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Anleihen: Emerging Market Debt wieder neutral gewichtet


04.11.13 15:11
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Wirtschaftlich hat sich der Ausblick weiter aufgehellt, so die Experten von Swisscanto.

In Europa würden die Frühindikatoren sehr deutlich die Überwindung der Rezession bestätigen, was bereits Spekulationen aufkommen lasse, dass die wirtschaftliche Erholung stärker ausfallen könnte als bisher erwartet. Die Renditeaufschläge für spanische und italienische Staatsanleihen hätten sich weiter verengt; das Thema "Europäische Schuldenkrise" sei derzeit vom Tisch. Aktien der europäischen Peripherie würden am Ausgang der Rezession immer noch als deutlich unterbewertet gelten - in Mailand und Madrid lasse sich jetzt preiswert Unternehmenssubstanz einkaufen.

In den USA hätten die jüngsten Arbeitsmarktdaten ein schwaches Bild geboten, und man habe ein weiteres Mal das Phänomen erlebt, dass schwache US-Wirtschaftsdaten derzeit Schub für die Börse bringen würden, weil sie die Vermutung nahe legen, das geplante "Tapering" (Drosselung von Anleihekäufen durch die US-Notenbank) könnte weiter verschoben werden. Dass der Aufschub von den Märkten weiterhin so begrüßt werde wie bisher, dürfe bezweifelt werden. Derzeit würden sich in den USA nach der Jahreswende auf der geld- und fiskalpolitischen Agenda drei aufgeschobene Entscheidungen zusammenballen: das Ende des Übergangsetats (15. Januar), die Anhebung der Schuldenobergrenze (7. Februar) und das anstehende Tapering, das nun voraussichtlich erst von der ab 1. Februar 2014 amtierenden FED-Präsidentin Janet Yellen umgesetzt werde.

In den Sommermonaten seien Währungen und Anleihen aus den Emerging Markets im Zuge der Tapering-Diskussion unter starken Abgabedruck geraten. Umgekehrt hätten sie ab September von der Aufschiebung des Taperings profitieren können. Emerging Market Debt sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht preiswert, aber längst nicht mehr so teuer wie vor dem Beginn der Korrektur. Die Experten hätten ihre taktische Untergewichtung deshalb auf eine neutrale Gewichtung zurückgeführt. Die Verzögerung von Tapering und Zinserhöhungen habe kurzfristig Druck von den Bondmärkten genommen - grundsätzlich erwarte man weiter steigende Zinsen.

Der USD habe sich zuletzt gegenüber Euro und Schweizer Franken unerwartet schwach gezeigt. Die neue Wertschätzung europäischer Anlagen verleihe dem Euro derzeit Rückenwind. Ein hausgemachtes Problem für den USD stelle die auf Januar/Februar 2014 verschobene Entscheidung über Budget und Schuldenobergrenze dar. Gemäß Kaufkraftparitäten sei der USD gegenüber dem Schweizer Franken durch den Schwächeanfall der vergangenen Wochen nicht nur stark, sondern sehr stark unterbewertet - die anstehende Gegenbewegung wuerden die Experten abwarten und ihre USD-Longposition beibehalten.

Die Aktienmärkte hätten sich seit der Finanzkrise massiv nach oben bewegt und damit in den letzten Jahren bestehende Unterbewertungen inzwischen abgebaut. Weitere Kursanstiege wären ab diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch durch das erwartete Gewinnwachstum gerechtfertigt, das im langfristigen Mittel bei sechs Prozent liege. In der Vergangenheit sei es jedoch über dieses "vernünftige" Maß hinaus immer wieder zu deutlichen Übertreibungen bei den Kursentwicklungen gekommen. Die einzige Region, welche derzeit noch eine deutliche Unterbewertung aufzuweisen habe, sei Europa. Seitdem die wirtschaftliche Wende gelungen sei, sei ein deutlich wachsendes Interesse für Aktien aus Euroland festzustellen, die zuvor von internationalen Investoren regelrecht links liegen gelassen worden seien. (04.11.2013/alc/a/a)