Anleihehandel durch Zurückhaltung geprägt


22.08.14 16:34
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zurückhaltung prägt das Bild im Anleihehandel, so die Deutsche Börse AG.

Händler würden die Urlaubszeit und die anstehende Notenbankkonferenz in Jackson Hole mitverantwortlich machen. Investoren hätten sich insbesondere vom Auftritt der Notenbankchefin Janet Yellen Aufschluss darüber erhofft, ob die Zinswende in den USA womöglich früher als geplant eingeläutet werde.

Somit würden Bonds bonitätsstarker Länder wie Deutschland im Anlegerfokus bleiben. "Auch Anleihen der Peripheriestaaten aus dem Euroraum behaupten sich gut", meine Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Mit einer Rendite von 3,2 Prozent hätten sich etwa portugiesische Staatsanleihen auf einem sehr stabilen Niveau gehalten.

Der Euro-Bund-Future, Indikator für langfristige Zinserwartungen, bewege sich knapp unterhalb des Höchststandes der vergangenen Woche und notiere am Freitagmittag bei 150,47 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege mit 0,984 weiterhin unter 1 Prozent.

Auf eine Deeskalation scheinen Anleger im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zu hoffen, so die Deutsche Börse AG. Das geplante Treffen von Putin und Poroschenko am kommenden Dienstag habe nach Beobachtung von Klaus Stopp von der Baader Bank für eine leichte Entspannung bei Bonds beider Länder gesorgt. Anleger hätten sich beispielsweise für eine bis April 2020 laufende russische Staatsanleihe (ISIN XS0504954347 / WKN A1AWTB) mit einem jährlichen Kupon von 5 Prozent interessiert. Der in US-Dollar geführte Wert habe sich seit Anfang August von 101,10 Prozent auf derzeit 104,14 Prozent erholt. Gefragt seien auch Langläufer wie eine US-Dollar-Anleihe (ISIN XS0088543193 / WKN 248505) mit Fälligkeit im Juni 2028. Die mit 12,75 Prozent Zinsen ausgestattete Anleihe sei auf 164,83 Prozent gestiegen.

Rege Nachfrage habe es laut Stopp auch nach einer ukrainischen Staatsanleihe (ISIN XS0232329879 / WKN A0GGXG) mit geplanter Rückzahlung im Oktober 2015 gegeben. Der auf Euro lautende Bond mit 4,95 Prozent Zinsen sei in dieser Woche auf rund 94,25 Prozent nach einem Stand von 89,25 Prozent am 8. August geklettert. Eine US-Dollar-Anleihe (ISIN XS0543783194 / WKN A1A1H7) aus Kiew mit Fälligkeit im September 2020 und einem Kupon von 7,75 Proeznt hätten sich Anleger ebenfalls ins Depot gelegt und so für einen Anstieg von 90,33 Prozent auf 94 Prozent seit Monatsbeginn gesorgt.

Der Streit mit den US-Hedgefonds NML Capital und Aurelius über Forderungen in Höhe von 1,65 Milliarden US-Dollar aus argentinischen Altanleihen gehe laut Hellwig in die nächste Runde. Staatspräsidentin Kirchner möchte Gläubiger der Umschuldung von 2005 bis 2010 über Treuhandkonten in Argentinien bedienen, wie der Händler berichte. So könne die richterlich angeordnete Blockierung der Auszahlungen in New York umgangen werden. "Der bisherige Treuhänder würde durch die Zentralbank Argentiniens ersetzt." Zudem stehe ein Tausch in Anleihen nach lokalem Recht im Raum. "Ein Zeitrahmen zur Umsetzung enthält die Regierungsvorlage allerdings nicht", bemerke Hellwig.

"Argentinien steckt also weiterhin in der Zwickmühle", meine Stopp. Sollte die argentinische Regierung den Forderungen der Hedgefonds nachkommen, könne der milliardenschwere Schuldenschnitt rückwirkend platzen. Besitzer argentinischer Euro-Bonds hätten nun ihrerseits gegen das US-Gerichtsurteil geklagt. Diese Anleihen seien nach britischem Recht begeben und würden somit nicht dem US-amerikanischen Richterspruch unterliegen.

Anleger würden auf die neuesten Entwicklungen mit weiteren Verkäufen reagieren. Stopp spreche vom Abgabedruck bei argentinischen Altanleihen (ISIN DE0002466208 / WKN 246620, ISIN XS0084071421 / WKN 197356, ISIN DE0001340909 / WKN 134090, ISIN DE0001300200 / WKN 130020), die seit Ende Juli von rund 80 Prozent auf ein Niveau um 70 Prozent gesunken seien.

Deutlich Federn lassen müssen habe eine im November 2016 fällig werdende Nachranganleihe (ISIN XS0275528627 / WKN A0G178) der teilstaatlichen Österreichischen Volksbank. Innerhalb der vergangenen zwei Wochen sei der Wert von 78 Prozent auf 50 Prozent abgesackt. Die Ratingagentur Moody's habe Anfang dieses Monats die Bonität des Unternehmens um zwei Stufen von Ba1 auf Ba3 mit negativem Ausblick herabgesetzt. Dennoch verstehe Brunner die Aufregung nicht so ganz. Es gebe zwar Gerüchte über zusätzlichen Kapitalbedarf, für den die österreichische Regierung eventuell nicht gerade stehen werde. "Wenn Nachranganleihen vom Unternehmen nicht bedient werden, muss Insolvenz angemeldet werden." Das scheine dem Händler zu diesem Zeitpunkt eher unwahrscheinlich.

In der Offenlegung seiner Bücher sehe Gregor Daniel das erhöhte Interesse an einer Anleihe (ISIN DE000A0G4X39 / WKN A0G4X3) von Wienerberger mit jährlichen Zinsen von 6,5 Prozent und einer unbestimmten Laufzeit. Das Unternehmen sei im ersten Halbjahr kräftig gewachsen und habe den Abbau von Schulden vorangetrieben. "Das hat den Kurs leicht gesteigert", vermute der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

Im Handel mit Unternehmensanleihen erkenne Brunner eine Vorliebe für Qualität. Zu den meist gefragten Unternehmenswerten gehöre eine Hybridanleihe (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von Volkswagen mit einem Kupon von 4,625 Prozent. Auf Wochensicht habe der Bond um 1 Prozent auf 106,65 zugelegt.

Auf den Umsatzlisten ganz oben stünden bei Hellwig Nachranganleihen (ISIN DE000A1ALVC5 / WKN A1ALVC, ISIN DE000A0TU305 / WKN A0TU30 und ISIN DE000A0DTY34 / WKN A0DTY3) der Deutschen Bank. "Ein klarer Trend war nicht festzustellen, Käufer und Verkäufer hielten sich in etwa die Waage." (22.08.2014/alc/a/a)





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