Anleihen: Entspannung nach Gipfelbeschlüssen


29.06.12 16:43
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Warten auf den EU-Gipfel - das war das Motto dieser Woche, so die Deutsche Börse AG.

Die Beschlüsse vom gestrigen Donnerstag kämen am Markt gut an: "So konnte ein 130 Milliarden Euro schwerer Wachstumspakt zur Ankurbelung der lahmenden EU-Wirtschaft verabschiedet werden", berichte Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Daneben sei beschlossen worden, dass spar- und reformwillige Länder auch ohne zusätzliche Auflagen auf die Rettungsfonds EFSF und ESM zugreifen dürften. Zudem sollten, sobald eine gemeinsame Bankenaufsicht installiert sei, Finanzinstitute direkten Zugang zum Rettungsfonds haben. Nicht zuletzt würden Kredite der Euro-Partner, anders als bislang geplant, keinen Vorrang vor Krediten der Privatgläubiger haben. Gemeinsame Anleihen, also Eurobonds, seien vorerst offenbar vom Tisch.

In der Summe hätten sich die Nachrichten positiv auf die Anleihemärkte der Peripheriestaaten ausgewirkt, wie Blum melde. Für die richtungweisenden zehnjährigen spanischen Staatsanleihen sei die Rendite am heutigen Freitagmorgen auf 6,31 Prozent gesunken, gestern habe sie zeitweise noch knapp unter 7 Prozent gelegen. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen sei unter die Marke von 6 Prozent gefallen.

Bis Donnerstag habe Angela Merkel mit ihrer Formulierung "Keine Eurobonds, so lange ich lebe" noch für Kursauftrieb bei Bundesanleihen gesorgt. Am heutigen Freitag knüpfe der Euro-Bund-Future aber an seine Verluste nach dem Rekordhoch von 146,89 Anfang Juni an und notiere aktuell bei 140,48 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe steige kräftig auf 1,61 Prozent. "Innerhalb der Eurozone muss ja das verteilte Geld auch aufgebracht werden, und dabei fällt in letzter Konsequenz die Kugel wieder auf die Nordstaaten", kommentiere Blum. "Des einen Freud, des anderen Leid."

Auch im Bereich der Corporate Bonds wirke sich der EU-Gipfel aus, vor allem bei Banken-Anleihen. Blum zufolge seien in einer 2019 fälligen nachrangigen Anleihe (ISIN DE000CB83CE3 / WKN CB83CE) der Commerzbank sehr gute Umsätze in einer Kursrange von rund 85 Prozent zu Wochenbeginn bis 86 Prozent heute zu beobachten gewesen.

Daneben würden Anleger immer wieder nach "Perlen" suchen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank anmerke: "Ob man unbedingt das Unternehmen HeidelbergerCement als solche bezeichnen könne, müsse jeder Investor selbst entscheiden." Die Renditeaufschläge hätten sich jedenfalls deutlich eingeengt. "So hat etwa ein 2017 fälliger Bond (ISIN XS0458230322 / WKN A1A6PG) einen Renditerückgang von rund 6 Prozent Ende Mai auf jetzt rund 4,60 Prozent vorzuweisen."

Für Hoffnung auch unter Anleihegläubigern habe das von Praktiker-Aktionären vorgeschlagene Sanierungskonzept für die angeschlagene Baumarktkette gesorgt. Anders als vom Vorstand geplant, sollten nach dem Modell nur rund 60 bis 80 große Praktiker-Filialen zu Max Bahr-Märkten werden, rund 25 kleinere Filialen sollten unter der Marke Extra Bau + Hobby geführt und von Franchise-Nehmern betrieben werden. "Die Anleihe (ISIN DE000A1H3JZ8 / WKN A1H3JZ) hat gut zugelegt", melde Rainer Petz von Close Brothers Seydler. "Ende vergangener Woche notierte sie bei 35,25 Prozent, heute bei rund 38 Prozent."

Der Markt für Neuemissionen zeige sich derweil in guter Verfassung, wie Stopp meine. "Viele Investoren haben einen Nachholbedarf." Gut angenommen sei etwa die in der vergangenen Woche begebene Anleihe (ISIN XS0798333802 / WKN A1G6NV) des französischen Autobauers Peugeot im Volumen von 600 Millionen Euro. "Für eine dreijährige Anlagedauer erhält man einen jährlichen Kupon von 4,875 Prozent." Daneben habe die Brauerei Carlsberg 500 Millionen Euro zu einer Verzinsung von 2,875 Prozent einsammeln können. Die Anleihe (ISIN XS0800572454 / WKN A0VNTQ) sei 2019 fällig. In beiden Fällen liege die Stückelung bei 1.000 Euro.

Wie Stopp weiter berichte, treibe die Sorge um ihr Geldvermögen viele Investoren in andere Währungen, bis gestern sogar immer stärker. Im Mittelpunkt des Interesses hätten unverändert Anleihen auf Norwegische Kronen (ISIN XS0794582014 / WKN A1G577), Amerikanische und Australische Dollar (ISIN XS0782699366 / WKN A1G4TZ), Türkische Lira (ISIN XS0784911835 / WKN A1G44H) und Chinesische Renminbi (ISIN HK0000105269 / WKN A1G2MK) gestanden. (29.06.2012/alc/a/a)






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