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Anleihemarkt: Temporär und permanent


11.04.24 12:10
LOYS

Oldenburg (www.anleihencheck.de) - Der wichtige amerikanische Volkswirt Milton Friedman hatte vor vielen Jahren gemeint, nichts sei so dauerhaft wie ein vorübergehendes Programm der Regierung, so die Experten von LOYS.

Denke man an die Schaumweinsteuer zur Finanzierung der deutschen Kriegsmarine vor dem Ersten Weltkrieg oder an den leidigen Solidaritätszuschlag, der nur für ein Jahr Gültigkeit haben sollte und nun bereits seit mehr als drei Jahrzehnten fröhliche Urständ feiere, dann erkenne man sogleich, dass Milton Friedman einem scheinbar universalen Muster auf der Spur gewesen sei.

Interessant sei in diesem Zusammenhang eine Veröffentlichung der Europäischen Zentralbank. Dabei gehe es um das gigantische Anleiheportfolio, welches die Notenbank in den vergangenen zehn Jahren am Kapitalmarkt zusammengekauft habe. Damit sei die EZB ihrem amerikanischen Vorbild - der Federal Reserve - gefolgt, die ihrerseits Anleihen im Wert von gut 8 Billionen US-Dollar akkumuliert habe. Bislang sei man am Finanzmarkt davon ausgegangen, dass es sich bei den gigantischen Anleiheaufkäufen um eine vorübergehende Maßnahme handeln würde. Wie es in der Stellungnahme der EZB nun heiße, habe man seine Vorgehensweise überarbeitet und werde fürderhin ein "strukturelles Wertpapierportfolio" dauerhaft halten.

Nun, so gehe das. Die als vorübergehend titulierten und gepriesenen Krisenmaßnahmen der Notenbank würden recht still und lautlos zu einem dauerhaften Staatsfinanzierungsprogramm mutieren. In den Hauptstädten Europas werde man es ungeachtet der öffentlichen Krokodilstränen gerne hören. Vor allem jene Länder, die über besonders hohe Schuldenstände verfügen würden, dürften erleichtert sein, in der Zentralbank einen verlässlichen Finanzierungspartner zu besitzen. Dabei habe es noch bei der Einführung des Euro im Jahr 1999 geheißen, Staatsfinanzierung durch die EZB sei bei der neuen Gemeinschaftswährung ausgeschlossen. Und überhaupt sei seinerzeit überall verkündet worden, kein Land werde in dem neu geschaffenen Euro-Raum für die Schulden eines anderen Landes bürgen müssen.

Inzwischen gebe es eigene Anleihen der EU und für die Verluste der EZB stünden die Mitgliedsstaaten gemäß ihren Anteilen gerade, ohne dass deren Parlamente gefragt worden seien. Und über den Maastricht-Vertrag wollen wir den Mantel des Schweigens hängen, kein einziges Unterzeichnerland ist mehr willens, sich an die Vereinbarung zu halten, so die Experten von LOYS.

Für den Anleihemarkt seien dies insofern gute Nachrichten, als nun ein für alle Mal klar sei, dass die Notenbanken stets als letzter und williger Retter bei drohenden Banken- und Staatspleiten bereitstünden. Dadurch sei das Risiko eines Engagements deutlich gemildert. Freilich verhindere der mit Abstand größte Marktteilnehmer durch seine Aktivitäten höhere Anleiherenditen für Anleger. Dies wiederum führe dazu, dass mit Geldanlagen in Staatsanleihen seit Jahren keine reale Vermögenserhaltung möglich sei. Davon würden wiederum die Aktienmärkte profitieren, die ohne künstliche staatliche Unterstützung auskommen und aktuell auf neue Höchstwerte zusteuern würden. Bedenke man zusätzlich, dass Aktienanlagen trotz starker Diskriminierung gegenüber Staatsanleihen (z. B. steuerlich und bei der Unterlegung mit Eigenkapital) wesentlich bessere Anlageresultate erbringen würden, dann weise es sich einmal mehr, dass die vor nun fast 20 Jahren getroffene Entscheidung der LOYS AG, ein reinrassiges Aktienfondsmanagementhaus zu sein, im Sinne der Anleger goldrichtig gewesen sei. (11.04.2024/alc/a/a)