Anleihen-Handel: Bundesanleihen wieder gefragt


18.06.18 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die EZB-Entscheidung vom Donnerstag hat deutsche Anleihen beflügelt, so die Deutsche Börse AG.

Wie erwartet habe die Notenbank angekündigt, ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm nochmals zurückzufahren und bis Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Dazu sei das Versprechen gekommen, die Leitzinsen bis über den Sommer 2019 hinaus auf dem aktuellen Niveau zu belassen. "Eine echte Überraschung war auch das nicht, da die EZB schon vorher klargestellt hatte, dass zwischen dem Auslaufen des Anleihekaufprogramms und einer Zinserhöhung mindestens ein halbes Jahr liegen wird", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank.

Dennoch sei der Euro-Bund-Future nach den Verlautbarungen der EZB in die Höhe geschossen, am Freitagmorgen liege er bei 161,29 Punkten, vor der Notenbanksitzung seien es noch 159,70 Zähler gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder nur 0,38 Prozent abwerfen, Anfang der Woche seien es noch 0,49 Prozent gewesen.

"Endlich besteht Klarheit - zumindest bezogen auf das Wertpapierkaufprogramm der EZB", kommentiere Carsten Mumm, Chefvolkswirt von Donner & Reuschel. Der EZB-Rat lasse sich nicht durch die jüngste Verunsicherung im Zuge der Regierungsbildung in Italien beirren. "Das ist gut - anderenfalls wäre den politischen Akteuren in Europa jeglicher Handlungsdruck genommen."

"Mit ihrer Aussage, dass die Leitzinsen nicht vor Herbst 2019 erhöht werden sollen, ist die EZB konkreter geworden als viele erwartet hatten", meine Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ BANK. Sie beuge damit Interpretationen vor, dass die erhöhten Inflationsprojektionen eine frühere Zinswende nach sich ziehen könnten, und zeige, dass sie im Zweifel durch einen ölpreisbedingten Anstieg der Inflationsrate hindurchschauen werde.

Am Mittwoch habe die US-Notenbank den Leitzins erwartungsgemäß angehoben und für den Rest des Jahres erstmals zwei statt nur einen weiteren Zinsschritt in Aussicht gestellt. Insgesamt kämen die Notenbanker damit auf vier Zinsschritte in diesem Jahr.

"Damit reagierte Jerome Powell auf die anhaltend guten Wirtschaftsdaten in den USA", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. Vor diesem Hintergrund sei es auch nicht verwunderlich, dass die "Forward Guidance" angepasst worden sei. "Denn die Aussage, dass der Zins noch einige Zeit unter neutralem Niveau bleiben wird, ist in diesem wirtschaftlichen Umfeld nicht mehr vertretbar."

Etwas Ruhe eingekehrt sei bezüglich Italien, die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen lägen aktuell wieder bei 2,60 Prozent, nachdem sie in der Spitze auf über 3 Prozent geklettert seien. Gegenüber Anfang Mai, als es 1,76 Prozent gewesen seien, würden sie aber immer noch ein deutlich höheres Risiko widerspiegeln. Bei der Emission neuer Papiere diese Woche sei Italien auch abgestraft worden, wie Brunner melde. Ganz vergessen seien die Probleme nicht. "Für neue 30-jährige Staatsanleihen muss das Land nun 3,54 Prozent statt - wie bei der letzten Auktion - 2,88 Prozent zahlen, für siebenjährige Anleihen 2,37 statt 1,34 Prozent und für dreijährige 1,16 statt 0,07 Prozent."

Im Handel mit Unternehmensanleihen gehe es derzeit eher ruhig zu. "Die Anleger schauen jetzt lieber die Fußball-WM", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. "Gestern ab 17 Uhr, als das erste Spiel lief, war es wie abgeschnitten." Kleinere Käufe habe es allenfalls in Anleihen von Sixt und Sixt Leasing gegeben, wie der Händler feststelle. Papiere von STADA seien hingegen abgeben worden.

Brunner zufolge habe es hohe Schwankungen in Anleihen der französischen Supermarktkette Casino Guichard-Perrachon und deren Muttergesellschaft Rallye gegeben. "Am Markt kursieren Gerüchte, dass die Zahlen nicht stimmen." Analysten würden sich um die komplizierten Unternehmensstrukturen und die hohe Verschuldung sorgen. "Diese Woche hat Casino angekündigt, Vermögenswerte in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verkaufen zu wollen, um die Schulden bedienen zu können."

Was Neuemissionen für Privatanleger angehe, sei wenig los gewesen, emittiert worden seien lediglich Papiere mit hoher Stücklung. "Die Zurückhaltung war sicherlich auch Folge der Notenbanksitzungen", bemerke Brunner. "Da wollte man abwarten." (Ausgabe vom 15.06.2018) (18.06.2018/alc/a/a)






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