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Allmächtige Zentralbanken?
26.03.19 11:30
La Financière de l´Echiquier
Paris (www.anleihencheck.de) - Auch wenn sich der starke Anstieg der Märkte zu Jahresbeginn in Teilen durch eine Korrektur der Exzesse im letzten Quartal 2018 erklären lässt, wirkte der Schwenk der wichtigsten Zentralbanken auf einen moderateren Kurs eindeutig wie ein Beschleuniger, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Fondsmanager La Financière de LEchiquier.
Die alte Weisheit "Dont fight the FED" scheine sich somit erneut zu bewahrheiten. Zumal die US-Notenbank FED im Laufe der Woche einen noch "taubenhafteren" Ton angeschlagen habe.
FED-Präsident Jerome Powell habe zunächst darauf verwiesen, dass die Mitglieder der FED von der aktuellen deutlichen Verschlechterung der Konjunkturindikatoren überrascht worden seien, obwohl die Zentralbank ihre Wachstumsprognosen für 2019 und 2020 bereits nach unten korrigiert have (von 2,3% auf 2,1% bzw. von 2,0% auf 1,9%). Er habe zudem erklärt, mehrere Risiken wahrzunehmen, die die US-Wirtschaft noch weiter schwächen könnten, allen voran die Handelskonflikte und die weltweite Konjunkturverlangsamung. Eine Zurückhaltung, die einhergehend mit einer erwarteten Verlangsamung der Inflation die Abwärtskorrektur der prognostizierten Schritte bei den Leitzinsen 2019 rechtfertige. Eine klare Mehrheit der Mitglieder des FOMC (11 von 17) erwarte demnach für dieses Jahr keine Zinsanhebung mehr. Zwar rechne bei der FED niemand mit einer Senkung der Leitzinsen, doch sei dies ein bedeutender Kurswechsel, denn auf der Dezember-Sitzung hätten sich lediglich zwei Mitglieder im Sinne dieses Status quo geäußert. Zudem habe Powell darauf hingewiesen, dass das Programm für den Abbau der FED-Bilanz Ende September nach einer schrittweisen Verringerung gestoppt werde.
Eine FED, die ihre geldpolitische Normalisierung zumindest vorübergehend beende, eine Europäische Zentralbank, die ihre Normalisierung frühestens 2020 beginnen möchte, eine japanische und eine chinesische Zentralbank, die auf diesen sehr akkommodierenden Ton eingestimmt seien... Sei das ein Glücksfall für die Märkte? Betrachte man die unmittelbare Reaktion, hätten die vergangenen Monate dies zweifelsohne bewiesen. Auf längere Sicht sei die Lage weniger klar. Trotz dieser neuen moderateren Äußerungen der FED hätten die Aktienmärkte die Woche deutlich im Minus geschlossen. Hierfür gebe es im Wesentlichen zwei Gründe: Der eine Grund seien die Politik und die Geopolitik, denn beim Brexit und nach den jüngsten Äußerungen Donald Trumps zu den Handelskonflikten sei die weitere Entwicklung kaum absehbar. Der US-Präsident habe den Ton gegenüber Peking verschärft und erklärt, dass die Zölle auf chinesische Produkte "für einen längeren Zeitraum belassen" würden. Er habe bekräftigt, sicherstellen zu wollen, "dass China den Deal einhält", sollte es dazu kommen.
Der andere Grund - und schließlich auch der bedeutendere - sei die Gesamtwirtschaft. Der vergangene Freitag sei unter diesem Gesichtspunkt ein furchtbarer Tag gewesen. Sämtliche vorläufigen Einkaufsmanagerindices für März seien in den USA, in Japan und auch in der Eurozone eine herbe Enttäuschung gewesen. In Europa seien sie sogar sehr schlecht ausgefallen, und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland sei auf 44,7 abgestürzt, ein Wert in Rufweite seines Tiefststandes von 2012. Dieser neuerliche Rückfall sei beunruhigend, habe man sich wenn nicht eine deutliche Verbesserung, so doch zumindest eine Stabilisierung erhofft. Zwar sei diese Verlangsamung der Hauptgrund für den "taubenhaften" Schwenk der Zentralbanken, die noch zahlreiche Instrumente besitzen würden, um auf die Wirtschaft einzuwirken. Doch im aktuellen geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Umfeld erscheine die Vorstellung, dass die geldpolitische Lockerung zur Verhinderung dieses großen Schocks ausreiche, viel zu optimistisch. (26.03.2019/alc/a/a)
Die alte Weisheit "Dont fight the FED" scheine sich somit erneut zu bewahrheiten. Zumal die US-Notenbank FED im Laufe der Woche einen noch "taubenhafteren" Ton angeschlagen habe.
Eine FED, die ihre geldpolitische Normalisierung zumindest vorübergehend beende, eine Europäische Zentralbank, die ihre Normalisierung frühestens 2020 beginnen möchte, eine japanische und eine chinesische Zentralbank, die auf diesen sehr akkommodierenden Ton eingestimmt seien... Sei das ein Glücksfall für die Märkte? Betrachte man die unmittelbare Reaktion, hätten die vergangenen Monate dies zweifelsohne bewiesen. Auf längere Sicht sei die Lage weniger klar. Trotz dieser neuen moderateren Äußerungen der FED hätten die Aktienmärkte die Woche deutlich im Minus geschlossen. Hierfür gebe es im Wesentlichen zwei Gründe: Der eine Grund seien die Politik und die Geopolitik, denn beim Brexit und nach den jüngsten Äußerungen Donald Trumps zu den Handelskonflikten sei die weitere Entwicklung kaum absehbar. Der US-Präsident habe den Ton gegenüber Peking verschärft und erklärt, dass die Zölle auf chinesische Produkte "für einen längeren Zeitraum belassen" würden. Er habe bekräftigt, sicherstellen zu wollen, "dass China den Deal einhält", sollte es dazu kommen.
Der andere Grund - und schließlich auch der bedeutendere - sei die Gesamtwirtschaft. Der vergangene Freitag sei unter diesem Gesichtspunkt ein furchtbarer Tag gewesen. Sämtliche vorläufigen Einkaufsmanagerindices für März seien in den USA, in Japan und auch in der Eurozone eine herbe Enttäuschung gewesen. In Europa seien sie sogar sehr schlecht ausgefallen, und der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland sei auf 44,7 abgestürzt, ein Wert in Rufweite seines Tiefststandes von 2012. Dieser neuerliche Rückfall sei beunruhigend, habe man sich wenn nicht eine deutliche Verbesserung, so doch zumindest eine Stabilisierung erhofft. Zwar sei diese Verlangsamung der Hauptgrund für den "taubenhaften" Schwenk der Zentralbanken, die noch zahlreiche Instrumente besitzen würden, um auf die Wirtschaft einzuwirken. Doch im aktuellen geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Umfeld erscheine die Vorstellung, dass die geldpolitische Lockerung zur Verhinderung dieses großen Schocks ausreiche, viel zu optimistisch. (26.03.2019/alc/a/a)


