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Anleihemarkt: Griechenland schon im April zurück am Kapitalmarkt?
04.04.14 15:36
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Dass die Europäische Zentralbank am gestrigen Donnerstag still hielt und die Zinsen im Euroraum nicht nochmals reduziert hat, hat kaum überrascht, so die Deutsche Börse AG.
Auch für die nahe Zukunft sei davon nach Ansicht der meisten Analysten nicht auszugehen. "Zwar hat Präsident Draghi mit Nachdruck betont, dass die EZB bereit ist zu handeln, um - falls nötig - gegen deflationäre Entwicklungen vorzugehen. Letztlich zeugte die Einschätzung der konjunkturellen Lage aber von verhaltenem Optimismus", würden Ulrich Wortberg und Johannes Jander von der Helaba erklären. Sie würden die Aussagen daher nicht als Signal für unmittelbar bevorstehende Aktivitäten der EZB werten.
"Mit dem Formulieren, gegebenenfalls zu 'unkonventionellen Maßnahmen' bereit zu sein, könnte die EZB eher auf die Schwächung des Euro zielen", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Damit könnte der europäischen Wirtschaft ja vielleicht mehr geholfen werden als mit niedrigeren Zinsen oder Anleihekäufen."
Nach der EZB-Sitzung am gestrigen Donnerstag sei es für Bundesanleihen zwar etwas nach oben gegangen, der Euro-Bund-Future notiere im Wochenvergleich aber wieder niedriger bei 142,81 Prozent - nach fast 144 Prozent am vergangenen Freitag. Zehnjährige Bundesanleihen würden 1,61 Prozent Rendite abwerfen nach 1,53 vor einer Woche. "Es gibt ja auch keinen Grund für die EZB einzugreifen", kommentiere Arthur Brunner von ICF Kursmakler. "Zum Beispiel liegt die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen nur noch bei 3,87 Prozent, Spanien zahlt mittlerweile weniger als die USA."
Dass Staatspapiere der EU-Peripherie gut gefragt bleiben würden, bestätige auch Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Neuemissionen der Südländer würden ebenfalls weiter auf großes Interesse stoßen, in dieser Woche habe sich Spanien abermals günstiger refinanzieren können.
"Es sieht sogar ganz danach aus, dass auch Griechenland schon bald die Rückkehr an den Kapitalmarkt wagt", berichte Brunner. "Das Umfeld ist gut, Athen will die positive Stimmung nutzen." Geplant seien Anleihen im Volumen von 2 Milliarden Euro mit Laufzeit von fünf Jahren. "Wahrscheinlich kommen diese schon im April, denn mit den Europawahlen im Mai könnte sich die Stimmung wieder drehen." Zehnjährige griechische Anleihen würden mittlerweile nur noch mit 6,04 Prozent rentieren, vor nicht einmal zwei Jahren seien es über 20 Prozent gewesen.
Unterdessen habe sich der Renditeabstand zwischen deutschen und russischen Anleihen, der durch den Krim-Konflikt stark gestiegen sei, wieder etwas verringert. "Trotz der Einengung liegt die russisch-deutsche Renditedifferenz mit aktuell rund 725 Basispunkten für zehnjährige Papiere aber weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau", stelle die Helaba klar.
Zuletzt habe es zwar Zeichen einer leichten Entspannung gegeben, der Konflikt zwischen dem Westen und Russland bleibe aber brisant, wie die jüngsten russischen Truppenaufmärsche an der ostukrainischen Grenze gezeigt hätten. "Eine erneute Eskalation dürfte die Risikoprämien wieder in die Höhe treiben."
Deutlich erholt habe sich die Türkische Lira gegenüber dem Euro nach dem Wahlsieg von Ministerpräsident Erdogan. Aktuell bekomme man nur noch 2,9337 Lira für einen Euro nach über 3,20 im Januar. "Auch türkische Staatsanleihen konnten nach dem Wahlergebnis Kursgewinne verbuchen", melde Hellwig. Nach den heftigen Kursverlusten der Lira 2013 würden sich viele Anleger aber noch zurückhalten. "Bei uns geht so gut wie gar nichts um", meine Daniel.
Im Handel mit Corporate Bonds hätten Air Berlin-Anleihen (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A; ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B; ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) Gewinne verzeichnet, vergangene Woche hätten diese mit der abermaligen Verschiebung der Bilanzvorlage heftige Kursverluste erlitten. "Dabei gibt es nichts Neues", erkläre Daniel. Ob, wie erhofft, Großaktionär Etihad bei der mit Finanzproblemen kämpfenden Fluggesellschaft einspringen werde, sei immer noch unklar. "Air Berlin hat bisher nur ein einziges Mal positiv überrascht."
Sehr beliebt seien Brunner zufolge derzeit Hybridanleihen, etwa von VW (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21). "Der Kurs kletterte in dieser Woche von 100,25 auf 102,95 Prozent." Vor einem Jahr seien Hybridanleihen generell noch mehr oder weniger unverkäuflich gewesen. "Im Moment blenden Anleger Risiken völlig aus." Hybridanleihen stünden im Rang hinter anderen Gläubigerforderungen zurück, dafür seien sie meist mit hohen Zinskupons ausgestattet.
Die Ankündigung einer neuen US-Dollar-Anleihe durch die kanadische Bombardier habe Hellwig zufolge zu einem Preisrückgang bei der bis 2016 laufenden Euro-Anleihe (ISIN XS0273988393 / WKN A0G1ZL) des Emittenten geführt. "Durch die Neuemission vergrößert sich die Wahrscheinlichkeit der vorzeitigen Kündigung." Nächstmöglicher Kündigungstermin sei wohl der 5. Mai 2014. "Der Rückzahlungskurs wäre dann 101,21 Prozent."
"Gut vom Markt aufgenommen wurde die etwas überraschend und kurzfristig begebene 300 Millionen Euro-Anleihe (ISIN XS1048589458 / WKN A1YC44) der Dürr AG", bemerke Hellwig außerdem. Gerade Privatanleger hätten gerne zugegriffen und sich die Anleihe des Maschinenbauers mit Kupon von 2,875 Prozent und Laufzeit bis 2021 zu Preisen zwischen 100,5 und 100,8 ins Depot gelegt. Noch nicht ganz ausgeräumt seien Spekulationen über die vorzeitige Rückzahlung der älteren Anleihe (ISIN DE000A1EWGX1 / WKN A1EWGX), einer Mittelstandsanleihe mit deutlich höherem Kupon von 7,25 Prozent und Laufzeit bis September 2015. (04.04.2014/alc/a/a)
Auch für die nahe Zukunft sei davon nach Ansicht der meisten Analysten nicht auszugehen. "Zwar hat Präsident Draghi mit Nachdruck betont, dass die EZB bereit ist zu handeln, um - falls nötig - gegen deflationäre Entwicklungen vorzugehen. Letztlich zeugte die Einschätzung der konjunkturellen Lage aber von verhaltenem Optimismus", würden Ulrich Wortberg und Johannes Jander von der Helaba erklären. Sie würden die Aussagen daher nicht als Signal für unmittelbar bevorstehende Aktivitäten der EZB werten.
"Mit dem Formulieren, gegebenenfalls zu 'unkonventionellen Maßnahmen' bereit zu sein, könnte die EZB eher auf die Schwächung des Euro zielen", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Damit könnte der europäischen Wirtschaft ja vielleicht mehr geholfen werden als mit niedrigeren Zinsen oder Anleihekäufen."
Nach der EZB-Sitzung am gestrigen Donnerstag sei es für Bundesanleihen zwar etwas nach oben gegangen, der Euro-Bund-Future notiere im Wochenvergleich aber wieder niedriger bei 142,81 Prozent - nach fast 144 Prozent am vergangenen Freitag. Zehnjährige Bundesanleihen würden 1,61 Prozent Rendite abwerfen nach 1,53 vor einer Woche. "Es gibt ja auch keinen Grund für die EZB einzugreifen", kommentiere Arthur Brunner von ICF Kursmakler. "Zum Beispiel liegt die Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen nur noch bei 3,87 Prozent, Spanien zahlt mittlerweile weniger als die USA."
Dass Staatspapiere der EU-Peripherie gut gefragt bleiben würden, bestätige auch Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Neuemissionen der Südländer würden ebenfalls weiter auf großes Interesse stoßen, in dieser Woche habe sich Spanien abermals günstiger refinanzieren können.
"Es sieht sogar ganz danach aus, dass auch Griechenland schon bald die Rückkehr an den Kapitalmarkt wagt", berichte Brunner. "Das Umfeld ist gut, Athen will die positive Stimmung nutzen." Geplant seien Anleihen im Volumen von 2 Milliarden Euro mit Laufzeit von fünf Jahren. "Wahrscheinlich kommen diese schon im April, denn mit den Europawahlen im Mai könnte sich die Stimmung wieder drehen." Zehnjährige griechische Anleihen würden mittlerweile nur noch mit 6,04 Prozent rentieren, vor nicht einmal zwei Jahren seien es über 20 Prozent gewesen.
Zuletzt habe es zwar Zeichen einer leichten Entspannung gegeben, der Konflikt zwischen dem Westen und Russland bleibe aber brisant, wie die jüngsten russischen Truppenaufmärsche an der ostukrainischen Grenze gezeigt hätten. "Eine erneute Eskalation dürfte die Risikoprämien wieder in die Höhe treiben."
Deutlich erholt habe sich die Türkische Lira gegenüber dem Euro nach dem Wahlsieg von Ministerpräsident Erdogan. Aktuell bekomme man nur noch 2,9337 Lira für einen Euro nach über 3,20 im Januar. "Auch türkische Staatsanleihen konnten nach dem Wahlergebnis Kursgewinne verbuchen", melde Hellwig. Nach den heftigen Kursverlusten der Lira 2013 würden sich viele Anleger aber noch zurückhalten. "Bei uns geht so gut wie gar nichts um", meine Daniel.
Im Handel mit Corporate Bonds hätten Air Berlin-Anleihen (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A; ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B; ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) Gewinne verzeichnet, vergangene Woche hätten diese mit der abermaligen Verschiebung der Bilanzvorlage heftige Kursverluste erlitten. "Dabei gibt es nichts Neues", erkläre Daniel. Ob, wie erhofft, Großaktionär Etihad bei der mit Finanzproblemen kämpfenden Fluggesellschaft einspringen werde, sei immer noch unklar. "Air Berlin hat bisher nur ein einziges Mal positiv überrascht."
Sehr beliebt seien Brunner zufolge derzeit Hybridanleihen, etwa von VW (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21). "Der Kurs kletterte in dieser Woche von 100,25 auf 102,95 Prozent." Vor einem Jahr seien Hybridanleihen generell noch mehr oder weniger unverkäuflich gewesen. "Im Moment blenden Anleger Risiken völlig aus." Hybridanleihen stünden im Rang hinter anderen Gläubigerforderungen zurück, dafür seien sie meist mit hohen Zinskupons ausgestattet.
Die Ankündigung einer neuen US-Dollar-Anleihe durch die kanadische Bombardier habe Hellwig zufolge zu einem Preisrückgang bei der bis 2016 laufenden Euro-Anleihe (ISIN XS0273988393 / WKN A0G1ZL) des Emittenten geführt. "Durch die Neuemission vergrößert sich die Wahrscheinlichkeit der vorzeitigen Kündigung." Nächstmöglicher Kündigungstermin sei wohl der 5. Mai 2014. "Der Rückzahlungskurs wäre dann 101,21 Prozent."
"Gut vom Markt aufgenommen wurde die etwas überraschend und kurzfristig begebene 300 Millionen Euro-Anleihe (ISIN XS1048589458 / WKN A1YC44) der Dürr AG", bemerke Hellwig außerdem. Gerade Privatanleger hätten gerne zugegriffen und sich die Anleihe des Maschinenbauers mit Kupon von 2,875 Prozent und Laufzeit bis 2021 zu Preisen zwischen 100,5 und 100,8 ins Depot gelegt. Noch nicht ganz ausgeräumt seien Spekulationen über die vorzeitige Rückzahlung der älteren Anleihe (ISIN DE000A1EWGX1 / WKN A1EWGX), einer Mittelstandsanleihe mit deutlich höherem Kupon von 7,25 Prozent und Laufzeit bis September 2015. (04.04.2014/alc/a/a)
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, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




