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Anleihen-Handel: Der Schreck sitzt tief
12.02.18 10:45
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Unterm Strich kaum verändert, dennoch spiegelt der Verlauf des Euro-Bund-Future auf Wochensicht die wechselnden Anlegergefühle wider, so die Deutsche Börse AG.
Von erhöhtem Sicherheitsbedürfnis nach Einbruch der Aktienmärkte bis zur mittlerweile weitgehend geplatzten Hoffnung auf eine schnelle Erholung am Markt sei alles dabei gewesen.
Die jüngsten Belastungen am Rentenmarkt seien nach Ansicht von Analysten unter anderem der möglichen Übernahme des Bundesfinanzministeriums durch die SPD geschuldet. Diese hätte das Zeug, die Ausgabedisziplin im gesamten Euroraum zu gefährden. Am Freitagmorgen habe das Rentenbarometer bei 157,95 Prozent notiert.
Nach dem Schreck am Aktienmarkt zu Beginn der letzten Woche würden sich Investoren am Rentenmarkt scheinbar noch stärker als gewohnt mit den möglichen Zinserhöhungsszenarien der führenden Notenbanken und den Folgen für die Anleihemärkte beschäftigen. Klaus Stopp von der Baader Bank gehe davon aus, dass die Bondmärkte so lange nicht kollabieren würden, wie die Zinsen im Euroraum auf dem jetzigen Stand seien. "Denn noch funktioniert die Finanzierung langer Laufzeiten mit billigem Geld", bemerke der Händler der Baader Bank.
Der Bann der Niedrigzinsen sei zwar gebrochen und das werde auch so bleiben. Die Leitzinsen würden aber eher moderat steigen. Denn höhere Raten würden nicht nur die stark verschuldeten Eurostaaten über Gebühr belasten, sondern auch die inzwischen teilweise sehr hoch in der Kreide stehenden Unternehmen.
Die US-Notenbank habe nach Auffassung der Baader Bank ebenfalls keinerlei Interesse an übertriebenen Zinserhöhungsszenarien oder massiven Liquiditätsabzügen, die zum Platzen der Rentenblasen führen könnten. Nach der mühsam erarbeiteten wirtschaftlichen Erholung des Landes werde die Federal Reserve wohl kaum das Risiko eingehen, die Errungenschaft leichtfertig wieder aufs Spiel zu setzen. Höhere Kreditzinsen könnten die USA angesichts einer Gesamtverschuldung in Höhe von etwa 250 Billionen US-Dollar ohne Steuererhöhungen und Sozialkürzungen kaum stemmen.
Robert Halver wage die These, dass ein Zurück zum alten System geldpolitischer Stabilität grundsätzlich nicht mehr möglich sei. Viele alte volkswirtschaftliche "Weisheiten aus dem Elfenbeinturm" müssten deshalb überdacht und um realpolitische Einflüsse ergänzt werden.
Im Handel mit Corporate Bonds melde Arthur Brunner Zurückhaltung hinsichtlich risikobehafteter Werte. "Hybridanleihen werden in Mithaftung genommen", beschreibe der Rentenhändler der ICF Bank die gegenwärtige Lage. Auf den Abgabenlisten befände sich beispielsweise eine solche Gattung (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von Volkswagen mit einem Kupon von 4,625 Prozent, die seit dem letzten Montag von 112,55 auf 111,35 Prozent eingebüßt habe. "Gold und deutsche Staatsanleihen konnten übrigens anders als üblich von der jüngsten Aktienschwäche nicht profitieren." Gold habe sogar leicht verloren. Eine Feinunze des gelben Metalls habe zum Wochenstart 1.335 US-Dollar gekostet und sei aktuell für 1.315 US-Dollar zu haben (09.02.2018).
Bonds bonitätsstarker Unternehmen kämen hingegen besser an. Brunner spreche von Nachfrage nach einem Wert der französischen Ölgesellschaft Total mit einer Stückelung von 100.000 Euro, der jährlich Zinsen in Höhe von 3,369 Prozent abwerfe. "Hier standen Zuflüsse im Vordergrund."
Gute Umsätze überwiegend auf der Kaufseite verbuche die ICF Bank auch bei einer im Mai 2024 fälligen Anleihe (ISIN XS1028956149 / WKN A1ZHKK) des französischen Mobilfunkanbieters SFR Group mit einem Kupon von 5,625 Prozent.
Das vermehrte Interesse an einer kündbaren SeniVita-Anleihe führe Brunner auf die Ankündigung einer strategischen Partnerschaft zwischen SeniVita und der INP-Gruppe für den Bau von Pflegewohnanlagen zurück. Nach dem Kauf eines bestehenden, nach dem von SeniVita entwickelten Konzept AltenPflege 5.0 betriebenen Projekts seien demnach Verhandlungen über drei weitere Pflegeheime weit fortgeschritten. Der Kurs der Anleihe habe seit Mittwoch von 85,50 auf über 90 Prozent zugelegt.
Rege Umsätze verbuche Gregor Daniel für eine neue 20-jährige Rumänien-Anleihe (ISIN XS1768074319 / WKN A19V3T) mit einem jährlichen Zins von 3,375 Prozent. Insgesamt habe der Wert seit Handelsaufnahme am Dienstag von 99,20 auf 98,50 Prozent verloren.
Größere Einzelkäufe registriere der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank beispielsweise bei einer in Mai 2025 fälligen Avis-Anleihe mit einem Kupon von 4,5 Prozent und einem jährlich 2,375 Prozent bringenden Peugeot-Bond. "Aus der Nachrichtenlage erschließt sich mir das nicht."
Mit der Auflage einer siebenjährigen Anleihe im Volumen von 3 Milliarden Euro habe Griechenland am 8. Februar den Wasserstand am freien Kapitalmarkt getestet, wie Brunner berichte. "Die Emission war zunächst für Montag geplant, wurde dann aber durch die Turbulenzen am Markt verschoben." Viel schiefgehen können habe nach Ansicht des Händlers nicht. "Das Angebot war mit einer Rendite von 3,5 Prozent attraktiv." Im August 2018 würden die internationalen Hilfen im Rahmen des Rettungspakets für Athen enden. Danach wolle Tsipras finanziell wieder auf eigenen Füßen stehen. (Ausgabe vom 09.02.2018) (12.02.2018/alc/a/a)
Von erhöhtem Sicherheitsbedürfnis nach Einbruch der Aktienmärkte bis zur mittlerweile weitgehend geplatzten Hoffnung auf eine schnelle Erholung am Markt sei alles dabei gewesen.
Die jüngsten Belastungen am Rentenmarkt seien nach Ansicht von Analysten unter anderem der möglichen Übernahme des Bundesfinanzministeriums durch die SPD geschuldet. Diese hätte das Zeug, die Ausgabedisziplin im gesamten Euroraum zu gefährden. Am Freitagmorgen habe das Rentenbarometer bei 157,95 Prozent notiert.
Nach dem Schreck am Aktienmarkt zu Beginn der letzten Woche würden sich Investoren am Rentenmarkt scheinbar noch stärker als gewohnt mit den möglichen Zinserhöhungsszenarien der führenden Notenbanken und den Folgen für die Anleihemärkte beschäftigen. Klaus Stopp von der Baader Bank gehe davon aus, dass die Bondmärkte so lange nicht kollabieren würden, wie die Zinsen im Euroraum auf dem jetzigen Stand seien. "Denn noch funktioniert die Finanzierung langer Laufzeiten mit billigem Geld", bemerke der Händler der Baader Bank.
Der Bann der Niedrigzinsen sei zwar gebrochen und das werde auch so bleiben. Die Leitzinsen würden aber eher moderat steigen. Denn höhere Raten würden nicht nur die stark verschuldeten Eurostaaten über Gebühr belasten, sondern auch die inzwischen teilweise sehr hoch in der Kreide stehenden Unternehmen.
Die US-Notenbank habe nach Auffassung der Baader Bank ebenfalls keinerlei Interesse an übertriebenen Zinserhöhungsszenarien oder massiven Liquiditätsabzügen, die zum Platzen der Rentenblasen führen könnten. Nach der mühsam erarbeiteten wirtschaftlichen Erholung des Landes werde die Federal Reserve wohl kaum das Risiko eingehen, die Errungenschaft leichtfertig wieder aufs Spiel zu setzen. Höhere Kreditzinsen könnten die USA angesichts einer Gesamtverschuldung in Höhe von etwa 250 Billionen US-Dollar ohne Steuererhöhungen und Sozialkürzungen kaum stemmen.
Im Handel mit Corporate Bonds melde Arthur Brunner Zurückhaltung hinsichtlich risikobehafteter Werte. "Hybridanleihen werden in Mithaftung genommen", beschreibe der Rentenhändler der ICF Bank die gegenwärtige Lage. Auf den Abgabenlisten befände sich beispielsweise eine solche Gattung (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von Volkswagen mit einem Kupon von 4,625 Prozent, die seit dem letzten Montag von 112,55 auf 111,35 Prozent eingebüßt habe. "Gold und deutsche Staatsanleihen konnten übrigens anders als üblich von der jüngsten Aktienschwäche nicht profitieren." Gold habe sogar leicht verloren. Eine Feinunze des gelben Metalls habe zum Wochenstart 1.335 US-Dollar gekostet und sei aktuell für 1.315 US-Dollar zu haben (09.02.2018).
Bonds bonitätsstarker Unternehmen kämen hingegen besser an. Brunner spreche von Nachfrage nach einem Wert der französischen Ölgesellschaft Total mit einer Stückelung von 100.000 Euro, der jährlich Zinsen in Höhe von 3,369 Prozent abwerfe. "Hier standen Zuflüsse im Vordergrund."
Gute Umsätze überwiegend auf der Kaufseite verbuche die ICF Bank auch bei einer im Mai 2024 fälligen Anleihe (ISIN XS1028956149 / WKN A1ZHKK) des französischen Mobilfunkanbieters SFR Group mit einem Kupon von 5,625 Prozent.
Das vermehrte Interesse an einer kündbaren SeniVita-Anleihe führe Brunner auf die Ankündigung einer strategischen Partnerschaft zwischen SeniVita und der INP-Gruppe für den Bau von Pflegewohnanlagen zurück. Nach dem Kauf eines bestehenden, nach dem von SeniVita entwickelten Konzept AltenPflege 5.0 betriebenen Projekts seien demnach Verhandlungen über drei weitere Pflegeheime weit fortgeschritten. Der Kurs der Anleihe habe seit Mittwoch von 85,50 auf über 90 Prozent zugelegt.
Rege Umsätze verbuche Gregor Daniel für eine neue 20-jährige Rumänien-Anleihe (ISIN XS1768074319 / WKN A19V3T) mit einem jährlichen Zins von 3,375 Prozent. Insgesamt habe der Wert seit Handelsaufnahme am Dienstag von 99,20 auf 98,50 Prozent verloren.
Größere Einzelkäufe registriere der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank beispielsweise bei einer in Mai 2025 fälligen Avis-Anleihe mit einem Kupon von 4,5 Prozent und einem jährlich 2,375 Prozent bringenden Peugeot-Bond. "Aus der Nachrichtenlage erschließt sich mir das nicht."
Mit der Auflage einer siebenjährigen Anleihe im Volumen von 3 Milliarden Euro habe Griechenland am 8. Februar den Wasserstand am freien Kapitalmarkt getestet, wie Brunner berichte. "Die Emission war zunächst für Montag geplant, wurde dann aber durch die Turbulenzen am Markt verschoben." Viel schiefgehen können habe nach Ansicht des Händlers nicht. "Das Angebot war mit einer Rendite von 3,5 Prozent attraktiv." Im August 2018 würden die internationalen Hilfen im Rahmen des Rettungspakets für Athen enden. Danach wolle Tsipras finanziell wieder auf eigenen Füßen stehen. (Ausgabe vom 09.02.2018) (12.02.2018/alc/a/a)
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| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




