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Anlageausblick 2015: Bei Anleihen über den Mainstream hinaus denken


11.12.14 16:03
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Der rund 30-jährige Bullenmarkt für Anleihen neigt sich dem Ende zu, so die Experten von GAM.

Die Fondsmanager von GAM und Swiss & Global Asset Management würden alternative festverzinsliche Strategien aufzeigen, die das Potenzial hätten, im neuen Jahr auch in einem Umfeld steigender Zinsen reale Erträge zu erbringen:

Mortgage Backed Securities (MBS): "Einige Anleger misstrauen der Anlageklasse MBS noch immer. Das ist ein Fehler: Der MBS-Markt ist heute ein anderer. Instrumente auf Basis von MBS bieten eine hervorragende Chance, den enttäuschenden Renditen bei traditionellen Anleihen zu begegnen. Der entsprechende Markt in den USA ist riesig: Mit 7 Billionen US-Dollar macht er 30 Prozent des US-Anleihenmarktes und 15 Prozent des globalen Anleihenmarktes aus und liegt damit an zweiter Stelle hinter US-Treasuries. Dank verbesserter Kreditvergabestandards und eines neuen Rating-Ansatzes ist er heute wesentlich robuster und weist ein wesentlich geringeres systemisches Risiko auf. Das derzeit geringe Angebot und die wachsende Nachfrage nach Non-Agency-MBS-Anleihen ermöglichen attraktive Kapitalgewinne. Wir rechnen mit einer kräftigen Erholung des Non-Agency-Markts, wenn die Anleger zurückkehren", so Tom Mansley, Fondsmanager des GAM Star MBS Fund.

Katastrophenanleihen (Cat Bonds): "Für 2015 rechnen wir mit einer Zunahme der Emission von Katastrophenanleihen um 25 Prozent. Der Markt für Katastrophenversicherungen wandelt sich derzeit von einem begrenzten, selbsttragenden Modell zu einem über die Kapitalmärkte finanzierten Modell. Nicht zuletzt aufgrund der unberechenbaren Klimaentwicklung führen die rasant zunehmenden Katastrophenrisiken zu erheblichen Lücken bei der Versicherungsdeckung gegenüber dem wirtschaftlichen Value-at-Risk (so genannte "Katastrophenlücken"). Weltweit belaufen sich diese "Katastrophenlücken" mittlerweile auf 300 bis 500 Milliarden US-Dollar.

Zusammen mit den zunehmend strikteren Kapitaladäquanzvorschriften für Versicherungsgesellschaften (wie die demnächst in Kraft tretende Solvency-II-Richtlinie) veranlasst dies die Versicherer, auf externe Kapitalquellen zurückzugreifen. Dies kann ihnen dabei helfen, die Last der rasant wachsenden Katastrophenverluste zu tragen. Katastrophenanleihen und andere versicherungsgebundene Wertpapiere decken derzeit nur knapp 10 bis 12 Prozent des Kapitalbedarfs. Dieses erhebliche Defizit treibt das beeindruckende Wachstum der Anlageklasse an", sage John Seo, Fondsmanager des GAM Star Cat Bond Fund.

Asset Backed Securities (ABS): "Die Aufnahme des Asset-Backed-Securities-(ABS)-Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) hat infolge der Erhöhung der Marktliquidität und der wachsenden Anlegernachfrage bereits zu einer Verengung der ABS-Spreads geführt. Wenn sich die Liquidität und die Spreads weiter verbessern, dürfte sich dies am deutlichsten in den risikoreicheren Sektoren und europäischen Peripherieländern bemerkbar machen.

Obwohl europäische ABS zunehmend attraktiver werden, ist eine Änderung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften nötig, um den bestehenden ungleichen Marktbedingungen zu begegnen und eine langfristige Wiederbelebung des Marktes sicherzustellen. ABS bieten attraktive Risikoprämien und Bewertungen im Vergleich zu Covered Bonds und Unternehmensanleihen. Ältere Tranchen aus der Zeit vor der Finanzkrise bieten qualitativ hochwertige Wertpapiere mit begrenztem Kreditrisiko, die häufig unter dem Nennwert notieren.

In den europäischen Peripherieländern richtet sich unser Fokus auf vorrangige Tranchen, da Mezzanine-Papiere unter einem Mangel an Liquidität leiden. CLOs (Collateralized Loan Obligations) bieten ebenfalls einen soliden Aufschlag gegenüber einigen anderen Sektoren", erläutere Laurence Kubli und Matthias Wildhaber, Fondsmanager des Julius Bär ABS Fund.

Wandelanleihen: "80 Prozent der weltweit verfügbaren Anleihen weisen Renditen unter 2 Prozent auf. Damit können Anleiheanleger mit traditionellen Buy-and-Hold-Strategien langfristig nur magere Erträge erzielen. Zusammen mit gewissen lokalen Märkten für Emerging Bonds sind Wandelanleihen nach wie vor eine unserer bevorzugten Sektoren für festverzinsliche Anleihen. Im Gegensatz zu traditionellen festverzinslichen Anlagen verfügen Wandelanleihen über unbegrenztes Aufwärtspotenzial und haben sich während früherer Zinserhöhungszyklen erheblich besser entwickelt als Hochzinsanleihen.

Während die Anleihenpreise in vielen Schuldenmärkten wenig Luft nach oben bieten, können sich Aktienmärkte im 2015 weiterhin positiv entwickeln - trotz des unbesonnenen Ausmaßes an Optimismus unter Investoren, das zunehmend zu Marktschwankungen führen könnte. Eine solche erhöhte Volatilität würde von unseren - auf Wandelanleihen basierenden - Protektionsstrategien aufgefangen und so den Kapitalerhalt unterstützen", meine Tim Haywood, Fondsmanager des Julius Bär Absolute Return Bond Fund.

Nachrangige Bankanleihen (Junior Bank Debt): "Die Bedeutung der Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) als Aufsichtsbehörde für den europäischen Bankensektor sollte nicht unterschätzt werden. Mit Zuckerbrot und Peitsche sorgt sie für die Verbesserung der Kreditwürdigkeit von Bankanleihen, reduziert das systemische Risiko und hat damit einen positiven Einfluss auf die Kurse von nachrangigen Bankanleihen.

Am 1. Januar 2014 wurde das Regelwerk von Basel III eingeführt, dessen neue Bestimmungen von 2014 bis 2019 schrittweise in Kraft treten. Damit werden die Banken gezwungen, ihr Eigenkapital nach und nach durch weitere Pufferschichten zu stärken, um künftigen Krisen und Abschwüngen standzuhalten. Wenn die Banken sicherer werden, werden ihre nachrangigen Schulden ebenfalls sicherer. Dies kommt nachrangigen Anleihen zugute und dürfte einen weiteren Anstieg der Kapitalgewinne unterstützen", kommentiere Anthony Smouha, Fondsmanager des GAM Star Credit Opportunities.

Schwellenländeranleihen: "Differenzierung ist für Anleiheinvestoren enorm wichtig. Beim Thema Emerging Markets richtete sich der Fokus bisher hauptsächlich auf die BRIC-Länder. Schwellenländer sind jedoch eine große heterogene Gruppe von über 60 Ländern mit unterschiedlichen Märkten und nicht synchron laufenden Konjunkturzyklen, aus denen Anleger die besten Chancen herauspicken können. Beispielsweise findet derzeit in Zentraleuropa eine positive Neugewichtung statt. Viele Länder der Region haben sich bereits angepasst und ihre Schulden verringert - und wachsen jetzt schneller als andere Regionen. Attraktive Chancen sehen wir auch in einigen kleineren Pioniermärkten, die von den Anlegern derzeit zu wenig beachtet werden - etwa in Sri Lanka oder der Dominikanische Republik.

Ein potenziell starker US-Dollar könnte Schwellenländerwährungen zwar insgesamt belasten. Bei reformbereiten Ländern wie Polen, Mexiko und Indien sind jedoch durchaus Chancen zu finden. Bei Anleihen in Lokalwährung sehen wir attraktive Chancen für Länder, deren Zentralbanken bereits gehandelt haben und deren Bewertungen bereits angepasste Renditen bieten, wie etwa in Kolumbien", berichte Enzo Puntillo, Fondsmanager des Julius Bär Emerging Markets Opportunities Bond Fund. (11.12.2014/alc/a/a)