Anleihen: Geldpolitische Wende erst 2014?


18.10.13 17:31
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die in letzter Minute erreichte Einigung im US-Haushaltsstreit sorgte erst einmal für Erleichterung - dann machte sich allerdings wieder Skepsis breit, so die Deutsche Börse AG.

Für Klaus Stopp von der Baader habe der Kompromiss einen faden Beigeschmack: "Nur die Verschiebung auf später ist keine Lösung des eigentlichen Problems." Ein Déjà-vu müsse nun vermieden werden. "Hierzu müssen die nächsten drei Monate genutzt werden, um eine tragfähige Lösung zu finden, denn ansonsten haben wir im Januar die gleichen Probleme." Auch laut HSH Nordbank werde es Sicherheit in der haushaltspolitischen Frage erst dann geben, wenn eine endgültige und langfristige Lösung vorliege. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."

Trotz der zwischenzeitlich drohenden Staatspleite der USA: Zu größeren Schwankungen der Kurse sei es zuvor nicht gekommen. "Es war eine insgesamt ruhige Woche", melde Arthur Brunner von ICF Kursmakler. "Die Gelassenheit der Märkte sowie der Finanzanalysten war erstaunlich", meine auch Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Die Tatsache, dass die Ratingagentur Fitch am Dienstag den Ausblick für die Vereinigten Staaten auf "negativ" gesenkt habe, sei ebenfalls ohne Auswirkungen geblieben. "Die Entscheidung über eine Herabstufung steht erst im kommenden Frühling an", erläutere Brunner. Eine schnelle Rating-Änderung werde es somit nicht geben.

Da das Wachstum in den USA durch den Stillstand nun etwas geringer ausfallen könnte, würden viele Analysten und Händler eine baldige geldpolitische Straffung jetzt für unwahrscheinlicher halten. "Vielleicht kommt es sogar erst nächsten Sommer dazu", meine Brunner.

Auch die Helaba erwarte, dass die US-Notenbank wegen des Haushaltsstreits die geldpolitische Wende möglicherweise auf das nächste Jahr verschieben werde. "Dabei dürften die vorhandenen Marktunsicherheiten über die wirtschaftlichen Folgen des 'government shutdown' stärker gewichtet werden als die tatsächlichen Einflüsse auf die Realwirtschaft", würden Johannes Jander und Ulrich Wortberg bemerken.

Nicht nur US-Treasuries, auch Bundesanleihen hätten in dieser Woche zwischenzeitlich stark unter Druck gestanden, nach der Einigung in den USA sei es aber wieder nach oben gegangen: Unter dem Strich zeige sich der Euro-Bund-Future mit 140,17 Punkten am Freitagmittag etwas fester als in der Vorwoche, als das Anleihebarometer bei 139,63 Punkten notiert habe. Zehnjährige Bundesanleihen würden 1,82 Prozent abwerfen, vergangenen Freitag seien es 1,85 Prozent gewesen.

Nicht nur am Aktienmarkt würden südeuropäische Wertpapiere wieder Anhänger finden, auch Staatsanleihen aus den Krisenstaaten seien wieder stark gesucht. "Mancher Beobachter reibt sich verwundert die Augen", kommentiere Stopp. "Am Mittwoch sei der Kurs für die griechische zehnjährige Anleihe (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA) auf 67,15 Prozent und damit den höchsten Stand seit dem Schuldenschnitt im Februar 2012 geklettert." Seit Oktober vergangenen Jahres habe sich der Kurs mehr als verdoppelt.

Auch portugiesische und spanische Anleihen (ISIN PTOTE6OE0006 / WKN A0GVUR; ISIN ES00000123X3 / WKN A1HK7U) würden von den vorsichtigen Hoffnungen auf eine allmähliche Stabilisierung der Euro-Peripherieländer profitieren. Wie die Helaba erläutere, habe Spanien am gestrigen Donnerstag seine drei- und fünfjährigen Anleihen um insgesamt 2,44 Milliarden Euro aufgestockt. "Das Interesse der Investoren war überraschend hoch."

Im Handel mit Unternehmensanleihen hätten Peugeot-Papiere stark zulegen können, wie Brunner festgestellt habe. "Es gab Gerüchte über den Einstieg eines chinesischen Investors und des französischen Staates." Stopp zufolge seien Continental- und Otto-Anleihen gefragt gewesen.

Zu den Verlierern der Woche gehöre ohne Zweifel FFK Environment, wie Hellwig berichte. Der Kurs der bis Juni 2016 laufenden Anleihe (ISIN DE000A1KQ4Z1 / WKN A1KQ4Z) mit einem Kupon von 7,25 Prozent sei von 70 auf rund 30 Prozent abgestürzt. "Als Gründe werden der negative Zwischenbericht für das erste Halbjahr 2013 und die am Donnerstag bekannt gewordene Herabstufung durch die Ratingagentur Creditreform von B auf CC genannt." Auch die Windreich-Anleihe habe ab Wochenmitte bis auf unter 10 Prozent verloren. Der Windparkentwickler habe im September Insolvenz angemeldet.

Die Zeichnungsfrist für die Anleihe (ISIN DE000A1X3VZ3 / WKN A1X3VZ) von Ferratum, Pionier im Bereich mobile - das heiße über Handys vermittelte - Mikrokredite an Privatanleger, habe aufgrund hohen Investoreninteresses bereits am Dienstag geendet. Das bis 2018 laufende Papier werde zu 8 Prozent verzinst. Offiziell beginne der Handel am Montag. Am Mittwoch dieser Woche sei die Zeichnungsfrist für die Unternehmensanleihe (ISIN DE000A1X3MD9 / WKN A1X3MD) von Gebr. Sanders, einem Hersteller von Bettdecken, gestartet. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren liege der Kupon bei 8,75 Prozent. (18.10.2013/alc/a/a)






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