Anleihemarkt: Abwarten und Tee trinken


22.06.15 09:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Anleger kommen angesichts der unendlich anmutenden Verhandlungen mit Griechenland kaum zur Ruhe, so die Deutsche Börse AG.

Diese Situation sei im Handel eine Herausforderung, wie Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank beschreibe. "Das Interesse auch seitens der privaten Anleger ist äußerst verhalten und vorsichtig."

Echte Bewegung erkenne die Händlerin nur im Euro-Bund-Future. Die große Nervosität erhöhe die Risikoscheu an den Märkten und treibe die Nachfrage nach als sicher geltenden Bundesanleihen. Das hiesige Rentenbarometer sei seit seinem Neun-Monats-Tief bei 148,23 am 10. Juni zwischenzeitlich wieder bis auf 152,21 Prozent geklettert und notiere aktuell bei 151,64 Prozent. Damit bleibe der Markt mit Staatsanleihen ziemlich volatil und schwer kalkulierbar.

"Investoren halten vor einer möglichen Entscheidung hinsichtlich der Zukunft Athens die Füße still", urteile auch Arthur Brunner. Das grüne Licht für den Kauf kurzfristiger Staatsanleihen von Ländern aus der Währungsunion im Rahmen des Outright Monetary Transactions-Programms (OMT) durch den Europäischen Gerichtshof habe laut Händler der ICF Bank für leichte Entspannung gesorgt. "Das Interesse an italienischen, spanischen und portugiesischen Bonds ist in Folge gestiegen, was den Renditeabstand von zehnjährigen spanischen Anleihen zu Bonds gleicher Laufzeit um 20 Basispunkte verringert hat." Nach 2,5 Prozent vor der Gerichtsentscheidung hätten Anleger mit dieser Gattung nun eine Rendite von 2,26 Prozent erzielt.

Wenig überraschend für die Händler habe das Eurogruppen-Treffen am Donnerstag ohne Einigung mit Griechenland geendet. Für kommenden Montag solle aber ein Sondergipfel der betreffenden Staats- und Regierungschefs den Prozess vorantreiben. Folker Hellmeyer glaube, dass der politische Schlingerkurs Europa nachhaltig schaden könnte. "Die Unentschlossenheit in der Griechenlandfrage kostet viel Glaubwürdigkeit." Das trage zu einem stärkeren politischen Rechtsdruck in der Union bei. Als Beispiel nenne der Analyst der Bremer Landesbank die jüngsten Wahlen in Dänemark. Selbst wenn die Eurozone in ihrer jetzigen Konstellation fortbestehe, gebe es viele Fragen über Entscheidungswege und -prozesse.

Der Kundenansturm auf die griechischen Banken habe nach Medienberichten in den letzten Tagen offenbar erneut an Fahrt aufgenommen. Die Griechen würden ihre Konten leerzuräumen scheinen. Allein gestern sei mehr als eine Milliarde Euro abgehoben worden. Die dortigen Banken hätten zusätzliche Liquidität benötigt, sonst gehe dem Staat womöglich schon am Wochenende das Geld aus. "Das wirft die Frage auf, ob die Geldhäuser am Montag überhaupt noch öffnen", meine Tillmann.

Die EZB könne allerdings mit dem nochmaligen Aufstocken der ELA-Notkredite die akute Geldnot lindern. Es würden Gerüchte kursieren, die Griechische Zentralbank habe um eine Erhöhung dieser Kredite von über drei Milliarden Euro gebeten, nachdem die EZB erst am Mittwoch einer Ausweitung um 1,1 Milliarden auf 84,1 Milliarden Euro zugestimmt habe.

Unterm Strich würden sich griechische Staatsanleihen laut Gregor Daniel dennoch erstaunlich stabil halten. "Dort passiert nicht viel", fasse der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft die Bewegungen zusammen und nenne stellvertretend für die Gattung ein bis 2023 laufendes Papier (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA).

Anleihen in Türkischer Lira (ISIN XS1234897483 / WKN A1SR83) stünden laut Daniel auf den Einkaufslisten der Investoren. Hellwigs Kunden würden sich Tillmann zufolge vorrangig für US-Dollar-Werte interessieren.

Bei verhaltenen Umsätzen mache Daniel Interesse an einem im November 2020 fälligen Wert von Thyssen (ISIN DE000A14J579 / WKN A14J57) mit einem Kupon von 1,75 Prozent aus. Auch ein bis April 2075 laufendes und mit 3,5 Prozent ausgestattetes RWE-Produkt komme bei Anlegern tendenziell gut an. Hingegen stünde ein Bond (ISIN XS1044811591 / WKN A11P78) des Versorgers EnBW mit voraussichtlicher Rückzahlung im April 2076 verstärkt zur Disposition.

Neuemissionen seien laut Brunner gegenwärtig eher rar gesät. Auf viel Gegenliebe gestoßen sei eine von der KfW ausgegebene Anleihe (ISIN DE000A11QTG5 / WKN A11QTG) mit einem Kupon von 0,625 Prozent und einer Stückelung von 1.000 Euro. Die Bank für Wiederaufbau habe so insgesamt zwei Milliarden Euro über den Kapitalmarkt eingesammelt. Aktuell notiere der im Juli 2022 zur Rückzahlung vorgesehene Wert in Frankfurt bei 100,14 Prozent. (Ausgabe vom 19.06.2015) (22.06.2015/alc/a/a)





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