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Anleihen: Anleger gehen in Deckung
18.07.14 16:33
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der mutmaßliche Abschuss einer Passagiermaschine der Malaysia Airlines über der Ostukraine, die Sanktionen der EU und USA gegen Russland und der Beginn einer Bodenoffensive Israels im Gazastreifen sorgen für erhöhte Nervosität an den Finanzmärkten, so die Deutsche Börse AG.
Aktienkurse seien unter Druck, sichere Anleihen gefragt. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sei am gestrigen Donnerstag auf ein neues Rekordhoch von 148,48 Prozent geklettert, am Freitagmittag seien es 148,34 Punkte. Zehnjährige Bundesanleihen würden nur noch 1,15 Prozent abwerfen. Angesichts des unsicheren Umfelds könnte sich der Trend nach Ansicht von Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft fortsetzen. "Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen werden wohl das Rekordtief von 1,121 Prozent vom Sommer 2012 noch knacken." Deutliche Abschläge hätten hingegen russische und ukrainische Papiere verzeichnet, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler melde, etwa Gazprom-Anleihen.
Trotz der Turbulenzen um Portugals Banco Espírito Santo, die Ängste um ein Wiederaufkochen der Eurokrise geschürt habe: Anleihen aus Europas Peripherie seien gefragt, wie Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank feststelle. "Das Thema Portugal ist erst einmal abgehakt", meine Brunner. Die Renditen zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen seien jedenfalls wieder von 4 Prozent auf aktuell knapp 3,7 Prozent gefallen, im September 2013 hätten sie übrigens noch bei 7,4 Prozent gelegen.
Griechenland sei es am Dienstag kurzfristig gelungen, 1,625 Milliarden Euro am Geldmarkt aufzunehmen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte. "Der Zinssatz der Papiere mit dreimonatiger Laufzeit liegt bei 1,75 Prozent." Jubelreaktionen habe es allerdings nicht gegeben: "So verharrte eine bis 2019 laufende Staatsanleihe (ISIN GR0114028534 / WKN A1ZGWQ) auf einem Niveau von über 102 Prozent." Auch Papiere (ISIN GR0128011682 / WKN A1G1UB) mit Fälligkeit 2024 hätten nahezu konstant notiert.
"Mittelfristig sehen wir die größten Risiken für Bundesanleihen in steigenden US-Zinserwartungen", kommentiere Rainer Guntermann von der Commerzbank. Die Anhörung der FED-Vorsitzenden Yellen in dieser Woche habe allerdings bestätigt, dass die FED keine Eile bei der Zinswende zeige. Weitere Hinweise auf eine Zinswende in Großbritannien, beispielsweise durch bessere Konjunktur- oder höhere Inflationszahlen, könnten Guntermann zufolge aber ein Weckruf für die Märkte werden. "In den kommenden Wochen dürften diese Risiken jedoch kaum auf Bundesanleihen durchschlagen."
Etwas Ruhe eingekehrt sei im Streit Argentiniens mit Hedgefonds, die Kurse der Alt-Bonds würden steigen. "In einzelnen Gattungen wurde sogar schon Pari gezahlt", erkläre Hellwig. Neuigkeiten seien nicht vor Dienstag zu erwarten, dann träfen sich Richter Thomas Griesa mit Banken und "Zahlungsagenten" zu klärenden Gesprächen. "Die meisten Anleger warten ab, Abgaben sind nur noch vereinzelt zu beobachten." Mittlerweile seien auch die beiden Brady-Bonds (ISIN DE0004103007 / WKN 410300, ISIN DE0004103015 / WKN 410301) des Landes, die aus der Umschuldung Anfang der 90er Jahren stammen würden, in den Fokus der Investoren gerückt. "Für diese Gattungen haben in den vergangenen Jahren nur gut informierte Anleger Interesse gezeigt, auch hier stiegen die Kurse deutlich."
Auch Rainer Petz von Close Brothers Seydler habe eine sehr rege Nachfrage nach Argentinien-Bonds beobachtet: "Käufer spekulieren auf die volle Rückzahlung. Zum Teil haben sich die Kurse fast verdoppelt." So sei etwa eine eigentlich schon 2002 fällige Anleihe (ISIN DE0001300200 / WKN 130020) von rund 50 Prozent im Juni auf aktuell 92,50 Prozent gestiegen.
Von Spekulationen über eine mögliche Übernahme von Fiat durch Volkswagen hätten unterdessen Fiat-Anleihen profitiert. "Und Volkswagen-Anleihen kamen unter Druck", erkläre Brunner. Der bis 2018 laufende Fiat-Bond sei zwischenzeitlich auf 115 Prozent gestiegen, notiere jetzt aber wieder bei 113,8 Prozent. Fiat habe die Meldung Presseberichten zufolge nämlich bereits dementiert.
Zwischenzeitliche Kursverluste habe es Daniel zufolge bei einer Anleihe der Württembergischen Lebensversicherung gegeben. "Das Unternehmen hatte vergangenen Freitag angekündigt, die Dividende streichen zu wollen, am Montag folgt aber die Erklärung, dass der Kupon nicht angetastet wird." Das Papier sei von über 107 Prozent auf 102 Prozent gerutscht, habe sich dann aber wieder auf aktuell 106,25 Prozent erholt.
Was Neuemissionen angehe, sei die Woche eher ruhig verlaufen. Stopp zufolge sei der erste Öko-Bond (ISIN XS1087815483 / WKN A1X3E7) der KfW emittiert worden. Statt, wie ursprünglich geplant, maximal 1 Milliarde Euro seien insgesamt 1,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt refinanziert worden. In der Vergangenheit seien die im Rahmen des Förderprogramms für erneuerbare Energien ausgereichten Kredite mittels gewöhnlicher Anleihen refinanziert, im Zuge der verstärkten Sensibilität der Investoren in puncto Klimaschutz aber nun "marketinggerecht" zu einer Anleihe zusammengefasst worden. "Die Anleger erhalten sogar zur "Gewissensberuhigung" ein Zertifikat, das dem Halter bestätigt, wieviel Kohlendioxid damit eingespart wird", bemerke Stopp. Dafür müssten sie sich mit Minizinsen begnügen: Bei einer Laufzeit von fünf Jahren liege der Kupon bei 0,375 Prozent. (18.07.2014/alc/a/a)
Aktienkurse seien unter Druck, sichere Anleihen gefragt. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sei am gestrigen Donnerstag auf ein neues Rekordhoch von 148,48 Prozent geklettert, am Freitagmittag seien es 148,34 Punkte. Zehnjährige Bundesanleihen würden nur noch 1,15 Prozent abwerfen. Angesichts des unsicheren Umfelds könnte sich der Trend nach Ansicht von Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft fortsetzen. "Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen werden wohl das Rekordtief von 1,121 Prozent vom Sommer 2012 noch knacken." Deutliche Abschläge hätten hingegen russische und ukrainische Papiere verzeichnet, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler melde, etwa Gazprom-Anleihen.
Trotz der Turbulenzen um Portugals Banco Espírito Santo, die Ängste um ein Wiederaufkochen der Eurokrise geschürt habe: Anleihen aus Europas Peripherie seien gefragt, wie Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank feststelle. "Das Thema Portugal ist erst einmal abgehakt", meine Brunner. Die Renditen zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen seien jedenfalls wieder von 4 Prozent auf aktuell knapp 3,7 Prozent gefallen, im September 2013 hätten sie übrigens noch bei 7,4 Prozent gelegen.
Griechenland sei es am Dienstag kurzfristig gelungen, 1,625 Milliarden Euro am Geldmarkt aufzunehmen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte. "Der Zinssatz der Papiere mit dreimonatiger Laufzeit liegt bei 1,75 Prozent." Jubelreaktionen habe es allerdings nicht gegeben: "So verharrte eine bis 2019 laufende Staatsanleihe (ISIN GR0114028534 / WKN A1ZGWQ) auf einem Niveau von über 102 Prozent." Auch Papiere (ISIN GR0128011682 / WKN A1G1UB) mit Fälligkeit 2024 hätten nahezu konstant notiert.
Etwas Ruhe eingekehrt sei im Streit Argentiniens mit Hedgefonds, die Kurse der Alt-Bonds würden steigen. "In einzelnen Gattungen wurde sogar schon Pari gezahlt", erkläre Hellwig. Neuigkeiten seien nicht vor Dienstag zu erwarten, dann träfen sich Richter Thomas Griesa mit Banken und "Zahlungsagenten" zu klärenden Gesprächen. "Die meisten Anleger warten ab, Abgaben sind nur noch vereinzelt zu beobachten." Mittlerweile seien auch die beiden Brady-Bonds (ISIN DE0004103007 / WKN 410300, ISIN DE0004103015 / WKN 410301) des Landes, die aus der Umschuldung Anfang der 90er Jahren stammen würden, in den Fokus der Investoren gerückt. "Für diese Gattungen haben in den vergangenen Jahren nur gut informierte Anleger Interesse gezeigt, auch hier stiegen die Kurse deutlich."
Auch Rainer Petz von Close Brothers Seydler habe eine sehr rege Nachfrage nach Argentinien-Bonds beobachtet: "Käufer spekulieren auf die volle Rückzahlung. Zum Teil haben sich die Kurse fast verdoppelt." So sei etwa eine eigentlich schon 2002 fällige Anleihe (ISIN DE0001300200 / WKN 130020) von rund 50 Prozent im Juni auf aktuell 92,50 Prozent gestiegen.
Von Spekulationen über eine mögliche Übernahme von Fiat durch Volkswagen hätten unterdessen Fiat-Anleihen profitiert. "Und Volkswagen-Anleihen kamen unter Druck", erkläre Brunner. Der bis 2018 laufende Fiat-Bond sei zwischenzeitlich auf 115 Prozent gestiegen, notiere jetzt aber wieder bei 113,8 Prozent. Fiat habe die Meldung Presseberichten zufolge nämlich bereits dementiert.
Zwischenzeitliche Kursverluste habe es Daniel zufolge bei einer Anleihe der Württembergischen Lebensversicherung gegeben. "Das Unternehmen hatte vergangenen Freitag angekündigt, die Dividende streichen zu wollen, am Montag folgt aber die Erklärung, dass der Kupon nicht angetastet wird." Das Papier sei von über 107 Prozent auf 102 Prozent gerutscht, habe sich dann aber wieder auf aktuell 106,25 Prozent erholt.
Was Neuemissionen angehe, sei die Woche eher ruhig verlaufen. Stopp zufolge sei der erste Öko-Bond (ISIN XS1087815483 / WKN A1X3E7) der KfW emittiert worden. Statt, wie ursprünglich geplant, maximal 1 Milliarde Euro seien insgesamt 1,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt refinanziert worden. In der Vergangenheit seien die im Rahmen des Förderprogramms für erneuerbare Energien ausgereichten Kredite mittels gewöhnlicher Anleihen refinanziert, im Zuge der verstärkten Sensibilität der Investoren in puncto Klimaschutz aber nun "marketinggerecht" zu einer Anleihe zusammengefasst worden. "Die Anleger erhalten sogar zur "Gewissensberuhigung" ein Zertifikat, das dem Halter bestätigt, wieviel Kohlendioxid damit eingespart wird", bemerke Stopp. Dafür müssten sie sich mit Minizinsen begnügen: Bei einer Laufzeit von fünf Jahren liege der Kupon bei 0,375 Prozent. (18.07.2014/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,9968 € | 125,1945 € | 0,8023 € | +0,64% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie



