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Alles nach FED-Plan? Warum die US-Notenbank bereit für die Zinswende ist


02.09.24 13:37
Fidelity International

Kronberg im Taunus (www.anleihencheck.de) - Schwächere Arbeitsmarktdaten schürten in den USA zuletzt neue Rezessionsängste, so Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International.

Der US-Notenbank käme eine wirtschaftliche Abkühlung nicht ungelegen. Schließlich würde das einen anstehenden Zinsentscheid deutlich erleichtern.

Der US-Arbeitsmarkt kühle sich offensichtlich ab. Darauf würden zumindest Zahlen des Arbeitsmarktberichts für Juli hindeuten, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Im Laufe des Monats seien lediglich 114.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen worden. Das seien 61.000 weniger als erwartet gewesen. Die Arbeitslosenquote sei überraschend angestiegen: Während Ökonomen und Ökonominnen davon ausgegangen seien, dass sie auf dem Vormonatsniveau von 4,1 Prozent bleiben würde, sei sie auf 4,3 Prozent geklettert.

An den Aktienmärkten habe sich nach diesen Zahlen weltweit Nervosität breit gemacht. Der US-amerikanische Leitaktienindex S&P 500 habe am 5. August 2024 mit einem Minus von drei Prozent den höchsten Tagesverlust seit 2022 verzeichnet. Bereits einen Tag später habe jedoch eine Erholungsrally eingesetzt. Die erhöhte Volatilität offenbare: Mit der wankenden US-Konjunktur wachse die Angst vor einer Rezession.

Zumindest für die US-Notenbank FED habe die Abkühlung auch ihr Gutes. Denn damit habe sich auch die Inflationslage in den USA verändert. Nach dem vierten Rückgang in Folge liege die Teuerungsrate nun bei 2,9 Prozent - dem niedrigsten Wert seit März 2021. Der Zielwert der Federal Reserve rücke näher, was die Entscheidung, die Geldpolitik zu lockern, wahrscheinlicher mache. Dafür würden nicht nur die Inflationsdaten sprechen, sondern auch der Zustand des US-Arbeitsmarkts. Der Boden für eine Wende sei also bereitet.

Im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank habe die Federal Reserve ein Doppelmandat. Einerseits gelte es, Preissteigerungen stabil zu halten. Andererseits strebe sie Vollbeschäftigung an. Die Herausforderung bestehe darin, eine Balance zu finden, damit sich diese Ziele nicht gegenseitig gefährden würden. Bisher habe sich die FED auf die Eindämmung der Inflation konzentriert, indem sie die Zinsen im Rekordtempo angehoben habe. Dies hätte die US-Wirtschaft unter normalen Umständen längst in eine Rezession führen können, doch beobachte man eher eine kontrollierte Verlangsamung des Wachstums und eine allmähliche Abkühlung des heiß gelaufenen Arbeitsmarkts. Gleichzeitig würden die Inflationsraten schrittweise zurückgehen.

Damit sei der Plan der FED aus heutiger Sicht aufgegangen. Sie könne sich nun auf den zweiten Teil ihres Mandats konzentrieren und die Konjunktur durch Zinssenkungen stabilisieren. Der erste Zinsschritt könnte allerdings geringer ausfallen als von vielen erwartet, da zum einen die Kerninflationsrate noch nicht im gewünschten Bereich liege, und zum anderen die jüngsten Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe positiver als erwartet ausgefallen seien. Aus diesem komplexen Mix von teils gegenläufigen teils saisonal verzerrten Daten müssten die Zentralbanken ihre Schlüsse ziehen. Am 18. September 2024 würden die Währungshüter unter FED-Chef Jerome Powell wieder tagen, um ihre künftige Geldpolitik festzulegen. Keine leichte Aufgabe.

Die heftige Kursreaktion auf US-Arbeitsmarktdaten zeige: Die Angst vor einer Rezession sei groß. Allerdings sollte niemand die Anzeichen für eine schwächere US-Konjunktur überbewerten, da sie auch das erwünschte und absehbare Ergebnis der gestrafften Geldpolitik seien. Solange die Inflation kontinuierlich zurückgehe, sei die FED bei aktueller Datenlage gut positioniert, um den nächsten Zinssenkungszyklus einzuleiten. (02.09.2024/alc/a/a)