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Anleihen Europa: Konjunkturbild hellt sich etwas auf


01.10.13 16:51
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Bundestagswahlen in Deutschland gewann erwartungsgemäß die Amtsinhaberin, allerdings verpasste ihr bisheriger Koalitionspartner erstmals den Einzug ins Parlament, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "bondreport" zu den globalen Anleihemärkten.

An die Stelle der bisherigen Regierung mit einem kleinen und bisweilen Euro-skeptischen Partner dürfte damit eine "große Koalition" mit den Sozialdemokraten (SPD) treten, die sich bislang immer ausgesprochen pro-Euro geäußert hätten, einschließlich Banken- und Fiskalunion. Eine große Koalition würde über verfassungsändernde Mehrheiten verfügen und könnte diese bislang aufgeschobenen "heiße Eisen" ernsthaft angehen. Das dürfte für Peripherie-Staatsanleihen positiv sein; im Gegenzug aber die bisherige "Sicherheitsprämie" für deutsche Bundesanleihen schrumpfen lassen.

Noch völlig offen sei jedoch, wie lange eine solche große Koalition halten würde. Von 2005 bis 2009 habe sie schon einmal bestanden und sie habe mit einem Wahldebakel für die SPD geendet, von dem sich diese bis heute nicht erholt habe. Es sei daher sehr wahrscheinlich, dass die Sozialdemokraten diesmal ein weitaus unbequemerer Partner sein würden.

Die Konjunktur in der Eurozone zeige unterdessen weitere zaghafte Aufwärtstendenzen. Vor allem in den Peripheriestaaten wäre ein Aufschwung auch bitter nötig. Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten und notleidende Kredite würden dort noch immer ansteigen, trotz einer inzwischen deutlich verbesserten Wettbewerbsfähigkeit. Wie stark und wie nachhaltig ein solcher Aufschwung dann tatsächlich sein werde, bleibe aber abzuwarten. Denn vor allem bei der Kreditvergabe sei der Negativtrend ungebrochen.

Ohne eine Trendwende nach oben auf diesem Gebiet sei aber ein stärkerer, nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung schwer vorstellbar. Daher scheine ein insgesamt leichtes Wachstum für die Eurozone um die 1% im kommenden Jahr aus heutiger Sicht schon das beste realistische Szenario zu sein. Für die Eurozone sei damit zumindest weit ins kommende Jahr hinein keine Straffung der Geldpolitik in Sicht, eher sogar eine weitere Lockerung. Das sollte Euro-Staatsanleihen bis auf weiteres unterstützen, ebenso Euro-Unternehmensanleihen.

Nach der jüngsten Korrektur seien High Yield-Anleihen zwar immer noch nicht wirklich als "billig" zu bezeichnen, aber zweifellos attraktiver als noch im ersten Quartal. Die Ausfallsraten seien allerdings inzwischen leicht im Ansteigen begriffen. Die Zahlen seien bislang weder dramatisch noch besorgniserregend - doch scheine immerhin eine gewisse Trendwende vollzogen zu sein. Die größten Risiken für europäische High Yield-Anleihen wären aus heutiger Sicht eine unerwartet kräftige Abschwächung des Konjunkturbildes in der Eurozone und/oder eine weitere starke Verschlechterung des Risikosentiments der Investoren. (Ausgabe Oktober 2013) (01.10.2013/alc/a/a)