Anleihemarkt: Inflation springt an


09.01.17 09:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Trotz Ferien und Feiertagen: Langeweile kam im Anleihehandel in der ersten Woche des neuen Jahres nicht auf, so die Deutsche Börse AG.

"Die Dezember-Inflationszahlen haben für Unruhe gesorgt", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank. Am Dienstag und Mittwoch sei bekannt geworden, dass die Preissteigerung in Deutschland im Dezember auf 1,7 Prozent geklettert sei, in der Eurozone auf 1,1 Prozent. "Das hat den Euro-Bund-Future unter Druck gebracht", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Dazu sei noch das Protokoll der US-Notenbank von der Dezember-Sitzung gekommen, das am Mittwoch veröffentlicht worden sei. "Das Protokoll hat Marktteilnehmer zu der Überzeugung gebracht, dass die Währungshüter kein Interesse daran haben, die Leitzinsen in diesem Jahr über Gebühr zu erhöhen", erläutere die Helaba. Der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen liege am Freitagmittag bei 163,61 Punkten, am Montag seien es noch 164,46 Punkte gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden eine Rendite von 0,25 Prozent abwerfen.

Für das neue Jahr würden Analysten überwiegend mit einem mehr oder weniger deutlichen Zinsanstieg in den USA rechnen, dem sich auch Europa werde nicht ganz entziehen können. "Unsere empirische Analyse zeigt überraschenderweise, dass Bewegungen am US-Rentenmarkt unverändert stark auf den Euroraum durchschlagen", erkläre etwa die Commerzbank. Dieser Effekt werde seit einigen Jahren aber überlagert durch die divergierenden Geldpolitiken von FED und EZB. "Und daran wird sich 2017 nichts ändern. Entsprechend sehen wir nur ein sehr begrenztes Aufwärtspotenzial für Bund-Renditen, zumal der Renditeanstieg in den USA an Kraft verliert, weil der Markt schon viel eingepreist hat."

Brunner zufolge werde es für die EZB mit dem Anstieg der Inflation schwieriger, die Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den März hinaus zu rechtfertigen. "Die EZB kann sich nicht mehr hinter der Inflationsrate verstecken." Er halte daher Verwerfungen am Anleihemarkt im neuen Jahr durchaus für möglich. Europas Peripherie zeige sich auch wieder fragiler. "Die Rendite für zehnjährige portugiesische Anleihen liegt mittlerweile wieder über 4 Prozent." Spanien habe bei der Emission neuer Staatsanleihen in dieser Woche höhere Zinsen zahlen müssen: Für eine dreißigjährige Anleihe zum Beispiel 2,761 Prozent, am September seien es nur 2,115 Prozent gewesen.

"Die Target-Salden befinden sich wieder auf Krisenniveau", ergänze der Händler. "Aktuell stehen dem positiven Saldo Deutschlands mit 754 Milliarden Euro Italien und Spanien mit negativen Salden von 358 und 330 Milliarden Euro gegenüber. Das macht deutlich, wie viel Geld aus diesen Ländern abfließt." Die Salden würden die Zahlungsströme innerhalb der Eurozone anzeigen: Länder, in die besonders viel Kapital aus dem europäischen Ausland fließe, hätten einen positiven Target-Saldo, Länder mit Kapitalabzug einen negativen.

Einen Satz nach oben hätten Daniel zufolge Anleihen (ISIN XS0772553037 / WKN A0VNWQ) des portugiesischen Novo Banco gemacht. "Die Portugiesische Zentralbank hat die Beteiligungsgesellschaft Lone Star als bevorzugten Bieter für Novo Banco benannt", berichte der Händler. "Anleger hoffen nun offenbar, dass die Anleihe zu Pari zurückgezahlt wird." Novo Banco sei Nachfolgeinstitut des 2014 staatlich aufgefangenen Banco Espirito Santo. Die bisherigen Verkaufsversuche seien gescheitert.

Außerdem gebe es laut Daniel Spekulationen über die vorzeitige Rückzahlung oder ein Rückkaufsangebot für Anleihen der ÖVAG (ISIN XS0201306288 / WKN A0DC0M) und der Investkredit. Die ÖVAG, kurz für Österreichische Volksbanken-Aktiengesellschaft, seit Juli 2015 Immigon Portfolioabbau, sei das Spitzeninstitut der österreichischen Volksbank Gruppe gewesen und befinde sich derzeit in der Abwicklung. Die Investkredit sei 2005 von der ÖVAG übernommen worden.

Auch bei den Neuemissionen sei schon einiges los: Etwa sei Renault mit einer bis 2022 laufenden Anleihe (ISIN FR0013230737 / WKN A19BE8) mit Kupon von 0,75 Prozent auf den Markt gekommen, wie Daniel feststelle. Die Mindestanlagesumme betrage 1.000 Euro. "Nachfrage sehen wir aber nicht."

Brunner berichte von einer neuen BMW-Anleihe mit zwei Tranchen, ebenfalls mit Stückelung von 1.000 Euro: Die erste (ISIN XS1548436556 / WKN A19BGQ) laufe bis 2021 und biete 0,1625 Prozent, die zweite (ISIN XS1548436473 / WKN A19BGR) bis 2024 mit 0,75 Prozent. Beide seien sehr gut angenommen worden. "Dabei sind die Zinsen bei Corporate Bonds noch nicht wirklich gestiegen."

Ein weiterer Anschlag in der Türkei, diesmal in Izmir, habe die Türkische Lira auf ein neues Allzeittief zum US-Dollar fallen lassen. "Bei den Umsätzen in Lira-Anleihen macht sich das aber nicht bemerkbar", bemerke Daniel. (Ausgabe vom 06.01.2017) (09.01.2017/alc/a/a)






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