oddo Seydler. "Daran sieht man, dass Privatanleger auf so etwas warten."

Brunner melde neue BASF-Anleihen, die ab dieser Woche gehandelt würden, die Stückelung liege ebenfalls bei 1.000 Euro. Die eine (ISIN DE000A188WW1 / WKN A188WW) laufe bis November 2026 und biete einen Kupon von 0,75 Prozent, die andere (ISIN nicht bekannt/ WKN A18AWV) bis November 2020 mit 0 Prozent. Ebenfalls neu am Markt sei ein bis 2021 laufendes Papier (ISIN FR0013218153 / WKN A1883B) von Renault mit 0,625 Prozent. (Ausgabe vom 04.11.2016) (07.11.2016/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
126,0202 € 125,1945 € 0,8257 € +0,66% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 132,00 € 124,26 €
Werte im Artikel
126,02 plus
+0,66%
99,13 plus
+0,06%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%