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Anleihen Europa: Konjunkturbild leicht verbessert


26.02.14 16:35
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Konjunktur in der Eurozone zeigt weitere zaghafte Aufwärtstendenzen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "bondreport".

Das Wachstum könnte 2014 bei ca. 1% liegen. Größter Risikofaktor für diesen Ausblick dürfte eine weitere Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China und in anderen großen Schwellenländern sein. Auf dem Papier (BIP-Daten, Budgetdefizite, relative Wettbewerbsfähigkeit) sei in den Peripheriestaaten, und hier vor allem in Irland, zweifellos Besserung zu verzeichnen. Betrachte man die teilweise katastrophal hohe Arbeitslosigkeit (28% bzw. 26% und weit über 50% Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland bzw. Spanien), dann seien durchaus Fragezeichen hinter der Nachhaltigkeit dieser Verbesserungstendenzen angebracht.

Bei der Kreditvergabe in der Eurozone sei zuletzt eine Stabilisierung zu beobachten; das gelte allerdings noch nicht für die Peripherie. Ohne eine deutliche Trendwende nach oben auf diesem Gebiet sei aber ein stärkerer, nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung schwer vorstellbar. Gleichzeitig sei die Inflation weiterhin rückläufig; sie sei im Dezember im Jahresvergleich nur noch um 0,8% gestiegen und habe damit weit unter dem Inflationsziel der EZB von 2% gelegen.

Nachdem in vielen Peripheriestaaten ohnehin schon seit einiger Zeit Deflation herrsche, würden diesbezüglich nun auch die Sorgen vor einer leichten Deflation für die Eurozone insgesamt wachsen. Allerdings erscheine diese Befürchtung aus heutiger Sicht übertrieben. Für die Eurozone sei damit jedenfalls weit und breit keine Straffung der Geldpolitik in Sicht, eher sogar eine weitere Lockerung.

Nachdem die EZB mit einem weiteren Zinsschritt im November ihr Zinssenkungspotential faktisch ausgeschöpft habe, dürften dann wohl "unkonventionelle Maßnahmen" á la FED ergriffen werden. An deren nachhaltiger Wirksamkeit für die Konjunktur (jenseits des Hochtreibens von Aktien- und Immobilienpreisen) seien nach den Erfahrungen der letzten Jahre aber durchaus Zweifel angebracht.

Immerhin könnten auf diese Weise aber der Euro geschwächt und damit höhere Inflation über die Importpreise erzeugt werden. Euro-Staatsanleihen der Kernländer sollten damit bis auf Weiteres solide unterstützt sein, ebenso Euro-Unternehmensanleihen (Investmentgrade).

High Yield-Anleihen würden hingegen inzwischen nur noch ein recht unattraktives Risiko-Ertragsprofil aufweisen, zumal sie im Falle einer unerwarteten Abschwächung der Konjunktur oder bei einer weiteren starken Verschlechterung des Risikosentiments der Investoren besonders stark unter Druck geraten könnten.

Nur mit einem Achselzucken hätten die Märkte bislang auf einen Urteilsspruch der deutschen Verfassungsrichter zum OMT-Programm der EZB reagiert (notfalls unbegrenzte Käufe von Staatsanleihen). Das sei schon etwas erstaunlich, denn das höchste deutsche Gericht habe sehr klar davon gesprochen, dass die EZB damit wohl ihre Kompetenzen überschreite und habe das OMT - vorbehaltlich der Auslegung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) - als europarechts- und verfassungswidrig gewertet.

Die Märkte würden nun offenkundig davon ausgehen, dass der EuGH das OMT einfach absegnen werde. Nur: Das deutsche Verfassungsgericht habe sich keineswegs an eine positive Entscheidung des EuGH gebunden. Es habe eine klare Argumentationslinie gezogen, unter welchen Bedingungen und Einschränkungen das OMT eventuell doch verfassungskonform gestaltet werden könnte. Sollte der EuGH dies ignorieren und das OMT ohne Änderungen durchwinken, dann müsste er sich argumentativ schon etwas einfallen lassen, um die deutschen Verfassungsrichter von seiner gegenteiligen Interpretation zu überzeugen.

Das OMT-Programm habe bislang allein durch seine Androhung gewirkt; tatsächlich habe die EZB es noch gar nicht einsetzen müssen. Die Frage sei, ob sich das nicht demnächst ändern könnte, falls die Marktteilnehmer sich das Urteil aus Deutschland noch einmal genauer anschauen und möglichen Konsequenzen daraus mehr Gewicht beimessen sollten als in ihrer ersten, unmittelbaren Reaktion. (Ausgabe Februar 2014) (26.02.2014/alc/a/a)