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Anleihen-Handel: Renditen fallen wieder
29.07.19 07:00
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Zentralbanken und ihre erwarteten Lockerungsmaßnahmen bestimmen gegenwärtig das Bild am Rentenmarkt, so die Deutsche Börse AG.
Nach der verbalen Öffnung am 25. Juli des scheidenden EZB-Präsidenten Draghi für Zinssenkungen - womöglich schon im September - hätten Anleger verstärkt zu Staatsanleihen der Euro-Länder gegriffen. Mit der Nachfrage nach Bundespapieren hätten zehnjährige Bonds zwischenzeitlich auf einem neuen Negativrekord rentiert. "Im Tief lag der Wert bei minus 0,422 Prozent", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.
Die Währungshüter würden sich über die wirtschaftliche Dynamik sowie nach wie vor um die Teuerungsrate von deutlich unter den angestrebten 2 Prozent sorgen. Die heimische Konjunkturschwäche im Verarbeitenden Gewerbe breite sich mittlerweile auf den gesamten Euroraum aus. Selbst für Frankreich sei der Frühindikator trotz Reformen und höheren Staatsausgaben von 51,9 auf die Expansionsschwelle von 50 Punkten gefallen. Aus heutiger Perspektive rechne die Notenbank damit, dass der Leitzins voraussichtlich bis mindestens zum zweiten Halbjahr 2020 auf dem aktuellen Niveau von 0 Prozent verharren werde. Der Einlagezins für bei der EZB geparktes Geld bleibe vorerst bei minus 0,4 Prozent.
Falls nötig senke die EZB die Zinsen noch weiter. Zudem stünde die Wiederaufnahme der Anleihe-Käufe als mögliche Flankierungsmaßnahme für die Wirtschaft im Raum. Die EZB habe zwischen März 2015 und Dezember 2018 Wertpapiere im Volumen von 2,6 Billionen Euro in ihre Bücher genommen. Die freien Mittel aus fälligen Bonds würden bislang reinvestiert.
Für Folker Hellmeyer von Solvecon würde eine Verbesserung der Investitionsbedingungen durch die Notenbanken allenfalls zu Mitnahme-Effekten und Subventionierung von Geschäftsmodellen führen, die unter normalen Bedingungen aufgegeben werden müssten. Nachhaltige Strukturen würden nicht geschaffen. Das sehe Daniel ähnlich und verweise auf die Erfahrungen in Japan. Ohne nennenswerten Erfolg versuche die Bank of Japan seit den 90ziger Jahren mit einer ultralockeren Geldpolitik der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Würde der Japanische Yen unter anderem als Folge von Zinssenkungen anderer Staaten künftig deutlich an Gewicht gewinnen, würden einige Mitglieder der Regierung Medienberichten zufolge dennoch weitere geldpolitischer Maßnahmen fordern.
Dem Markt für Corporate Bonds kämen die Schritte der Notenbanken gerade recht. Die Aussicht auf billigeres Geld habe nach Ansicht von Roland Hausheer von Swisscanto Invest insbesondere die Nachfrage nach Hochzins-Anleihen beflügelt. Nach einem Dämpfer im Mai hätten US-amerikanische und europäische High Yield-Papiere demnach im Juni ihre in diesem Jahr stärkste Performance verzeichnet. Zudem hätten Unternehmen im gleichen Monat insgesamt 28,5 Milliarden US-Dollar über das Marktsegment eingesammelt. Europa käme nach einem schwachen Jahresauftakt im zweiten Quartal auf Neuemissionen im Volumen von 22 Milliarden Euro. Neben der Geldpolitik stütze die leichte Entspannung im Handelskrieg.
Im Handel mit Unternehmensanleihen verbuche Daniel trotz Ferienzeit samt schweißtreibenden Höchsttemperaturen rege Kaufnachfrage nach einer im Februar 2024 fälligen thyssenkrupp-Anleihe mit einem Kupon von 2,875 Prozent. Aktuell sei der Wert für knapp 105 Prozent zu haben, Anfang des Jahres habe der Preis noch unter 100 Prozent gelegen. In den Medien würden Gerüchte über eingegangene Angebote für die Aufzugs- und Komponentensparte kursieren.
Überwiegend Zuflüsse gebe es Daniel zufolge für einen sechsjährigen Volkswagen-Bond mit Fälligkeit in 2024 und einem jährlichen Zins von 2,25 Prozent. Gleichzeitig hätten sich Anleger unterm Strich von einer 1,1 Milliarden Euro schweren Volkswagen-Anleihe (ISIN XS1206540806 / WKN A1ZYTJ) mit einem Kupon von 2,5 Prozent verabschiedet. An schlechten Zahlen könne es nicht liegen. Der Volkswagen Konzern habe am 25. Juli für das zweite Quartal mit 5,1 Milliarden Euro einen um knapp 30 Prozent gestiegenen Betriebsgewinn gemeldet. Der Umsatz sei um fast 7 Prozent auf gut 65 Milliarden Euro gestiegen. (Ausgabe vom 26.07.2019) (29.07.2019/alc/a/a)
Nach der verbalen Öffnung am 25. Juli des scheidenden EZB-Präsidenten Draghi für Zinssenkungen - womöglich schon im September - hätten Anleger verstärkt zu Staatsanleihen der Euro-Länder gegriffen. Mit der Nachfrage nach Bundespapieren hätten zehnjährige Bonds zwischenzeitlich auf einem neuen Negativrekord rentiert. "Im Tief lag der Wert bei minus 0,422 Prozent", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.
Die Währungshüter würden sich über die wirtschaftliche Dynamik sowie nach wie vor um die Teuerungsrate von deutlich unter den angestrebten 2 Prozent sorgen. Die heimische Konjunkturschwäche im Verarbeitenden Gewerbe breite sich mittlerweile auf den gesamten Euroraum aus. Selbst für Frankreich sei der Frühindikator trotz Reformen und höheren Staatsausgaben von 51,9 auf die Expansionsschwelle von 50 Punkten gefallen. Aus heutiger Perspektive rechne die Notenbank damit, dass der Leitzins voraussichtlich bis mindestens zum zweiten Halbjahr 2020 auf dem aktuellen Niveau von 0 Prozent verharren werde. Der Einlagezins für bei der EZB geparktes Geld bleibe vorerst bei minus 0,4 Prozent.
Für Folker Hellmeyer von Solvecon würde eine Verbesserung der Investitionsbedingungen durch die Notenbanken allenfalls zu Mitnahme-Effekten und Subventionierung von Geschäftsmodellen führen, die unter normalen Bedingungen aufgegeben werden müssten. Nachhaltige Strukturen würden nicht geschaffen. Das sehe Daniel ähnlich und verweise auf die Erfahrungen in Japan. Ohne nennenswerten Erfolg versuche die Bank of Japan seit den 90ziger Jahren mit einer ultralockeren Geldpolitik der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Würde der Japanische Yen unter anderem als Folge von Zinssenkungen anderer Staaten künftig deutlich an Gewicht gewinnen, würden einige Mitglieder der Regierung Medienberichten zufolge dennoch weitere geldpolitischer Maßnahmen fordern.
Dem Markt für Corporate Bonds kämen die Schritte der Notenbanken gerade recht. Die Aussicht auf billigeres Geld habe nach Ansicht von Roland Hausheer von Swisscanto Invest insbesondere die Nachfrage nach Hochzins-Anleihen beflügelt. Nach einem Dämpfer im Mai hätten US-amerikanische und europäische High Yield-Papiere demnach im Juni ihre in diesem Jahr stärkste Performance verzeichnet. Zudem hätten Unternehmen im gleichen Monat insgesamt 28,5 Milliarden US-Dollar über das Marktsegment eingesammelt. Europa käme nach einem schwachen Jahresauftakt im zweiten Quartal auf Neuemissionen im Volumen von 22 Milliarden Euro. Neben der Geldpolitik stütze die leichte Entspannung im Handelskrieg.
Im Handel mit Unternehmensanleihen verbuche Daniel trotz Ferienzeit samt schweißtreibenden Höchsttemperaturen rege Kaufnachfrage nach einer im Februar 2024 fälligen thyssenkrupp-Anleihe mit einem Kupon von 2,875 Prozent. Aktuell sei der Wert für knapp 105 Prozent zu haben, Anfang des Jahres habe der Preis noch unter 100 Prozent gelegen. In den Medien würden Gerüchte über eingegangene Angebote für die Aufzugs- und Komponentensparte kursieren.
Überwiegend Zuflüsse gebe es Daniel zufolge für einen sechsjährigen Volkswagen-Bond mit Fälligkeit in 2024 und einem jährlichen Zins von 2,25 Prozent. Gleichzeitig hätten sich Anleger unterm Strich von einer 1,1 Milliarden Euro schweren Volkswagen-Anleihe (ISIN XS1206540806 / WKN A1ZYTJ) mit einem Kupon von 2,5 Prozent verabschiedet. An schlechten Zahlen könne es nicht liegen. Der Volkswagen Konzern habe am 25. Juli für das zweite Quartal mit 5,1 Milliarden Euro einen um knapp 30 Prozent gestiegenen Betriebsgewinn gemeldet. Der Umsatz sei um fast 7 Prozent auf gut 65 Milliarden Euro gestiegen. (Ausgabe vom 26.07.2019) (29.07.2019/alc/a/a)
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