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Anleihemarkt: Europas Bonds weiter auf Klettertour
30.11.15 10:11
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Geldpolitik bestimmt weiter den Markt, so die Deutsche Börse AG.
EZB-Chef Mario Draghi habe Ende vergangener Woche geäußert, alles Notwendige tun zu wollen, um die Inflation so schnell wie möglich wieder zu erhöhen. Das sei als eindeutiges Signal gedeutet worden, dass die EZB auf ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag die Geldpolitik abermals lockern werde. "Die Frage ist nun, was genau gemacht wird", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank. Neben einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms und der Senkung des Einlagezinses werde am Markt nun unter anderem über den Kauf von Länderanleihen oder Kreditpaketen spekuliert.
Der Euro-Bund-Future präsentiere sich entsprechend stark, auf Wochensicht habe das Marktbarometer abermals zugelegt und sei von knapp 158 auf 158,40 Prozent geklettert. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen würden damit nur noch eine Rendite von 0,46 Prozent abwerfen nach 0,48 Prozent vergangenen Freitag. Zwischenzeitlich habe auch der Abschuss eines russischen Militärfliegers durch die Türkei für Rückenwind bei Bundesanleihen gesorgt. "Am Dienstag stieg die Risikoaversion bei den Anlegern, Bundesanleihen wurden verstärkt nachgefragt und stiegen im Kurs", melde Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Zurückgegangen seien auch Zinsen für Staatsanleihen aus Europas Peripherie, etwa spanische und italienische. "Selbst im Fall Portugal sind die Renditen wieder auf dem Rückzug", melde Brunner. In Portugal sei diese Woche Sozialist António Costa zum Regierungschef ernannt worden. "Der Regierungswechsel hat seinen Schrecken verloren." Aktuell liege die Rendite für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen nur noch bei 2,25 Prozent, vor drei Wochen seien es noch 3 Prozent gewesen.
Griechenland sei ebenfalls kein Thema mehr. "Beim Treffen der Eurofinanzminister bzw. deren Vertreter, bei dem über Griechenland und die Haushaltsentwürfe der Eurostaaten für 2016 beraten wurde, wurde aus dem Eurorettungsschirm ESM eine 2 Milliarden Euro-Tranche für Griechenland freigegeben", berichte Tillmann.
Sehr beliebt seien Papiere von VW. "VW-Anleihen (ISIN XS0873793375 / WKN A1HERD) konnten ihre Kursverluste nach dem Abgas-Skandal mehr als gut machen und notieren bei weiter vorhandener Nachfrage um 100,50 Prozent", stelle Tillman fest. Laut Brunner seien besonders Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21; ISIN XS0968913268 / WKN A1VCZP) gefragt. Auslöser sei wohl die Meldung gewesen, nach der zur Umrüstung der betroffenen Autos nur ein kleines Gitternetz und eine Softwareaktualisierung nötig seien. Auch die Aktien hätten einen Satz nach oben gemacht.
Heftig unter Druck seien unterdessen Anleihen des angeschlagenen spanischen Anbieters von erneuerbaren Energien Abengoa geraten, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichte. Die bis 2016 laufende Anleihe (ISIN XS0498817542 / WKN A1AVGM), deren Kurs vor gut zwei Wochen noch bei 92 Prozent gelegen habe, notiere am Freitagmittag bei nur noch 20,5 Prozent. Am Mittwoch sei bekannt geworden, dass Verhandlungen über den Einstieg der Industriegruppe Gestamp gescheitert seien, daraufhin habe Abengoa Gläubigerschutz beantragt. Auch der Aktienkurs sei eingebrochen.
Ebenfalls stark abgerutscht seien Bonds des Schrottrecylers Scholz, auf die Rainer Petz von Oddo Seydler hinweise. Vor zwei Wochen habe die Anleihe noch bei über 70 Prozent notiert, im September seien es noch fast 100 Prozent gewesen, jetzt seien es 22 Prozent. "Das Unternehmen ist hoch verschuldet, die Suche nach einem Investor war bislang ohne Erfolg."
Sehr volatil habe sich laut Brunner die Travel24.com-Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) gezeigt, zuletzt sei es aber deutlich nach oben gegangen. "Hintergrund waren wohl Nachrichten über den eventuellen Einstieg eines Investors bei der Mutter Unister." Allerdings sei das Papier eher illiquide, die Ausschläge seien daher hoch. Mitte November habe der Kurs noch bei 35 Prozent gelegen, jetzt seien es 50 Prozent. Mittlerweile habe sich der Investoreneinstieg Presseberichten zufolge aber zerschlagen.
Viel gekauft würden Daniel zufolge außerdem Anleihen der Ersten Finance sowie von ThyssenKrupp. Papiere der Lufthansa hätten, bevor der angekündigte Streik wieder abgesagt worden sei, hingegen auf den Abgabelisten (ISIN XS1109110251 / WKN A12UAP) gestanden.
Gesprächsthema sei auch die Ankündigung der Allianz gewesen, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die mehr als 30 Prozent des Umsatzes mit Abbau oder Energieerzeugung aus Kohle umsetzen würden. "Allerdings dürfte sich die Umweltfreundlichkeit der Allianz bei der Entscheidung auch in Grenzen halten", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Vielmehr stecke hinter dem Schritt wohl reines betriebswirtschaftliches Kalkül, der Konzern gehe davon aus, dass aufgrund einer strenger werdenden Regulierung diese Assets zu großen Verlusten führen könnten. Anleihen von Kohleerzeugern wie RWE (ISIN XS0982019126 / WKN A1HR28) hätten sich aber unbeeindruckt gezeigt, wie Stopp anmerke.
Ab kommenden Montag bis zum 4. Dezember 12 Uhr könne eine neue Anleihe des österreichischen Immobilienentwicklers UBM Development gezeichnet werden. Das Papier (ISIN DE000A18UQM6 / WKN A18UQM) laufe bis Dezember 2020 und biete einen Kupon von 4,25 Prozent.
Der Euro zeige sich durch die nahende Zinserhöhung in den USA und geldpolitische Lockerung in der Eurozone schwer angeschlagen, am Freitagmittag koste die Gemeinschaftswährung weniger als 1,06 US-Dollar. So hätten sich Anleger für andere Währungen interessiert.
"Auf der Suche nach Weihnachtsschnäppchen griffen Privatanleger in dieser Handelswoche verstärkt bei Anleihen auf US-Dollar, Türkische Lira und Russische Rubel zu", habe Stopp beobachtet. Beispiele seien US-Dollar-Anleihen von J.P. Morgan mit Kupon von 3,875 Prozent und Laufzeit bis 2024 sowie von Apple mit 4,375 Prozent bis 2045, auf Türkische Lira lautende Papiere der KfW (ISIN XS1234897483 / WKN A1SR83, 9,25 Prozent bis 2020) und der Rabobank (ISIN XS1085176466 / WKN A1ZLW7, 9,25 Prozent bis 2021) sowie russische Staatsanleihen in Rubel (ISIN RU000A0JS4M5 / WKN A1G3F7; ISIN RU000A0JS3W6 / WKN A1G10S) mit 7,5 Prozent bis 2019 und 8,15 Prozent bis 2027. (Ausgabe vom 27.11.2015) (30.11.2015/alc/a/a)
EZB-Chef Mario Draghi habe Ende vergangener Woche geäußert, alles Notwendige tun zu wollen, um die Inflation so schnell wie möglich wieder zu erhöhen. Das sei als eindeutiges Signal gedeutet worden, dass die EZB auf ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag die Geldpolitik abermals lockern werde. "Die Frage ist nun, was genau gemacht wird", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank. Neben einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms und der Senkung des Einlagezinses werde am Markt nun unter anderem über den Kauf von Länderanleihen oder Kreditpaketen spekuliert.
Der Euro-Bund-Future präsentiere sich entsprechend stark, auf Wochensicht habe das Marktbarometer abermals zugelegt und sei von knapp 158 auf 158,40 Prozent geklettert. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen würden damit nur noch eine Rendite von 0,46 Prozent abwerfen nach 0,48 Prozent vergangenen Freitag. Zwischenzeitlich habe auch der Abschuss eines russischen Militärfliegers durch die Türkei für Rückenwind bei Bundesanleihen gesorgt. "Am Dienstag stieg die Risikoaversion bei den Anlegern, Bundesanleihen wurden verstärkt nachgefragt und stiegen im Kurs", melde Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Zurückgegangen seien auch Zinsen für Staatsanleihen aus Europas Peripherie, etwa spanische und italienische. "Selbst im Fall Portugal sind die Renditen wieder auf dem Rückzug", melde Brunner. In Portugal sei diese Woche Sozialist António Costa zum Regierungschef ernannt worden. "Der Regierungswechsel hat seinen Schrecken verloren." Aktuell liege die Rendite für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen nur noch bei 2,25 Prozent, vor drei Wochen seien es noch 3 Prozent gewesen.
Griechenland sei ebenfalls kein Thema mehr. "Beim Treffen der Eurofinanzminister bzw. deren Vertreter, bei dem über Griechenland und die Haushaltsentwürfe der Eurostaaten für 2016 beraten wurde, wurde aus dem Eurorettungsschirm ESM eine 2 Milliarden Euro-Tranche für Griechenland freigegeben", berichte Tillmann.
Sehr beliebt seien Papiere von VW. "VW-Anleihen (ISIN XS0873793375 / WKN A1HERD) konnten ihre Kursverluste nach dem Abgas-Skandal mehr als gut machen und notieren bei weiter vorhandener Nachfrage um 100,50 Prozent", stelle Tillman fest. Laut Brunner seien besonders Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21; ISIN XS0968913268 / WKN A1VCZP) gefragt. Auslöser sei wohl die Meldung gewesen, nach der zur Umrüstung der betroffenen Autos nur ein kleines Gitternetz und eine Softwareaktualisierung nötig seien. Auch die Aktien hätten einen Satz nach oben gemacht.
Ebenfalls stark abgerutscht seien Bonds des Schrottrecylers Scholz, auf die Rainer Petz von Oddo Seydler hinweise. Vor zwei Wochen habe die Anleihe noch bei über 70 Prozent notiert, im September seien es noch fast 100 Prozent gewesen, jetzt seien es 22 Prozent. "Das Unternehmen ist hoch verschuldet, die Suche nach einem Investor war bislang ohne Erfolg."
Sehr volatil habe sich laut Brunner die Travel24.com-Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) gezeigt, zuletzt sei es aber deutlich nach oben gegangen. "Hintergrund waren wohl Nachrichten über den eventuellen Einstieg eines Investors bei der Mutter Unister." Allerdings sei das Papier eher illiquide, die Ausschläge seien daher hoch. Mitte November habe der Kurs noch bei 35 Prozent gelegen, jetzt seien es 50 Prozent. Mittlerweile habe sich der Investoreneinstieg Presseberichten zufolge aber zerschlagen.
Viel gekauft würden Daniel zufolge außerdem Anleihen der Ersten Finance sowie von ThyssenKrupp. Papiere der Lufthansa hätten, bevor der angekündigte Streik wieder abgesagt worden sei, hingegen auf den Abgabelisten (ISIN XS1109110251 / WKN A12UAP) gestanden.
Gesprächsthema sei auch die Ankündigung der Allianz gewesen, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die mehr als 30 Prozent des Umsatzes mit Abbau oder Energieerzeugung aus Kohle umsetzen würden. "Allerdings dürfte sich die Umweltfreundlichkeit der Allianz bei der Entscheidung auch in Grenzen halten", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Vielmehr stecke hinter dem Schritt wohl reines betriebswirtschaftliches Kalkül, der Konzern gehe davon aus, dass aufgrund einer strenger werdenden Regulierung diese Assets zu großen Verlusten führen könnten. Anleihen von Kohleerzeugern wie RWE (ISIN XS0982019126 / WKN A1HR28) hätten sich aber unbeeindruckt gezeigt, wie Stopp anmerke.
Ab kommenden Montag bis zum 4. Dezember 12 Uhr könne eine neue Anleihe des österreichischen Immobilienentwicklers UBM Development gezeichnet werden. Das Papier (ISIN DE000A18UQM6 / WKN A18UQM) laufe bis Dezember 2020 und biete einen Kupon von 4,25 Prozent.
Der Euro zeige sich durch die nahende Zinserhöhung in den USA und geldpolitische Lockerung in der Eurozone schwer angeschlagen, am Freitagmittag koste die Gemeinschaftswährung weniger als 1,06 US-Dollar. So hätten sich Anleger für andere Währungen interessiert.
"Auf der Suche nach Weihnachtsschnäppchen griffen Privatanleger in dieser Handelswoche verstärkt bei Anleihen auf US-Dollar, Türkische Lira und Russische Rubel zu", habe Stopp beobachtet. Beispiele seien US-Dollar-Anleihen von J.P. Morgan mit Kupon von 3,875 Prozent und Laufzeit bis 2024 sowie von Apple mit 4,375 Prozent bis 2045, auf Türkische Lira lautende Papiere der KfW (ISIN XS1234897483 / WKN A1SR83, 9,25 Prozent bis 2020) und der Rabobank (ISIN XS1085176466 / WKN A1ZLW7, 9,25 Prozent bis 2021) sowie russische Staatsanleihen in Rubel (ISIN RU000A0JS4M5 / WKN A1G3F7; ISIN RU000A0JS3W6 / WKN A1G10S) mit 7,5 Prozent bis 2019 und 8,15 Prozent bis 2027. (Ausgabe vom 27.11.2015) (30.11.2015/alc/a/a)
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, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




