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Anleihemärkte: Nach sehr guter Performance 2023 auch 2024 positive Wertentwicklung erwartet


18.01.24 09:22
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Neues Jahr - die gleichen Herausforderungen, so Gottfried Steindl, CIIA bei der Raiffeisen Bank International AG

Mit dieser Phrase könne aus wirtschaftlicher Sicht der Ausblick auf das Jahr 2024 kurz umrissen werden. Gemeint sei dabei, dass das externe Umfeld für Österreich und die Eurozone zuletzt schwierig gewesen sei und bleibe - nicht zuletzt aufgrund (geo)politischer Spannungen. In den USA werde eine Abkühlung der wirtschaftlichen Dynamik erwartet. China dürfte weiterhin mit binnenwirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben. Somit fehle es Europa an kräftigen Zugpferden für eine exportgetriebene Erholung.

Zudem würden kriegerische Auseinandersetzungen bzw. internationale Konflikte (Ukraine/Russland, Israel, China/Taiwan, etc.) für anhaltende Unsicherheiten sorgen. Diese politischen Brandherde hätten zudem das Potenzial, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen negativ zu verändern. Zuletzt stünden viele Wahlen an. Aus globaler Sicht die wichtigste sei die US-Präsidentschaftswahl im Herbst. In Europa würden die EU-Parlamentswahlen warten und aus heimischer Sicht seien die Nationalratswahlen von Bedeutung. Der politische Rahmen eröffne viel Raum für Populismus und bringe Unsicherheit für wirtschaftliche Akteure.

Die wirtschaftliche Ausgangslage in der Eurozone und Österreich sei schwach. Zuletzt veröffentlichte Daten für Deutschland würden zeigen, dass in der größten europäischen Volkswirtschaft die Aktivität Ende 2023 rückläufig gewesen sei. Auch in der Währungsunion und Österreich dürfte sich in Q4/23 die Rezession fortgesetzt haben. Des Weiteren würden die Vorzeichen für Anfang 2024 auf keinen raschen Aufschwung schließen lassen. Allerdings sei im Laufe des Jahres eine Trendverbesserung keine unrealistische Hoffnung. Immerhin sollten die hohen Lohnabschlüsse eine positive Wirkung entfalten.

Angesichts des Inflationsabbaus im Güterbereich - inklusive wichtiger Produktgruppen wie Energie und Nahrungsmittel - seien merkliche Kaufkraftzuwächse zu erwarten, die eine Belebung des privaten Konsums anstoßen sollten. Zudem würden die Analysten damit rechnen, dass sich die Arbeitsmarktlage nicht entscheiden eintrübe. Von den Investitionen würden sie noch wenig Unterstützung erwarten. Im Gegenteil, gerade der Baubereich werde wohl weiterhin mit der restriktiven Geldpolitik zu kämpfen haben. In Summe würden sie im Jahr 2024 in der Eurozone und in Österreich einen nur geringfügigen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts erwarten. Und selbst dieser aufgrund der schwachen Ausgangslage nur möglich, sofern die angesprochene Belebung einsetze.

Die Kehrseite der Medaille der hohen Lohnabschlüsse sei die Wirkung auf die Inflation. Vor allem im Dienstleistungsbereich seien Löhne oft der größte Kostenblock, und so sei mit einem anhaltend hohen Preisauftrieb bei Dienstleistungen zu rechnen. Bei Nahrungsmitteln und Gütern dürfte dagegen die Beruhigung der Energiepreisentwicklung positiv durchschlagen und zu einem Abflauen der Teuerung führen. Im Jahresschnitt sei 2024 eine klar niedrige Inflation als 2023 zu erwarten, das Gros des Inflationsabbaus habe aber schon in den letzten Monaten stattgefunden.

Die Leitzinsen hätten in den USA und der Eurozone wohl das Hoch erreicht. FED und EZB würden signalisieren, dass diese für eine längere Zeit auf dem erreichten Niveau verharren sollten, um den Preisauftrieb auf das gewünschte Maß zurückzuführen. Der Markt positioniere sich aktuell erstaunlich aggressiv gegen diese Guidance und preise für das Jahr 2024 frühe und rapide Zinssenkungen. Somit seien die Marktzinsen seit Spätherbst 2023 zum Teil stark zurückgegangen.

Einerseits sollte der Trend bei Geldmarktsätzen sowie Staatsanleiherenditen mittelfristig nach unten gerichtet sein. Andererseits habe der Markt wohl zu früh und zu viel dieser Bewegung vorweggenommen. Die Aufwärtskorrektur von Anleiherenditen, die zu Beginn des Jahres eingesetzt habe, dürfe nicht überraschen und dieser Move habe aus Sicht der Analysten noch etwas Raum. Etwas höhere Renditen zum Einstieg mache dabei das Anleihesegment als Investment umso attraktiver. Die Analysten würden nach einer sehr guten Performance im Jahr 2023 auch im Jahr 2024 mit einer positiven Wertentwicklung rechnen. (Ausgabe vom 17.01.2024) (18.01.2024/alc/a/a)