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Anleihemarkt: Warum so volatil, liebe Märkte?


24.09.13 15:56
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - So mancher institutionelle Investor - sei es Fondsmanager, Pensionskasse oder Versicherung - musste in der letzten Zeit feststellen, dass man ungeliebt gewordene Positionen im Rentenportfolio schwieriger abstoßen kann, so die Experten von AXA Investment Managers (AXA IM).

Sei es früher für US-Kreditanleihen möglich gewesen, an einem Nachmittag eine größere Position zu liquidieren, so brauche man heute einen Monat. Und beginne dann noch der Markt zu sinken, tue es umso mehr weh, wenn man die Position letztendlich mit einem Verlust verkaufen müsse, der im Entscheidungszeitpunkt nicht abzusehen gewesen sei.

In der Tat würden die in den letzten Jahren eingeführten Regeln und Kapitalbedingungen dazu sorgen, dass Banken als Market-Maker nicht mehr die ihnen angebotenen Positionen auf die eigenen Bücher nehmen könnten. In der Konsequenz könnten die Banken einem Kunden ein Papier nur noch abnehmen, wenn sie auf der anderen Seite schon wieder einen neuen Käufer dafür gefunden hätten. Und das könne dauern.

Auch die Zahlen würden diese Entwicklung belegen: Laut Statistiken der Federal Reserve von New York hätten Emissionsbanken 2007 rund 235 Milliarden US-Dollar an Unternehmensanleihen gehalten - heute seien es nur noch circa 56 Milliarden. Gleichzeitig habe sich die Kapitalisierung des Marktes in der gleichen Zeit fast verdoppelt. Aussagen von Bankverantwortlichen würden das bestätigen: Früher seien die Emissionshäuser bereit gewesen, auch schon einmal eine gute Portion einer Anleihe auf den eigenen Büchern zu halten - heute müsse alles vorplatziert sein.

Über diese Phänomene habe man in den letzten fünf Jahren schon einiges gehört - aber was sei deren Bedeutung heute? Im Mai habe Ben Bernanke von der Federal Reserve für den Herbst eine Reduktion der quantitativen Lockerung angekündigt (die nun ausfalle). Sofort seien die Zinsen in den Bondmärkten extrem angestiegen. Die Anleihemärkte seien regelrecht abgestürzt - anstatt sich schrittweise an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Insbesondere in den Kreditmärkten und bei den Schwellenländerbonds seien die Kurse so schnell eingebrochen, dass es nicht allein durch die Ankündigungen gerechtfertigt erschienen sei. Die Brutalität dieser Bewegungen könne man mit großer Sicherheit diesen beschriebenen, strukturellen Veränderungen bei den Banken zuschreiben.

Wenn die Banken den Endkunden Papiere nicht mehr abkaufen könnten, um es auf die eigenen Bücher zu nehmen - und dies auch zu Preisen, bei denen sie sich ein gutes Geschäft versprechen könnten - so dauere es nun einfach länger, bis sie durch das Herumfragen bei anderen Kunden potenzielle Käufer für den Titel gefunden hätten. Und während dieser Frist würden sich die Märkte weiter und schneller als bisher bewegen.

Dieses Phänomen sei übrigens ähnlich auch im Schweizer Bondmarkt. Allerdings stelle man da eine leichte Differenzierung fest: Kunden, die in engen Beziehungen zu den Investmentbanken stünden, ihnen demnach auch substanziell Positionen abzukaufen bereit seien und sie dadurch mit Liquidität unterstützen würden, würden denn auch besser bedient als die übrigen Marktteilnehmer.

Was seien die Konsequenzen für das Portfoliomanagement: Diese schlechteren Liquiditätsbedingungen müssten viel expliziter als in der Vergangenheit eingeplant werden. Das könne heißen, strukturell eine größere Portion Cash zu halten, aber man sollte auch bereit sein, verstärkt mit Derivaten abzusichern, wenn der Verkauf der zugrundeliegenden Papiere nicht sofort gelingen könne.

Langfristig werde man sich wohl Gedanken über die Struktur der Anleihemärkte an sich machen: Werde es Handelsplattformen vergleichbar den Aktienmärkten geben? Aber bei der großen Anzahl von verschiedenen Anleihen eines einzigen Emittenten sei dies aus heutiger Sicht illusorisch.

Eine Hoffnung bleibt: Wenn die Zinsen denn eines Tages wieder steigen, dann gibt es vielleicht substanziell wieder mehr Investoren in Anleihen und die Liquidität könnte sich dadurch auch wieder verbessern - aber auf die Niveaus des Investmentbankenbooms um 2005 werden wir allein dadurch nicht wieder kommen, so die Experten von AXA IM. (24.09.2013/alc/a/a)