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Anleiheinvestoren blicken optimistisch auf die US-Geldpolitik
30.07.24 12:20
Morgan Stanley
New York (www.anleihencheck.de) - Investoren rechnen mit bis zu zwei Zinssenkungen der US-Notenbank im Jahr 2024. Es gibt für die Währungshüter aber keinen Grund zur Eile, so Vishal Khanduja, Co-Head Broad Markets Fixed Income bei Morgan Stanley Investment Management.
In den Schwellenländern würden die Zinssenkungszyklen ins Stocken geraten und die Aussichten für den US-Dollar seien unklar.
Die These einer "sanften Landung" der US-Wirtschaft habe zuletzt wieder stärker im Fokus gestanden. Dabei handele es sich um ein Umfeld mit sinkender Inflation, niedrigeren Leitzinsen und einem trendähnlichen Wachstum mit nur mäßigem Aufwärtsdruck auf die Arbeitslosenquote. Ein solches Szenario sei für festverzinsliche Wertpapiere im Allgemeinen recht positiv.
Aufgrund der jüngsten Daten lägen die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich unter dem Stand von Ende April. Die Wachstumsdaten seien schwächer und die Arbeitsmarktdaten uneinheitlich. Die Zahlen vom Arbeitsmarkt und Umfragen unter Unternehmen würden darauf hindeuten, dass die Wirtschaft im Jahr 2024 ein trendmäßiges Wachstum in Höhe von rund 2 Prozent erreichen werde.
Die passende Beschreibung des Arbeitsmarktes laute derzeit: widerstandsfähig. Die Experten würden zwar nicht wissen, wie widerstandsfähig er genau sei. Der Stellenzuwachs liege aber immer noch im Bereich von monatlich 200.000 Positionen und das Wachstum der Haushaltseinkommen übersteige die Inflation. Es gebe für die US-Notenbank Federal Reserve (FED) daher kaum einen Grund zur Panik und baldigen Einleitung von Zinssenkungen. Darüber hinaus verzerre die starke Einwanderung in die USA in den vergangenen beiden Jahren die Daten. Es sei daher schwierig, Signal und Rauschen zu unterscheiden.
Trotz der Zurückhaltung der FED seien die Anleiheinvestoren bezüglich der künftigen US-Geldpolitik optimistisch. Sie würden nun mit bis zu zwei Zinssenkungen im Jahr 2024 rechnen, während Anfang des Jahres noch weniger als eine erwartet worden sei. Das sei nicht unvernünftig. Die datenabhängige Strategie des FED-Vorsitzenden Jerome Powell deute aber ebenso wenig auf eine unmittelbar bevorstehende Zinssenkung hin wie die hartnäckige Inflation im Dienstleistungssektor. Derzeit werde davon ausgegangen, dass es zu Zinssenkungen kommen werde - nur eben nicht jetzt.
Der Konservativismus der FED, die Unklarheit über das Ausmaß der Lockerungszyklen - sowohl in den USA als auch anderswo - und die fortgesetzte Inversion der Renditekurven würden es unwahrscheinlich machen, dass sich Anleihen mit langen Laufzeiten in nächster Zeit deutlich erholen würden. Zehnjährige US-Treasuries scheinen in einer Spanne von 4,25 Prozent bis 4,70 Prozent zu verharren, wobei das obere Ende möglicherweise auch bei 4,50 Prozent liege.
Längerfristig hänge das Niveau der zehnjährigen Renditen in den USA und weltweit vom Ausmaß des Lockerungszyklus ab. Wenn die FED beispielsweise die Raten nur auf 4,50 Prozent senke, würden die zehnjährigen Renditen nur schwerlich unter 4,25 Prozent fallen. Wenn die Währungshüter die Zinsen jedoch auf 3,50 Prozent senken würden, könnten sie leicht unter 3,75 Prozent nachgeben. Denn Zinssenkungen in solcher Größenordnung würden höchstwahrscheinlich mit einer bedeutenden wirtschaftlichen Schwäche einhergehen.
Neben der geldpolitischen Unsicherheit hätten auch politische Geschehnisse die Aussichten für Anleihen eingetrübt. Es gelte, die weitere Entwicklung unter anderem in Frankreich, Mexiko und den USA zu beobachten. Die Experten seien daher vorsichtiger geworden und würden eine abwartende Haltung einnehmen.
An den Devisenmärkten würden die Aussichten für den US-Dollar ungewiss bleiben. Der Juni sei ein starker Monat für den Greenback gewesen. Das sei jedoch eher auf die zunehmenden Risiken in vielen Ländern der Welt zurückzuführen. Da sich die Weltwirtschaft im Vergleich zu den USA besser entwickele - wenn auch von einem niedrigen Niveau aus -, könnte die Zeit der starken wirtschaftlichen US-Outperformance zu Ende gehen. Es sei noch zu früh, um sicher zu sein. Die Voraussetzungen dafür, dass der US-Dollar seine weltweite Führungsrolle verliere, seien aber gegeben.
Das Problem sei nur: Wer werde diese übernehmen? Die Schwellenländer böten weiterhin erhebliche idiosynkratische Risiken (und Chancen), während die USA ihren Zinsvorteil gegenüber anderen entwickelten Volkswirtschaften beibehalten würden. Die Experten würden sich mit Währungsrisiken vorerst noch zurückhalten. (30.07.2024/alc/a/a)
In den Schwellenländern würden die Zinssenkungszyklen ins Stocken geraten und die Aussichten für den US-Dollar seien unklar.
Die These einer "sanften Landung" der US-Wirtschaft habe zuletzt wieder stärker im Fokus gestanden. Dabei handele es sich um ein Umfeld mit sinkender Inflation, niedrigeren Leitzinsen und einem trendähnlichen Wachstum mit nur mäßigem Aufwärtsdruck auf die Arbeitslosenquote. Ein solches Szenario sei für festverzinsliche Wertpapiere im Allgemeinen recht positiv.
Aufgrund der jüngsten Daten lägen die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich unter dem Stand von Ende April. Die Wachstumsdaten seien schwächer und die Arbeitsmarktdaten uneinheitlich. Die Zahlen vom Arbeitsmarkt und Umfragen unter Unternehmen würden darauf hindeuten, dass die Wirtschaft im Jahr 2024 ein trendmäßiges Wachstum in Höhe von rund 2 Prozent erreichen werde.
Die passende Beschreibung des Arbeitsmarktes laute derzeit: widerstandsfähig. Die Experten würden zwar nicht wissen, wie widerstandsfähig er genau sei. Der Stellenzuwachs liege aber immer noch im Bereich von monatlich 200.000 Positionen und das Wachstum der Haushaltseinkommen übersteige die Inflation. Es gebe für die US-Notenbank Federal Reserve (FED) daher kaum einen Grund zur Panik und baldigen Einleitung von Zinssenkungen. Darüber hinaus verzerre die starke Einwanderung in die USA in den vergangenen beiden Jahren die Daten. Es sei daher schwierig, Signal und Rauschen zu unterscheiden.
Der Konservativismus der FED, die Unklarheit über das Ausmaß der Lockerungszyklen - sowohl in den USA als auch anderswo - und die fortgesetzte Inversion der Renditekurven würden es unwahrscheinlich machen, dass sich Anleihen mit langen Laufzeiten in nächster Zeit deutlich erholen würden. Zehnjährige US-Treasuries scheinen in einer Spanne von 4,25 Prozent bis 4,70 Prozent zu verharren, wobei das obere Ende möglicherweise auch bei 4,50 Prozent liege.
Längerfristig hänge das Niveau der zehnjährigen Renditen in den USA und weltweit vom Ausmaß des Lockerungszyklus ab. Wenn die FED beispielsweise die Raten nur auf 4,50 Prozent senke, würden die zehnjährigen Renditen nur schwerlich unter 4,25 Prozent fallen. Wenn die Währungshüter die Zinsen jedoch auf 3,50 Prozent senken würden, könnten sie leicht unter 3,75 Prozent nachgeben. Denn Zinssenkungen in solcher Größenordnung würden höchstwahrscheinlich mit einer bedeutenden wirtschaftlichen Schwäche einhergehen.
Neben der geldpolitischen Unsicherheit hätten auch politische Geschehnisse die Aussichten für Anleihen eingetrübt. Es gelte, die weitere Entwicklung unter anderem in Frankreich, Mexiko und den USA zu beobachten. Die Experten seien daher vorsichtiger geworden und würden eine abwartende Haltung einnehmen.
An den Devisenmärkten würden die Aussichten für den US-Dollar ungewiss bleiben. Der Juni sei ein starker Monat für den Greenback gewesen. Das sei jedoch eher auf die zunehmenden Risiken in vielen Ländern der Welt zurückzuführen. Da sich die Weltwirtschaft im Vergleich zu den USA besser entwickele - wenn auch von einem niedrigen Niveau aus -, könnte die Zeit der starken wirtschaftlichen US-Outperformance zu Ende gehen. Es sei noch zu früh, um sicher zu sein. Die Voraussetzungen dafür, dass der US-Dollar seine weltweite Führungsrolle verliere, seien aber gegeben.
Das Problem sei nur: Wer werde diese übernehmen? Die Schwellenländer böten weiterhin erhebliche idiosynkratische Risiken (und Chancen), während die USA ihren Zinsvorteil gegenüber anderen entwickelten Volkswirtschaften beibehalten würden. Die Experten würden sich mit Währungsrisiken vorerst noch zurückhalten. (30.07.2024/alc/a/a)


