Anleihen: Anleger greifen lieber zu deutschen Staatanleihen als zu risikoreicheren Papieren


17.10.14 15:29
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Aktienmärkte im freien Fall, hochschnellende Renditen für griechische Staatsanleihen, Bundrenditen auf neuen Rekordtiefs: Es herrscht wieder Krisenstimmung an den Kapitalmärkten, so die Deutsche Börse AG.

"Die letzten zwei Handelstage haben gezeigt, wie schnell die EWU-Schuldenkrise zurückkehren kann", kommentiere Johannes Jander von der Helaba. Auslöser seien die mangelnde Spardisziplin in Frankreich und Italien, die für Konfliktpotenzial mit der EU-Kommission sorge. Dazu sei eine Reihe von enttäuschenden Konjunkturdaten gekommen.

Verkauft worden seien vor allem griechische Papiere: Für zehnjährige Staatsanleihen sei die Rendite von 6,6 Prozent am vergangenen Freitag auf über 9 Prozent am gestrigen Donnerstag geklettert. "Alles, was wacklig ist, wird abgegeben", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Auch Staatsanleihen Venezuelas seien massiv verkauft worden. Weniger stark unter Druck seien unterdessen Anleihen anderer südeuropäischer Staaten geraten: Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Italiens sei innerhalb weniger Tage zum Beispiel von 2,32 auf 2,62 Prozent geklettert, 2011 habe sie zwischenzeitlich bei über 7 Prozent gelegen.

"Zuflucht wird derzeit wieder einmal bei den vermeintlich sicheren Häfen Bunds und US-Treasuries gesucht", beobachte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "In einem Szenario von Weltwirtschaftssorgen, Ebola und geopolitischen Krisen ringen die Anleger um einen sicheren Anker." Der Euro-Bund-Future sei am Mittwoch auf ein neues Rekordhoch von 152,49 Punkten geklettert, heute sei etwas Entspannung angesagt: Am Freitagmittag notiere der Indikator für langfristige Zinserwartungen bei 150,62 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell 0,85 Prozent abwerfen, nach einem neuen historischen Tief bei 0,724 Prozent diese Woche.

"Das R-Wort ist wieder da", meine Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank mit Blick auf die rückläufigen Auftragseingänge und Exporte in Deutschland. Gleichzeitig habe sich China von seinen alten Wachstumsniveaus um die 10 Prozent verabschiedet, während IS-Terror und die Russland-Sanktionen die Unternehmen von Investitionen zurückgehalten hätten. Wirklich dramatisch sei die Situation aber nicht: In Deutschland steige der Inlandskonsum immer noch "ganz ordentlich", China wachse noch mit rund 7 Prozent. "Und der IWF erwartet trotz der Prognoseanpassungen für das kommende Jahr einen globalen BIP-Anstieg von erfreulichen 3,8 Prozent."

Auch im Bereich der Unternehmensanleihen würden sich Anleger von allem trennen, was nach Risiko aussehe. Daniel zufolge stehe weiterhin eine Heidelberger Druckmaschinen-Anleihe mit Kupon von 9,25 Prozent und Fälligkeit im April 2018 auf den Abgabelisten. Aktuell werde das Papier zu 94,2 Prozent gehandelt, vor zwei Wochen seien es noch über 102 Prozent gewesen. Zugegriffen worden sei hingegen bei der Aareal Bank (ISIN DE000A1TNC94 / WKN A1TNC9). "Das gilt als sicher."

Hoch und runter sei es bei Air Berlin (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A, ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B, ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) gegangen, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler feststelle. Das Luftfahrtbundesamt habe vergangene Woche so genannte Codeshare-Flüge von Air Berlin und Anteilseigner Etihad verboten, dabei handle es sich um Air Berlin-Flüge, die auch Etihad mit eigener Flugnummer anbiete. Am gestrigen Donnerstag habe es dann aber geheißen, das Verbot sei zurückgenommen worden.

Die Krisenstimmung sorge Tillmann zufolge bei Nachranganleihen (ISIN XS0222524372 / WKN A0E6FU, ISIN DE000TUAG059 / WKN TUAG05) für einen deutlichen Kursverfall. "Gerade Hybride von Bankenemittenten (ISIN DE000A0D24Z1 / WKN A0D24Z, ISIN DE000A0DEN75 / WKN A0DEN7) sind davon betroffen." Vielleicht hätten auch gewisse Bedenken hinsichtlich der Veröffentlichung der EZB-Stresstestergebnisse am 26. Oktober eine Rolle gespielt. "Derzeit sind die Verkaufsorders deutlich in der Mehrzahl, Geldseiten sind rar oder nur auf merklich niedrigerem Niveau zu finden."

Immer beliebter würden angesichts des schwachen Euro derweil auf US-Dollar lautende Unternehmensanleihen, wie Petz berichte. "Auch die Nachfrage seitens der Privatkunden steigt." Gesetzt werde etwa auf T-Mobile USA (ISIN US87264AAN54 / WKN A1ZPC8, ISIN US87264AAM71 / WKN A1ZPDW), Bombardier oder Fresenius. "Die Mindestanlage liegt bei nur 2.000 US-Dollar, außerdem ist der Kupon oft attraktiver als bei Euro-Anleihen", bemerke Petz. Der bis 2025 laufende T-Mobile-Bond biete etwa einen Kupon von 6,375 Prozent, das bis 2022 laufende Papier von Bombardier 6 Prozent. US-Dollar-Unternehmensanleihen würden über die Börse Frankfurt im Übrigen in Euro angeboten, ein US-Dollar-Konto sei nicht notwendig.

Zumindest etwas durchgerüttelt worden sei in dieser Woche der Markt für Mittelstandsanleihen. "Die Nervosität ist hoch, es gibt heftige Kursbewegungen - auch ohne Unternehmensmeldungen dahinter", melde Petz. "Recht stabil" zeige sich die neue KTG Agrar-Anleihe, die seit Mittwoch im Entry Standard gelistet sei. Das Papier laufe bis zum Oktober 2019 und werfe einen Zins von 7,25 Prozent ab. Ansonsten sei Ruhe eingekehrt auf dem Emissionsmarkt. "Die wirtschaftliche Unsicherheit stoppt die Emissionsflut", meine Klaus Stopp von der Baader Bank. (17.10.2014/alc/a/a)





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