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Alle Augen auf die EZB: Kommt heute die erwartete Zinssenkung?


17.10.24 09:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Der Verband der Familienunternehmer schlägt angesichts der wirtschaftlichen Lage in Deutschland Alarm, berichten die Analysten der NORD/LB.

"Die Situation ist extrem ernst", habe Verbandspräsidentin Ostermann gesagt. Eine aktuelle Umfrage des Verbandes habe ergeben, dass die aktuelle Geschäfts- und Auftragslage der Familienunternehmen noch nie so schlecht gewesen sei wie derzeit. Ostermann habe zwei Moratorien gefordert, um die Lage für die Unternehmen in Deutschland zu verbessern. Zum einen dürfe es keine weitere Bürokratie mehr geben, vor allem auch seitens der EU. Zum zweiten habe sie ein Moratorium bei den Sozialversicherungsabgaben angemahnt.

Die Bedeutung der USA für Deutschlands Exportwirtschaft sei aktuell so groß wie nie in den letzten 20 Jahren. 2023 seien Güter im Wert von 157,9 Mrd. EUR aus Deutschland in die USA exportiert worden, das seien wertmäßig 9,9% der deutschen Exporte gewesen. Die USA seien damit das neunte Jahr in Folge der wichtigste Abnehmer deutscher Exporte gewesen. Im 1. Halbjahr 2024 habe sich die Serie fortgesetzt.

Tagesausblick: Heute komme der EZB-Rat zusammen. Schon fast überdeutlich hätten einige EZB-Offizielle diese Sitzung als nächsten Zinssenkungstermin in Aussicht gestellt. Dies geschehe in Reaktion auf den überraschend starken Inflationsrückgang im September und eine Reihe schwacher Konjunkturindikatoren im Euroraum. Eine heutige Senkung um 25 Bp würde die EZB zudem davor bewahren, nicht zu weit hinter die Kurve zu geraten und überdies unangenehmen Diskussionen über die Dimensionierung eines größeren Zinsschrittes im Dezember vorzubeugen.

Auch marktseitig seien neben der heutigen Zinssenkung bereits drei weitere in Sequenz eingepreist. Insofern sei auf der heutigen Pressekonferenz besonders auf eher falkenhafte Töne beispielsweise in der Guidance zu achten. Das Enttäuschungspotenzial sei angesichts dieser Zinssenkungserwartungen dennoch nicht von der Hand zu weisen, denn allein das Auslaufen günstiger Basiseffekte dürfte die Inflationsrate in den kommenden Monaten zunächst einmal wieder nach oben schieben. Auch bei den geopolitischen Krisenherden stünden die Zeichen nicht auf Abkühlung - das gelte auch für Aufwärtsrisiken bei den Energiepreisen.

Die Kurse deutscher Staatsanleihen seien zur Wochenmitte erneut gestiegen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei auf 2,20% gefallen. Die Anleihekurse hätten am Tag zuvor von einem deutlichen Rückgang der Ölpreise profitiert. Inflationserwartungen seien so gedämpft worden. (17.10.2024/alc/a/a)