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Anleihemarkt: Mit voller Wucht
13.03.15 16:39
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das am Montag dieser Woche begonnene Anleihekaufprogramm der EZB zeigt erste Wirkung, nicht nur durch den Fall des Euro, der zwischenzeitlich bei weniger als 1,05 US-Dollar notierte, so die Deutsche Börse AG.
"Die gesamte deutsche Zinskurve bewegte sich sichtbar nach unten", erkläre die HSH Nordbank. "Mittlerweile weisen die Bundestitel bis zu einer Laufzeit von sieben Jahren eine negative Rendite auf." Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen sei zwischenzeitlich unter 0,20 Prozent - ein neues historisches Tief gerutscht.
"In den ersten drei Tagen wurden Anleihen im Wert von 9,8 Milliarden Euro aufgekauft - mit heftigen Auswirkungen", melde Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Und 9,8 Milliarden Euro sind ja nur ein Bruchteil der geplanten 60 Milliarden Euro im Monat." Der Euro-Bund-Future liege aktuell bei 157,78 nach 156,16 Punkten vor einer Woche, zehnjährige Bundesanleihen würden nur noch 0,24 Prozent abwerfen nach 0,38 am vergangenen Freitag.
"Neben Bundesanleihen waren Anleihen der Peripherieländer diese Woche klare Gewinner", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. Auch hier seien zum Teil Rekordtiefstände bei den Renditen erreicht worden.
Laut Oliver Schellmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank seien die Auktionen spanischer, italienischer und irischer Papiere am Donnerstag ohne Probleme verlaufen. "Die jeweiligen Finanzagenturen freuten sich über weiter sinkende Finanzierungskosten."
Für die Bundesbank könnten die negativen Bundrenditen im Rahmen des Ankaufprogramms ein Problem werden, wie Schellmann erläutere. "Die nationalen Notenbanken sind für den Ankauf des auf das jeweilige Land entfallenden Anteils zuständig." Kaufe die Bundesbank nun Anleihen mit negativer Rendite, erhalte sie bei Einlösung inklusive der während der Restlaufzeit anfallenden Zinsen weniger Geld zurück, als sie beim Kauf gezahlt habe. "Ergo macht die Bundesbank Verlust."
Die Troika habe ihre Verhandlungen mit Athen unterdessen wieder aufgenommen, konkretes Neues gebe es aber noch nicht. "Von schnellen Erfolgen kann hier vorerst nicht ausgegangen werden", kommentiere die HSH Nordbank. Die Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft beobachte weiter Abgaben in Griechenland-Anleihen, etwa in dem bis 2023 laufenden Papier (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA).
"Privatanleger rechnen offenbar mit einem Grexit", bemerke Daniel. "Das ist wie bei einem Totkranken, der nur noch an einer Maschine hängt." Bei einem Kurs von 60 Prozent liege die Rendite der Anleihe mittlerweile bei 11,15 Prozent.
"Die Vorgehensweise der EZB ist verantwortungslos, denn Regierungen wird billiges Geld in den Rachen geworfen, ohne dass sie auf eine Haushaltssanierung achten müssen", echauffiere sich Klaus Stopp von der Baader Bank. Banken würden ihrer Zinsmargen beraubt und gezwungen, mit Risiko behaftete Kredite zu vergeben. Nicht zuletzt stehe unser gesamtes System der Altersversorgung auf dem Spiel, so die Deutsche Börse AG. "Denn weder Privatanleger noch Kapitalsammelstellen können mit einer vernünftigen Risikostreuung noch Vermögen aufbauen." Damit werde die Altersarmut für einen Großteil der Bevölkerung wahrscheinlicher.
Nach dem besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktbericht am vergangenen Freitag bleibe auch weiterhin der Zeitpunkt der Zinswende in den USA Thema, wie Schellmann bemerke. "Die Argumente für eine weitere Verzögerung werden immer weniger." Der hohe Renditeaufschlag locke Investoren in US-Treasuries. "Der Spread zu Bundesanleihen liegt im zehnjährigen Bereich immerhin bei 186 Basispunkten", erkläre Brunner.
Das EZB-Ankaufprogramm habe auch Auswirkungen auf Corporate Bonds. "Unternehmensanleihen zählen zu den Verlierern", stelle Brunner fest. "Auch Neuemissionen gehen nicht mehr so gut weg." Der Händler berichte von einer neuen METRO-Anleihe mit Kupon von 1,5 Prozent und Laufzeit bis 2025. "Der Emissionspreis lag bei 99,834 Prozent."
Wie Rainer Petz von Oddo Seydler melde, habe der Modekonzern Steilmann-Boecker Fashion Point im Wege einer Privatplatzierung eine neue Unternehmensanleihe (ISIN DE000A14J4G3 / WKN A14J4G) über 10 Millionen Euro auf den Markt gebracht, die bis 2017 laufe und einen Kupon von 7 Prozent biete. "Wir sehen eine gute Nachfrage mit Kursen von 102 zu 102,5 Prozent."
Wenig los sei derzeit im Handel mit Mittelstandsanleihen. "Papiere von gesunden, stocksoliden Unternehmen notieren weiter deutlich über Pari", bemerke Brunner und verweise auf Ferratum und Deutsche Rohstoff. "Umsätze sehen wir aber kaum."
Mit dem Euro auf einem Zwölfjahrestief würden Anleger weiter Ausschau nach anderen Währungen halten. "Der Brasilianische Real wurde wiederentdeckt", berichte Daniel. Gekauft worden sei etwa eine auf Real lautende Anleihe (ISIN XS0973219065 / WKN A1X3CC) der KfW. Auch Bonds in Türkischer Lira seien gefragt. In US-Dollar-Papieren würden hingegen Gewinne mitgenommen.
Andere Händler würden noch von Zuflüssen in US-Dollar-Bonds berichten: "Ihre Lieblinge fanden Privatanleger in dieser Handelswoche in Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, Brasilianische Real und Türkische Lira", habe Stopp beobachtet. Für viele Investoren sei das "Ende der Fahnenstange" noch lange nicht erreicht. (13.03.2015/alc/a/a)
"Die gesamte deutsche Zinskurve bewegte sich sichtbar nach unten", erkläre die HSH Nordbank. "Mittlerweile weisen die Bundestitel bis zu einer Laufzeit von sieben Jahren eine negative Rendite auf." Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen sei zwischenzeitlich unter 0,20 Prozent - ein neues historisches Tief gerutscht.
"In den ersten drei Tagen wurden Anleihen im Wert von 9,8 Milliarden Euro aufgekauft - mit heftigen Auswirkungen", melde Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Und 9,8 Milliarden Euro sind ja nur ein Bruchteil der geplanten 60 Milliarden Euro im Monat." Der Euro-Bund-Future liege aktuell bei 157,78 nach 156,16 Punkten vor einer Woche, zehnjährige Bundesanleihen würden nur noch 0,24 Prozent abwerfen nach 0,38 am vergangenen Freitag.
"Neben Bundesanleihen waren Anleihen der Peripherieländer diese Woche klare Gewinner", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. Auch hier seien zum Teil Rekordtiefstände bei den Renditen erreicht worden.
Laut Oliver Schellmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank seien die Auktionen spanischer, italienischer und irischer Papiere am Donnerstag ohne Probleme verlaufen. "Die jeweiligen Finanzagenturen freuten sich über weiter sinkende Finanzierungskosten."
Für die Bundesbank könnten die negativen Bundrenditen im Rahmen des Ankaufprogramms ein Problem werden, wie Schellmann erläutere. "Die nationalen Notenbanken sind für den Ankauf des auf das jeweilige Land entfallenden Anteils zuständig." Kaufe die Bundesbank nun Anleihen mit negativer Rendite, erhalte sie bei Einlösung inklusive der während der Restlaufzeit anfallenden Zinsen weniger Geld zurück, als sie beim Kauf gezahlt habe. "Ergo macht die Bundesbank Verlust."
Die Troika habe ihre Verhandlungen mit Athen unterdessen wieder aufgenommen, konkretes Neues gebe es aber noch nicht. "Von schnellen Erfolgen kann hier vorerst nicht ausgegangen werden", kommentiere die HSH Nordbank. Die Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft beobachte weiter Abgaben in Griechenland-Anleihen, etwa in dem bis 2023 laufenden Papier (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA).
"Die Vorgehensweise der EZB ist verantwortungslos, denn Regierungen wird billiges Geld in den Rachen geworfen, ohne dass sie auf eine Haushaltssanierung achten müssen", echauffiere sich Klaus Stopp von der Baader Bank. Banken würden ihrer Zinsmargen beraubt und gezwungen, mit Risiko behaftete Kredite zu vergeben. Nicht zuletzt stehe unser gesamtes System der Altersversorgung auf dem Spiel, so die Deutsche Börse AG. "Denn weder Privatanleger noch Kapitalsammelstellen können mit einer vernünftigen Risikostreuung noch Vermögen aufbauen." Damit werde die Altersarmut für einen Großteil der Bevölkerung wahrscheinlicher.
Nach dem besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktbericht am vergangenen Freitag bleibe auch weiterhin der Zeitpunkt der Zinswende in den USA Thema, wie Schellmann bemerke. "Die Argumente für eine weitere Verzögerung werden immer weniger." Der hohe Renditeaufschlag locke Investoren in US-Treasuries. "Der Spread zu Bundesanleihen liegt im zehnjährigen Bereich immerhin bei 186 Basispunkten", erkläre Brunner.
Das EZB-Ankaufprogramm habe auch Auswirkungen auf Corporate Bonds. "Unternehmensanleihen zählen zu den Verlierern", stelle Brunner fest. "Auch Neuemissionen gehen nicht mehr so gut weg." Der Händler berichte von einer neuen METRO-Anleihe mit Kupon von 1,5 Prozent und Laufzeit bis 2025. "Der Emissionspreis lag bei 99,834 Prozent."
Wie Rainer Petz von Oddo Seydler melde, habe der Modekonzern Steilmann-Boecker Fashion Point im Wege einer Privatplatzierung eine neue Unternehmensanleihe (ISIN DE000A14J4G3 / WKN A14J4G) über 10 Millionen Euro auf den Markt gebracht, die bis 2017 laufe und einen Kupon von 7 Prozent biete. "Wir sehen eine gute Nachfrage mit Kursen von 102 zu 102,5 Prozent."
Wenig los sei derzeit im Handel mit Mittelstandsanleihen. "Papiere von gesunden, stocksoliden Unternehmen notieren weiter deutlich über Pari", bemerke Brunner und verweise auf Ferratum und Deutsche Rohstoff. "Umsätze sehen wir aber kaum."
Mit dem Euro auf einem Zwölfjahrestief würden Anleger weiter Ausschau nach anderen Währungen halten. "Der Brasilianische Real wurde wiederentdeckt", berichte Daniel. Gekauft worden sei etwa eine auf Real lautende Anleihe (ISIN XS0973219065 / WKN A1X3CC) der KfW. Auch Bonds in Türkischer Lira seien gefragt. In US-Dollar-Papieren würden hingegen Gewinne mitgenommen.
Andere Händler würden noch von Zuflüssen in US-Dollar-Bonds berichten: "Ihre Lieblinge fanden Privatanleger in dieser Handelswoche in Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, Brasilianische Real und Türkische Lira", habe Stopp beobachtet. Für viele Investoren sei das "Ende der Fahnenstange" noch lange nicht erreicht. (13.03.2015/alc/a/a)
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| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
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16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie



