Erweiterte Funktionen
Anleger verlieren Interesse an Einkommen generierenden Werten
14.06.13 14:24
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Gewinnmitnahmen haben die Kurse ins Minus gedrückt, so die Experten von ING Investment Management.
Grund seien nicht so sehr globale Wachstumssorgen, sondern vor allem die wachsende Unsicherheit über die weitere Geldpolitik. Bemerkenswert sei dabei, dass zyklische Wachstumstitel defensive Werte, die Einkommen abwerfen würden, in jüngster Zeit übertroffen hätten. Sei das ein neuer Trend?
Die letzte Woche habe im Zeichen der Gewinnmitnahmen gestanden. Dabei hätten sich die verschiedenen Segmente der Finanzmärkte in den vergangenen Wochen in ganz unterschiedliche Richtungen entwickelt. So sei es am japanischen Aktienmarkt zu einem massiven Kurseinbruch gekommen - nach der kräftigen Rally um 75% seit letztem November nicht weiter überraschend. Die Kurse an den Aktienmärkten anderer Industrieländer seien ebenfalls gefallen, wenn auch weniger abrupt. Die Zinsen auf "sichere" Staatsanleihen seien dagegen deutlich gestiegen, während die Credit-Spreads sich etwas verengt hätten. EM-Währungen hätten nachgegeben.
Was sei der Grund für diese Entwicklung? Zunächst einmal kämen inzwischen Zweifel am geldpolitischen Experiment Japans auf. Auch die Zukunft der EM-Wachstumsmodelle stehe infrage. Und schließlich würden die Folgen, die ein Ende der QE - vor allem in den USA - haben könnte, für Unruhe sorgen. Ein allgemeiner Rückgang des Risikoappetits, ausgelöst durch globale Wachstumssorgen, sei hingegen wohl kaum der Grund. Wäre das der Fall, so hätte man nicht nur Gewinnmitnahmen, sondern allgemein niedrigere Kurse, höhere Credit-Spreads und niedrigere Zinsen auf "sichere" Staatsanleihen erlebt.
Der Trendwechsel sei nach unserem Dafürhalten vielmehr von der unterschiedlichen makroökonomischen Performance in den verschiedenen Regionen ausgelöst worden. Die teils unklare Kommunikation der Zentralbanken, was die künftige Geldpolitik betreffe, habe dem Risikoappetit zudem einen leichten Dämpfer versetzt. Bei den gemischten Signalen dürfte es sich indes um eine vorübergehende Erscheinung handeln, vor allem, wenn deutlich werde, dass das globale Wachstum weiterhin von einer akkommodierenden Geldpolitik gestützt werde.
Es bestehe Konsens, dass wir uns derzeit in einer Konsolidierungsphase befinden würden, der in der zweiten Jahreshälfte ein beschleunigtes Wachstum folgen solle. In der entwickelten Welt würden sich die Konjunkturdaten mittlerweile erholen. Hier sei vor allem Japan - das Land mit den besten Economic-Surprise-Daten - zu nennen. Auch in den USA gehe es seit Mai wieder aufwärts - trotz des enttäuschenden Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe - und ebenso in der Eurozone (PMI sowie deutsche und französische Geschäftsklimaindices). Die Schwellenländer, allen voran China, würden dagegen enttäuschen.
Wie erwähnt sei ein deutlicher Umschwung der Anlegerpräferenz zu beobachten, die sich allmählich von Assets, die Einkünfte abwerfen würden, zu wachstumsorientierten Werten verlagere. Dieser Trend habe anscheinend Ende April eingesetzt und auch bei der jüngsten Marktkorrektur angehalten. Im Gegensatz zu den ersten vier Monaten des Jahres hätten die zyklischen Sektoren des Aktienmarktes im Mai besser als defensive abgeschnitten.
Neben defensiven Aktiensektoren seien auch andere vormals populäre Renditetitel, wie Immobilienaktien und Anleihen, in letzter Zeit erheblich unter Druck geraten.
Nach Jahren der nachhaltigen Leistung an den FI-Märkten erstaune der Druck auf Rententitel. Seit zu Anfang dieses Jahrhunderts die IT-Blase geplatzt sei, habe eine massive Verlagerung von Liquidität hin zu Festverzinslichen stattgefunden. Durch die Kombination aus diversen Finanzkrisen und Skandalen sowie aufsichtsrechtlichen Veränderungen hätten sich institutionelle Vermögensverwalter gezwungen gesehen, während der vergangenen 15 Jahre von Aktien zu Anleihen umzuschichten. Einige Marktbeobachter würden meinen, dass momentan noch rund 30 Bio. USD in festverzinslichen Werten mit einer Rendite von weniger als einem Prozent angelegt seien. Für die betreffenden Investoren bedeute das eine negative Realverzinsung.
Es habe daher den Anschein, als sei das Pendel in Richtung Bonds zu weit geschwungen. Die Portfolioflussdaten für 2013 würden darauf hindeuten, dass dieser Umschichtungsprozess noch in den Anfängen stecke. Bislang seien vor allem die hohen Liquiditätsberge allmählich in Aktien investiert worden - die Mehrzahl der institutionellen Investoren werde vorerst bei ihrer Präferenz für Anleihen.
In gewisser Weise erlebe man jetzt das Gegenteil der Situation Ende der 1990er Jahre, als die Euphorie am Aktienmarkt und die Hoffnungen der New Economy bei Vermögensverwaltern rund um den Globus zu immensen Aktienbeständen geführt hätten. Jetzt schlage das Pendel in die andere Richtung - ein Ausgleich dieser Extreme werde wohl erst über die nächsten beiden Jahre stattfinden. Die Aktienrenditen würden die Anleiheerträge zunehmend übertreffen, während weltweite Reflation und höhere Zinsen mehr Spielraum für höhere Aktienallokationen bei Pensionsfonds und Versicherungen schaffen würden.
Insofern würden die Experten meinen, dass der jüngste Umschwung der Marktdynamik hin zu stärker wachstumsorientierten Assets genau beobachtet werden sollte. Ihre Gewichtung der zyklischen Aktiensektoren hätten sie bereits erhöht; bei Credits seien sie von "neutral" zu einer geringen Untergewichtung übergegangen. (14.06.2013/alc/a/a)
Grund seien nicht so sehr globale Wachstumssorgen, sondern vor allem die wachsende Unsicherheit über die weitere Geldpolitik. Bemerkenswert sei dabei, dass zyklische Wachstumstitel defensive Werte, die Einkommen abwerfen würden, in jüngster Zeit übertroffen hätten. Sei das ein neuer Trend?
Die letzte Woche habe im Zeichen der Gewinnmitnahmen gestanden. Dabei hätten sich die verschiedenen Segmente der Finanzmärkte in den vergangenen Wochen in ganz unterschiedliche Richtungen entwickelt. So sei es am japanischen Aktienmarkt zu einem massiven Kurseinbruch gekommen - nach der kräftigen Rally um 75% seit letztem November nicht weiter überraschend. Die Kurse an den Aktienmärkten anderer Industrieländer seien ebenfalls gefallen, wenn auch weniger abrupt. Die Zinsen auf "sichere" Staatsanleihen seien dagegen deutlich gestiegen, während die Credit-Spreads sich etwas verengt hätten. EM-Währungen hätten nachgegeben.
Was sei der Grund für diese Entwicklung? Zunächst einmal kämen inzwischen Zweifel am geldpolitischen Experiment Japans auf. Auch die Zukunft der EM-Wachstumsmodelle stehe infrage. Und schließlich würden die Folgen, die ein Ende der QE - vor allem in den USA - haben könnte, für Unruhe sorgen. Ein allgemeiner Rückgang des Risikoappetits, ausgelöst durch globale Wachstumssorgen, sei hingegen wohl kaum der Grund. Wäre das der Fall, so hätte man nicht nur Gewinnmitnahmen, sondern allgemein niedrigere Kurse, höhere Credit-Spreads und niedrigere Zinsen auf "sichere" Staatsanleihen erlebt.
Der Trendwechsel sei nach unserem Dafürhalten vielmehr von der unterschiedlichen makroökonomischen Performance in den verschiedenen Regionen ausgelöst worden. Die teils unklare Kommunikation der Zentralbanken, was die künftige Geldpolitik betreffe, habe dem Risikoappetit zudem einen leichten Dämpfer versetzt. Bei den gemischten Signalen dürfte es sich indes um eine vorübergehende Erscheinung handeln, vor allem, wenn deutlich werde, dass das globale Wachstum weiterhin von einer akkommodierenden Geldpolitik gestützt werde.
Wie erwähnt sei ein deutlicher Umschwung der Anlegerpräferenz zu beobachten, die sich allmählich von Assets, die Einkünfte abwerfen würden, zu wachstumsorientierten Werten verlagere. Dieser Trend habe anscheinend Ende April eingesetzt und auch bei der jüngsten Marktkorrektur angehalten. Im Gegensatz zu den ersten vier Monaten des Jahres hätten die zyklischen Sektoren des Aktienmarktes im Mai besser als defensive abgeschnitten.
Neben defensiven Aktiensektoren seien auch andere vormals populäre Renditetitel, wie Immobilienaktien und Anleihen, in letzter Zeit erheblich unter Druck geraten.
Nach Jahren der nachhaltigen Leistung an den FI-Märkten erstaune der Druck auf Rententitel. Seit zu Anfang dieses Jahrhunderts die IT-Blase geplatzt sei, habe eine massive Verlagerung von Liquidität hin zu Festverzinslichen stattgefunden. Durch die Kombination aus diversen Finanzkrisen und Skandalen sowie aufsichtsrechtlichen Veränderungen hätten sich institutionelle Vermögensverwalter gezwungen gesehen, während der vergangenen 15 Jahre von Aktien zu Anleihen umzuschichten. Einige Marktbeobachter würden meinen, dass momentan noch rund 30 Bio. USD in festverzinslichen Werten mit einer Rendite von weniger als einem Prozent angelegt seien. Für die betreffenden Investoren bedeute das eine negative Realverzinsung.
Es habe daher den Anschein, als sei das Pendel in Richtung Bonds zu weit geschwungen. Die Portfolioflussdaten für 2013 würden darauf hindeuten, dass dieser Umschichtungsprozess noch in den Anfängen stecke. Bislang seien vor allem die hohen Liquiditätsberge allmählich in Aktien investiert worden - die Mehrzahl der institutionellen Investoren werde vorerst bei ihrer Präferenz für Anleihen.
In gewisser Weise erlebe man jetzt das Gegenteil der Situation Ende der 1990er Jahre, als die Euphorie am Aktienmarkt und die Hoffnungen der New Economy bei Vermögensverwaltern rund um den Globus zu immensen Aktienbeständen geführt hätten. Jetzt schlage das Pendel in die andere Richtung - ein Ausgleich dieser Extreme werde wohl erst über die nächsten beiden Jahre stattfinden. Die Aktienrenditen würden die Anleiheerträge zunehmend übertreffen, während weltweite Reflation und höhere Zinsen mehr Spielraum für höhere Aktienallokationen bei Pensionsfonds und Versicherungen schaffen würden.
Insofern würden die Experten meinen, dass der jüngste Umschwung der Marktdynamik hin zu stärker wachstumsorientierten Assets genau beobachtet werden sollte. Ihre Gewichtung der zyklischen Aktiensektoren hätten sie bereits erhöht; bei Credits seien sie von "neutral" zu einer geringen Untergewichtung übergegangen. (14.06.2013/alc/a/a)


