Anleihemarkt: Angst vor Zinserhöhung


14.06.13 16:36
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Seit fast drei Wochen sind die Aktienmärkte unter Druck, zuletzt kletterten auch die Renditen für Staatsanleihen der Peripherieländer wieder nach oben, so die Deutsche Börse AG.

"Die Zinserhöhungsdiskussion hält an. Die Frage ist: Wie kommt man aus der Phase des extrem billigen Geldes heraus, ohne dass der Markt kollabiert?", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Laut Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank sei die Woche daher - und wegen der Anhörungen vor dem Bundesverfassungsgericht in Sachen Eurorettung - von Volatilität und Unsicherheit geprägt gewesen.

"Am 19. Juni hat die US-Notenbank bei ihrer Sitzung die Möglichkeit, den Finanzmärkten wieder etwas Orientierung zu geben", würden Cyrus de la Rubia und Stefan Gäde von der HSH Nordbank erklären. Sie werde damit allerdings wohl scheitern. Denn zum einen sei eine unveränderte Fortsetzung der Anleiheankäufe angesichts der stabileren konjunkturellen Lage nicht mehr glaubwürdig und von einigen FED-Mitgliedern nicht mehr gewünscht. Zum anderen hätten immer mehr Anleger an der Allmacht der Zentralbank gezweifelt. "Der Renditeanstieg in Japan, der trotz des XXL-Ankaufprogramms stattgefunden hat, ist ein warnendes Zeichen."

Zur Unruhe habe daneben der Beginn des Verfassungsgerichtsverfahrens über die Eurorettungsstrategie der EZB geführt. "Furcht kam auf, dass das EZB-Programm doch nicht so schnell durchgewinkt wird", erkläre Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Anleihen der Peripheriestaaten seien daher abgestoßen worden. "Die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen, die vergangenen Freitag noch bei 9,5 Prozent lag, kletterte zwischenzeitlich über 10 Prozent." Italien habe bei einer Neuemission Brunner zufolge tiefer in die Tasche greifen müssen. "Für dreijährige Anleihen wurden 2,38 Prozent gezahlt, im März waren es nur 1,92 Prozent." Allerdings sei das geplante Volumen problemlos platziert worden.

Der Euro-Bund-Future trete, nach dem deutlichen Rückgang seit Mai, derzeit auf der Stelle. Am heutigen Freitag notiere das Rentenbarometer bei 143,64 Punkten, vor einer Woche seien es 143,45 Punkte gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden eine Rendite von 1,53 Prozent abwerfen - nach 1,54 am vergangenen Freitag.

Anleger, die während der Hochzeit der Krise Fremdwährungsanleihen gekauft hätten, würden derzeit lange Gesichter machen. Zahlreiche Währungen, etwa der Südafrikanische Rand, die Türkische Lira, der Brasilianische Real und der Australische Dollar, hätten in den vergangenen Wochen nämlich massiv an Wert verloren. Zu einer Verkaufswelle bei Fremdwährungsanleihen habe das in dieser Woche aber nicht geführt: "Investoren sehen das als Chance und steigen ein", berichte Daniel. Zugegriffen werde etwa in auf Türkische Lira lautende Papiere der Rabobank und der KfW. Beide hätten allerdings zuvor deutlich an Wert verloren: Die KfW-Anleihe sei etwa von über 100 Prozent Anfang Mai auf unter 95 Prozent Anfang dieser Woche gefallen.

Ebenfalls abgegeben habe die Norwegische Krone gegenüber dem Euro, allerdings nicht ganz so heftig. Doch auch hier werde zugekauft, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte. "Wenn der Emittent dann noch ein alter Bekannter wie BMW oder VW (ISIN XS0818948928 / WKN A1G8MN) ist, rutschen diese Titel auf die Kauflisten."

Daneben seien Stopp zufolge auch in Euro notierte Titel von ThyssenKrupp sowie METRO gut angekommen. Daniel melde eine rege Nachfrage nach der bis 2014 laufenden Air Berlin-Anleihe. "Dabei waren hochverzinsliche Bonds diese Woche eher unter Druck." Der Kursrutsch von Mitte Mai sei bei Air Berlin damit fast wieder wettgemacht. Die Anleihe notiere mit aktuell 104,25 Prozent weit über pari. Laut Hellwig hätten sich die zwischenzeitlichen Erholungstendenzen bei einer Commerzbank-Nachranganleihe nicht fortgesetzt.

Dass zahlreiche hochverzinsliche Papiere, darunter auch viele Mittelstandsanleihen, Anfang der Woche unter die Räder gekommen seien, sei zum einen der allgemein gestiegenen Risikoscheu, zum anderen aber auch kritischen Presseberichten geschuldet gewesen, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler berichte. "Die Valensina-Anleihe, die vergangenen Freitag noch bei 101 Prozent notierte, rutschte auf 88, hat sich jetzt aber schon wieder erholt und wird zu 95 Prozent gehandelt."

Ähnlich sei es Semper Indem Underberg ergangen. "Aufgrund negativer Berichte wird verkauft, und der Kurs reagiert extrem." Einen eher schwierigen Start habe Petz zufolge auch die neue Anleihe der Reederei Rickmers gehabt. "Nach einer volatilen Phase in einem schwierigen Umfeld notiert das Papier jetzt aber über Reoffer."

Mit Blick auf Mittelstandsanleihen mache Klaus Stopp übrigens noch einmal darauf aufmerksam, dass hohe Zinsen immer auch ein höheres Risiko bedeuten würden. Gleichzeitig wolle er Mittelstandsbonds allerdings auch nicht verteufeln. Im Gegenteil, der Markt habe vielen Unternehmen eine neue, wertvolle Finanzierungsmöglichkeit erschlossen. "Aus Anlegersicht aber gilt es, genau auf die Solidität der Geschäftsmodelle zu achten und sich über die Risiken, die man eingeht, klar zu werden."

Auch in der kommenden Woche gebe es einen neuen Kandidaten im Segment Mittelstand: Die Karlie Group, einer der führenden europäischen Anbieter von Heimtierbedarf, begebe eine Anleihe (ISIN DE000A1TNG90 / WKN A1TNG9) mit einem Volumen von bis zu 30 Millionen Euro. Der Zinssatz liege bei 6,75 Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Zeichnungsfrist gehe vom 18. Juni, also dem kommenden Dienstag, bis voraussichtlich 21. Juni 2013. Vorzeitig beendet worden sei heute die Zeichnung für gamigo (ISIN DE000A1TM8Z7 / WKN A1TM8Z), schon ab Montag sei die Anleihe im Handel. Noch voraussichtlich bis zum 25. Juni laufe hingegen die Zeichnung der Anleihe des Rohstoffunternehmens Metalcorp Group. Das Papier, fällig 2018, biete einen Festzins von 8,75 Prozent. (14.06.2013/alc/a/a)





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