Anleihemarkt: Panik sieht anders aus


31.08.15 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ein Woche der Extreme an den Aktienmärkten neigt sich dem Ende zu, so die Deutsche Börse AG.

Zwischen 153,62 und 156,49 Prozent sei es auch beim Euro-Bund-Future zum Teil hektisch auf und ab gegangen. "Befeuert durch die massiven Verluste an den Aktienmärkten wurde in allen Marktsegmenten munter gehandelt", beschreibe Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank das Geschehen. "Wieder einmal erwiesen sich Staatsanleihen aus dem Euroraum, insbesondere Bundesanleihen, als beliebte Alternative für andernorts abgezogene Anlegergelder."

Die Aussage der EZB zur Wochenmitte, den monatlichen Aufkauf von Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro bei steigenden inflationären Abwärtsrisiken gegebenenfalls aufzustocken, habe laut Tillmann für zusätzliche Nachfrage nach hiesigen Staatsanleihen gesorgt. Eine Anpassung der Geldpolitik anlässlich der EZB-Ratssitzung in der kommenden Woche sei allerdings eher unwahrscheinlich. Eine geänderte Wortwahl könne indes auf eine erhöhte Handlungsbereitschaft deuten.

Für Arthur Brunner sei der "Blitzcrash" beim DAX im Nachhinein eher ein "Sturm im Wasserglas" gewesen. "Anleihe-Investoren reagierten alles in allem mit einer gewissen Gelassenheit", fasse der Händler der ICF Bank den Wochenverlauf im Rentenhandel zusammen. Denn das deutsche Rentenbarometer hätte sich auf dem Spitzenniveau von 156,49 Prozent nur kurz halten können. "Eine echte Flucht in die sicheren Häfen Gold und deutsche Staatsanleihen sieht anders aus."

Generell würden steile Bewegungen an den Aktienmärkten heutzutage mehr Stopps auslösen als früher. Viele passiv verwaltete Produkte seien mit Barrieren und Schwellen ausgestattet, die unabhängig von einer Markteinschätzung automatisch zum Tragen kämen. "Das beschleunigt die Ausschläge an den Aktienmärkten in beide Richtungen."

Nach Meinung von Klaus Stopp erleben wir eine Zeit ungewöhnlicher Turbulenzen mit offenem Ausgang, so die Deutsche Börse AG. Der Händler der Baader Bank vergleiche den derzeitigen Zustand am Rentenmarkt mit einer verdorrten Wiese, die eine nur langsame Bewässerung vertrage. Anleger hätten Angst vor zu starken Regenmassen. "Noch zu tief sitzt den Börsianern der Schock in den Knochen, als innerhalb weniger Wochen die Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe von 0,07 auf fast 1 Prozent katapultiert wurde."

Wie blank die Nerven vieler Investoren insbesondere zum Wochenbeginn gelegen hätten, belege die Tatsache, dass der VIX, der Volatilitätsindex der Chicago Board Options Exchange in den ersten 30 Minuten nach Eröffnung am Montag nicht zu ermitteln gewesen sei. Der VIX gelte als einer der wichtigstigsten "Angstindices".

Das jährliche Treffen von Notenbankern aus aller Welt im kleinen Ort Jackson Hole werfe seine Schatten voraus. Den angemessenen Zeitpunkt für eine viel und lang diskutierte erste Leitzinsanhebung zu finden, werde der HSBC zufolge für die Federal Reserve immer komplexer.

Neben sinkenden Rohstoffpreisen und einem ausbleibenden Inflationsdruck seitens des US-Arbeitsmarktes seien insbesondere eine Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums und die jüngsten Widrigkeiten an den Märkten schwer einzuschätzen. Das mache eine Anhebung der Zinssätze vor Dezember eher unwahrscheinlich. "Mittlerweile gibt es sogar Spekulationen, die ein weiteres QE-Programm in den USA nicht ausschließen", beobachte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Die aktuellen Verwerfungen an den Börsen hätten auch bei Währungen für Wirbel gesorgt. "Einige Anleger reagieren auf die Eurostärke mit dem Kauf von US-Dollar-Anleihen", bemerke Daniel. Einen Trend erkenne der Händler darin aber nicht. Viele Anleger hätten sich in dieser Woche vermutlich mit Anlageentscheidungen eher schwer getan.

Sabine Tillmann spreche von regem Interesse an Fremdwährungs-Bonds in US-Dollar und Kanadischem Dollar. "Eine frisch emittierte Anleihe (ISIN US25152R2U64 / WKN XM1LWH) der Deutschen Bank stand besonders häufig auf dem Einkaufszettel." Mit einer Stückelung von 1.000 US-Dollar eigne sich der Wert auch für Privatanleger.

Bonds emittiert in Australische Dollar, US-Dollar, Türkische Lira sowie Brasilianische Real würden bei Stopps Kunden gut ankommen. Immerhin habe der Euro zum Australischen Dollar mit 1,6323 den höchsten Stand seit sechs Jahren markiert.

Der Pharmakonzern Merck habe drei Tranchen im Volumen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro mit einer Stückelung von 1.000 Euro zur Finanzierung der Übernahme des US-Laborausrüstern Sigma-Aldrich begeben, wie Brunner berichte. Ein Floater (ISIN XS1284577043 / WKN nicht bekannt) mit einer Laufzeit von zwei Jahren biete eine Verzinsung von 0,23 Prozent über dem Dreimonats-EURIBOR. Mit einem jährlichen Kupon von 0,75 Prozent sei ein Bond (ISIN XS1284576581 / WKN nicht bekannt) mit vierjähriger Laufzeit ausgestattet. Für eine siebenjährige Anleihe (ISIN XS1284570626 / WKN nicht bekannt) würden Anleger jährlich 1,375 Prozent erhalten.

Ein Wechselbad der Gefühle ausgelöst durch die Sorgen um Chinas Konjunktur würden Anleger mit Blick auf Papiere der Autobauer durchleben, wie Brunner berichte. Zwei VW-Bonds hätten Investoren beispielsweise in beide Richtungen rege gehandelt. Eine Hybridanleihe (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) mit einem Kupon von 4,625 Prozent und ein mit 3,875 Prozent verzinster Wert (ISIN XS0968913268 / WKN A1VCZP) seien mit dem Einbruch der chinesischen Börsen zunächst überwiegend abgestoßen worden. Mit der Erleichterungsrally an den Börsen sei die Nachfrage wieder gestiegen. (Ausgabe vom 28.08.2015) (31.08.2015/alc/a/a)






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