Anleihemarkt: Gefangen zwischen Zins- und Geldlockerungsfantasien


12.10.15 10:22
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zinserhöhungsszenarien und Spekulationen um eine Ausweitung der EZB-Anleihekäufe bleiben vorherrschende Themen an den Kapitalmärkten, so die Deutsche Börse AG.

Mit Blick auf die heiß diskutierte und immer noch unentschiedene US-Notenbankpolitik seien laut Helaba die wirtschaftlichen Entwicklungen und Perspektiven ein entscheidender Einflussfaktor, da von diesen auf die zukünftige Preiskurve geschlossen werden könne. Dies bezüglich biete die am 09.10.2015 zur Veröffentlichung anstehende Teuerung der US-Importpreise einen ersten Hinweis. Öl und der Dollar-Außenwert als maßgebliche Einflussgrößen hätten im Vergleich einen leicht negativen Effekt gezeigt. Verbunden mit einem stärkeren US-Dollar ergäben sich billigere Importe. Zwar liege der Ölpreis im Oktober wieder über dem Septemberniveau. "Alles in allem dürfte es aber wenig Anlass für eine Belebung der US-Zinserwartungen geben."

"Das Thema bleibt uns erhalten, aber die vom Markt so klar erwarteten Umrisse des Einstiegs in die Zinswende verschwimmen zusehends", ergänze Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Kopfschmerzen bereite etwa die geringe Preisinflation. Hellmeyer vermisse die Thematisierung der strukturellen US-Wirtschaftsschwäche, die der Händler unter anderem im Zusammenhang mit der Beendigung des QE-Programms sehe. Die Fokussierung auf das Inflationsthema greife aus Sicht des Analysten zu kurz.

Für Gregor Daniel sei der Zinsschritt noch in diesem Jahr wahrscheinlich. "Es geht auch um die Glaubwürdigkeit der Institution", begründe der Händler von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Die schwebende Zinsentscheidung werde nach Meinung der Händler auch in den kommenden Wochen die Handelsaktivitäten prägen. Aktuell stehe der Euro-Bund-Future bei 156,24 Prozent und habe damit die Höchstnotierung von 157,67 Prozent nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag nicht halten können. Hinter den Verkäufen hiesiger Staatsanleihen vermute Stopp das Einstreichen von Gewinnen.

Vor dem Hintergrund des schwachen globalen Wirtschaftsumfelds nehme der Deflationsdruck auch im Euroraum wieder zu. Seit Mitte des Jahres würden die Inflationserwartungen fallen. "Offensichtlich haben die ergriffenen Lockerungsmaßnahmen der großen internationalen Notenbanken ihre beabsichtigte preistreibende Wirkung bislang klar verfehlt", urteile Robert Halver von der Baader Bank, der eine verstärkte Liquiditätsoffensive nicht nur vonseiten der Europäischen Zentralbank erwarte.

Damit bleibe die Diskussion um eine mögliche Ausdehnung des derzeitigen Anleihe-Kaufprogramms am Leben, wie Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank feststelle. "Die Warnungen von EZB-Ratsmitglied und finnischem Zentralbankchef Liikanen vor einem vorschnellen geldpolitischen Eingreifen der Notenbanker bremsten die Spekulationen über eine kurzfristige Erweiterung des QE-Programms etwas."

Im Euroraum sorge die Kombination aus günstigem Ölpreis, extrem lockerer Geldpolitik und einem billigen Euro für ein wenig konjunkturelle Schubkraft, wie Stopp bemerke. Einen Grund zur Entwarnung sehe der Händler darin aber nicht. Insbesondere gebe Griechenland mit seinem rückläufigen Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent in diesem und prognostizierten 1,6 Prozent im kommenden Jahr Anlass zur Sorge. Zudem stimme der von der griechischen Regierung erwartete höhere Schuldenstand von 333,5 Milliarden Euro für 2016 nicht gerade zuversichtlich. "Schon bald wird das Wort Schuldenschnitt wieder in aller Munde sein", sage Stopp voraus. Alle anderen Lösungen hätten nur einen vorbereitenden Charakter.

Im Handel mit Unternehmensanleihen stünden Anleihen der Deutschen Bank laut Tillmann unter Druck. "Nach Bekanntgabe des Herbstputzes in Verbindung mit dem Quartalsverlust von rund 6 Milliarden Euro gaben die Nachrang- und Hybrid-Anleihen der Bank nach." Etwa habe ein mit 8 Prozent verzinster Bond (ISIN DE000A0TU305 / WKN A0TU30) im Wochenverlauf von 111,25 Prozent auf zeitweilig unter 108 Prozent verloren. "Anleihen der Deutschen Postbank (ISIN DE000A0DHUM0 / WKN A0DHUM; ISIN DE000A0D24Z1 / WKN A0D24Z) wurden in Mitleidenschaft gezogen."

Gregor Daniel berichte von erhöhter Nachfrage nach einem Langläufer der größten deutschen Fluggesellschaft. Eine im August begebene bis 2075 laufende Lufthansa-Anleihe mit einem Kupon von 5,125 Prozent lande verstärkt in den Anlegerdepots. Der Kurs der nachrangigen, von der Lufthansa in 2021 kündbaren Hybridanleihe sei auf Wochensicht von 100 auf 102 Prozent gestiegen.

Bonds des Automobilproduzenten Daimler seien laut Daniel ebenfalls in Summe gekauft worden. Zudem komme eine zu einem Preis von 98,926 Prozent emittierte zehnjährige Anleihe (ISIN DE000A1684V3 / WKN A1684V) der Deutschen Börse mit einem Kupon von 1,625 Prozent bei Investoren gut an. Aktuell sei die Anleihe für etwas über 100 Prozent zu haben.

Fremdwährungsanleihen emittiert in Türkische Lira (ISIN XS0585517245 / WKN A1E8U5) führe Daniel unterm Strich auf der Verkaufsseite. In den vergangenen fünf Handelstagen habe sich der Euro gegenüber der Lira allerdings von 3,35 auf 3,28 verbilligt. (Ausgabe vom 09.10.2015) (12.10.2015/alc/a/a)





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