Anleihemarkt: Zinssorgen sind zurück


06.12.13 15:54
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Gerade herrschte noch Friede, Freude, Weihnachtsplätzchen und schon ist das Wort der Verunsicherung auch schon wieder in aller Munde: Tapering, so die Deutsche Börse AG.

Gemeint seien damit die Pläne der US-Notenbank, ihre Stützungskäufe am Anleihemarkt zu reduzieren und damit die derzeit sehr locker sitzenden geldpolitischen Zügel wieder anzuziehen.

"Nachdem das so genannte Tapering zuletzt ja erst mal aufgeschoben und damit eine gewisse Euphorie an den Märkten ausgelöst wurde, haben besser als erwartet ausgefallene Arbeitsmarktdaten in dieser Woche die Sorge um ein Zudrehen des Geldhahns wieder ins Gedächtnis gerufen", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Kursmakler AG. Der US-Arbeitsmarkt sei derzeit Dreh- und Angelpunkt für die Zinsentwicklung in den USA, da die Federal Reserve ihre Geldpolitik explizit an die Entwicklung der Arbeitslosenquote geknüpft habe.

Der am Mittwoch veröffentlichte ADP-Arbeitsmarktbericht für November, der als Indikator für den am heutigen Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Beschäftigungsbericht der Regierung gelte, habe mit 215.000 neuen Stellen positiv überrascht. "Im Fokus steht nun der heutige offizielle Beschäftigungsreport, der geldpolitisch der entscheidendere Faktor ist", wisse Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Allerdings habe auch schon der ADP-Bericht ausgereicht, um die Zinsen an den Rentenmärkten nach oben zu treiben. "Vor allem am langen Ende sind die Renditen von Staatsanleihen dies- und jenseits des Atlantiks gestiegen", melde Brunner. So würden zehnjährige US-Anleihen mit aktuell bei 2,86 Prozent 10 Basispunkte höher als vergangenen Freitag rentieren, bei den deutschen Benchmarkpapieren betrage der Renditeanstieg gar 14 Basispunkte auf aktuell 1,85 Prozent. Der Euro-Bund-Future als Indikator für langfristige Zinserwartungen sei von knapp 142 am vergangenen Freitag zeitweise bis auf 139,76 gefallen und notiere aktuell bei rund 140 Prozent.

Mit einer Umwandlung kurzfristiger in mittelfristige Papiere habe Portugal unterdessen erfolgreich Druck von seinem Staatshaushalt genommen. "Die Verlängerung der Fälligkeiten ist für Portugal sehr positiv gelaufen. Das Land muss in den Jahren 2014 und 2015 statt der bisherigen 27 nur noch gut 20 Milliarden Euro tilgen", fasse Brunner zusammen.

Im Zuge der Finanzkrise habe Portugal, genauso wie einige andere Euroländer, seine expansive Fiskalpolitik verstärkt mit kurz- und mittelfristigen Staatsanleihen finanziert. Über die Verlängerung der Laufzeiten versuche das Land nun die Tilgungsraten auf einen längeren Zeitraum zu strecken. "Das ist auch deshalb wichtig, weil für Portugal im nächsten Jahr der europäische Rettungsschirm ausläuft. Dann muss das Land entweder auf eigenen Beinen stehen oder neue Hilfsanträge stellen", ergänze Brunner.

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase würden Anleger laut Baader Bank verstärkt nach Bonds in Fremdwährungen greifen, die von bekannten Emittenten mit guter Bonität begeben worden seien. "Diese Anlagen versprechen höhere Renditen als sie am Heimatmarkt vielfach erzielt werden können, bergen aber Währungsrisiken in sich", erläutere der Baader-Spezialist Klaus Stopp.

Im Interesse von Anlegern stehe aktuell etwa eine Anleihe (ISIN XS0523712791 / WKN A1AYVS) der Europäischen Investitionsbank EIB, die in Russischen Rubel notiere und bis Dezember 2015 laufe. "Dort, wo der Rubel rollt, liegt die Rendite bei rund 6,40 Prozent - Währungsrisiken nicht eingeschlossen", merke der Händler an.

Vom selben Emittenten EIB sei auch ein Bond (ISIN XS0848049838 / WKN A1HBQ8), der auf Südafrikanische Rand laute, gefragt. Dieser laufe bis Oktober 2019 und weise eine Rendite von rund 7,60 Prozent auf. Anleger, die dem Brasilianischen Real vertrauen würden, hätten sich laut Stopp für eine Anleihe (ISIN XS0875150871 / WKN A1RE8Z) der KfW mit Laufzeit bis März 2016 und rund 9,4 Prozent Rendite interessiert.

Um die in der vergangenen Woche noch sehr rege gehandelten Austral-Dollar-Anleihen sei es laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft hingegen äußerst ruhig geworden. "Nachdem der Australische Dollar das Niveau von knapp über 1,50 je Euro erreicht hat, ist das Geschäft ziemlich eingeschlafen", melde der Händler. Die australische Währung habe in den vergangenen Wochen zum Euro spürbar abgewertet. Mitte November habe man für einen Euro gerade mal rund 1,43 Australische Dollar bekommen.

Im Bereich der Unternehmensanleihen habe das Papier (ISIN XS0272401356 / WKN A0G0JA) der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria in dieser Woche mit kräftigen Kursverlusten für Aufsehen gesorgt, wie Brunner berichte. Beamte des österreichischen Finanzministeriums würden offenbar in Erwägung ziehen, die notverstaatliche Bank in die Pleite zu schicken. Medienberichten zufolge sollten Gläubiger bei diesem Vorhaben offenbar auf ein Drittel der Forderungen verzichten.

"Wie es aussieht, müssen die Anleihegläubiger mit Verlusten rechnen, das bringt ordentlich Druck auf das Papier. Allein in dieser Woche hat die Anleihe 10 Punkte auf aktuell 92,50 Prozent verloren", melde der Händler.

Ein Sorgenkind bleibe laut Brunner auch die Anleihe (ISIN XS0548968592 / WKN A1EWTK) von A.T.U. Auto-Teile-Unger, die im Laufe der Woche unter Druck geraten sei, sich dann aber wieder erholt habe. "Die Gläubiger der angeschlagenen Werkstattkette haben auf die letzte Zinszahlung verzichtet, was die Notierung der Anleihe drückte. Kurz darauf kam aber die Meldung, dass das Unternehmen einen neuen Eigner bekommt und demnächst finanziell offenbar wieder auf festerem Boden steht", wisse Brunner.

Der bisherige Hauptanteilseigner KKR habe sich mit einem Teil der Gläubiger geeinigt und gebe fast seine gesamte Beteiligung ab. Nur noch 3 Prozent würden bei dem Finanzinvestor bleiben. Neuer Mehrheitseigner und gleichzeitig größter Gläubiger von A.T.U. sei nun der Investor Centerbrigde. Die neuen Eigentümer würden A.T.U. zudem eine Finanzspritze von 100 Millionen Euro geben. Damit sinke die Schuldenlast auf rund 150 Millionen Euro.

Gut in den börslichen Handel sei laut Hellwig eine neue HeidelbergCement-Anleihe gestartet. "Bei lebhaften Umsätzen und engen Spreads war die Nachfrage auch aufgrund der mittlerweile in Nicht-Mittelstandsbonds seltenen kleinanlegerfreundlichen 1.000er-Stückelung groß", berichte der Spezialist. Das Papier laufe bis Oktober 2012 und sei mit einem Kupon von 3,25 Prozent ausgestattet.

Die Serie schlechter Nachrichten bei ThyssenKrupp spiegle sich, wie Hellwig beobachte, auch in den Anleihe-Kursen des Unternehmens. "Gerade die 2016 fällige Obligation (ISIN DE000A0T61L9 / WKN A0T61L) stand unter Abgabedruck, der Kurs liegt mittlerweile unter 113 Prozent." Zum Wochenstart habe das Papier noch bei 113,50 notiert. Der Stahlkocher habe mit einer Kapitalerhöhung und einem überraschend niedrigen Erlös beim angekündigten Verkauf des Stahlwerks im US-Bundesstaat Alabama negativ überrascht.

Zudem habe das Unternehmen am Donnerstag auch bei der letzten großen Rating-Agentur den Investmentstatus verloren. Fitch habe die Bonitätsnote von "BBB-" auf "BB+" reduziert und bescheinige ThyssenKrupp genauso wie Standard & Poor's sowie Moody's damit nur noch spekulatives Niveau.

Mit regen Umsätzen falle eine Anfang der Woche neu an den Markt gekommene Anleihe (ISIN XS0999667263 / WKN A1ZALN) der österreichischen Telekom Finanzmanagement auf, wie Daniel berichte. "Die kleinanlegerfreundliche 1.000er-Stückelung lockt einige Investoren an, wir haben sofort Käufe in dem Papier gesehen. Mittlerweile flacht der Umsatz allerdings etwas ab", beobachte der Händler. Das Papier laufe bis Dezember 2021 und biete einen Kupon von 3,125 Prozent. (06.12.2013/alc/a/a)





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