Anleihen-Handel: Fuß vom Gas


30.10.17 12:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Dass die EZB auf ihrer Sitzung am 26. Oktober die Halbierung der monatlichen Anleihekäufe ab Januar auf 30 Milliarden Euro angekündigt hat, war so erwartet worden, so die Deutsche Börse AG.

Überrascht habe allerdings, dass immer noch kein Termin für ein Ende des Kaufprogramm genannt worden sei.

Die Renditen von Staatsanleihen aus dem Euroraum hätten daher nach den EZB-Verlautbarungen nachgegeben. Zehnjährige Bundesanleihen hätten am Freitagmittag wieder nur 0,40 Prozent abgeworfen, vor der Sitzung seien es 0,48 Prozent gewesen. Der Euro-Bund-Future habe am Mittwoch noch bei 161,04 Punkten, am Freitag bei 162,16 Zählern gelegen.

Die Commerzbank spreche von "Beruhigungspillen", die EZB-Chef Draghi verteilt habe. "Er hat auf der Pressekonferenz alles getan, dass das Zurückfahren der Käufe nicht als ein Ende der lockeren Geldpolitik erscheint", bemerke Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die EZB halte sich sogar weiter die Option offen, das Kaufvolumen zu erhöhen, obwohl sie der Obergrenze von 33 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen immer näher komme. "Leider wird der Euroraum noch lange mit einem negativen EZB-Einlagesatz leben müssen."

Andere sähen die Entscheidung positiver: "Der Rating-Agentur Fitch zufolge signalisiert die Ankündigung der EZB keine unbegrenzte Ausweitung der quantitativen Lockerung in der Eurozone", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Fitch gehe davon aus, dass die Käufe 2018 enden würden.

Schon in der laufenden Woche stehe eine Sitzung der US-Notenbank an. "Wir erwarten, dass der Offenmarktausschuss der Federal Reserve die Leitzinsen unverändert lassen wird", erkläre Franck Dixmier von Allianz Global Investors. Es sei jedoch sehr wahrscheinlich, dass die FED die Leitzinsen in ihrer Dezember-Sitzung um 0,25 Prozentpunkte erhöhen werde. "Insgesamt scheint der Markt die potenziellen Zinsanhebungen der FED im Jahr 2018 zu unterschätzen." Dixmier wäre nicht überrascht, wenn die FED 2018 zwei- oder gar dreimal die Zinsen erhöhen würde.

Die US-Renditen seien zuletzt wieder gestiegen und hätten den höchsten Stand seit März erreicht - laut Marius Schad von der HSH Nordbank vor allem wegen der guten US-Konjunkturlage. "Die Renditen könnten sich unter einem neuen FED-Chairman John Taylor noch schneller erhöhen", bemerke Schad. Eine Orientierung der US-Geldpolitik auf die auf ihn zurückgehende "Taylor-Rule" würde nämlich mit einem erheblich höheren Zinsniveau einhergehen. Favorit im Rennen um den Chefsessel bleibe aber FED-Gouverneur Jerome Powell, der für einen langsameren Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik stehe. Janet Yellen solle angeblich, wie es am letzten Donnerstag geheißen habe, nicht für eine zweite Amtszeit als FED-Chefin nominiert werden.

Auf ein Neunmonatshoch seien Bloomberg zufolge die Renditen südafrikanischer Benchmark-Staatsanleihen geklettert, nachdem Finanzminister Malusi Gigaba angekündigt habe, zusätzliche Bonds in lokaler Währung im Wert von 122 Milliarden Südafrikanische Rand (7,4 Milliarden Euro) ausgeben zu wollen. Damit wolle Gigaba Löcher im Haushalt stopfen. Auch der Rand habe bereits deutlich nachgegeben. Sollten die Anleihen Südafrikas auf "Junk"-Status zurückgestuft werden und aus dem World Government Bond Index fliegen, könnte es nach Ansicht von J.P. Morgan Chase noch viel schlimmer kommen. Auswirkungen auf die hiesigen Anleihen in der südafrikanischen Währung sehe Daniel bislang aber noch nicht.

Neues gebe es von Nestlé, die Finanzierungstochter Nestlé Finance habe 2 Milliarden Euro am Kapitalmarkt mittels drei Anleihen eingesammelt. Die erste (ISIN XS1707074941 / WKN A19RCA) laufe bis Januar 2024, der Kupon liege bei 0,375 Prozent, die zweite (ISIN XS1707075328 / WKN A19RCB) bis November 2029, der Kupon betrage 1,25 Prozent. "Für Privatanleger könnten die Bonds aufgrund der privatanlegerfreundlichen Mindeststückelung interessant sein", meine Klaus Stopp von der Baader Bank. Die dritte Anleihe (ISIN XS1707075245 / WKN A19RCC) habe eine Laufzeit bis 2037 und bietet 1,75 Prozent. "Angesichts der langen Laufzeit und eventuell wieder steigender Zinsen hält sich die Nachfrage aber in Grenzen", stelle Daniel fest.

Aufgrund großer Nachfrage schon am ersten Tag der Zeichnungsfrist - am Montag der vergangenen Woche - geschlossen worden sei das Orderbuch für die neue Anleihe des Projektentwicklers und Bauträgers EUROBODEN. Diese biete 6 Prozent und laufe bis November 2022. Per Erscheinen sei die Anleihe bereits im Handel an der Börse Frankfurt, Emissions- und Valutatag bleibe der 10. November. (Ausgabe vom 27.10.2017) (30.10.2017/alc/a/a)





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