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Aktien rauf, Anleihen runter - Wie passt das zusammen?


22.11.19 10:00
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Experten vom Online-Broker LYNX kommentieren die aktuelle Lage der Weltwirtschaft.

"Die FED kann mit ihrer Zinspolitik zwar durchaus Anreize setzen und die Märkte stimulieren, aber überschätzen sollte man die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen deswegen nicht. Zuletzt hat die Wirtschaft 2015 bis 2016 geschwächelt, konnte sich dann aber erholen. Damals gab es aber auch noch keinen Handelskrieg mit China und die damit verbundene Unsicherheiten in vielen Branchen."

Die Aktienmärkte weltweit hätten in den vergangenen zwölf Monaten gut bis sehr gut performt. So sei beispielsweise der S&P 500 in den USA seit dem Tief zu Weihnachten 2018 um ganze 30 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum sei die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen hingegen um ganze 100 Basispunkte gefallen. "Das passt auf den ersten Blick nicht ganz zusammen, auf den zweiten Blick allerdings zeigt diese Entwicklung, dass sowohl die Aktien- als auch die Anleihenmärkte die aktuelle Strategie der Fed bereits eingepreist haben", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX.

Um eine Rezession zu vermeiden, setze die US-Notenbank, wie auch die Zentralbanken im Euro-Raum und in Japan, auf niedrige Zinsen, auch vor dem Hintergrund der sich unbestreitbar abflauenden Weltwirtschaft. Doch für die USA sehe Sadowski dabei eine Sonderstellung: "Das schwache Wachstum betrifft insbesondere die Industrie und den Handel und damit die Volkswirtschaften, die von diesen Branchen abhängen, wie beispielsweise die Eurozone. In den USA hingegen macht der Export nur rund 12 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus. Mehr als 66 Prozent entfallen auf den Verbrauch privater Haushalte, die aktuell gut aufgestellt zu sein scheinen. Nie gab es in den letzten 50 Jahren weniger Arbeitslose und auch das Lohnwachstum zieht langsam an. Damit können die US-Arbeitnehmer auch mehr Geld ausgeben oder investieren und das stärkt wiederum die heimische Wirtschaft."

Das erkläre zumindest teilweise, warum die Aktienmärkte aktuell hervorragend dastünden, doch warum seien die Anleiherenditen im Gegensatz dazu so niedrig? "Das könnte zu einem großen Teil am Kurswechsel der FED liegen. Nach den Zinserhöhungen im vergangenen Jahr hat sich die FED mittlerweile in die Reihe der Zentralbanken eingereiht, die mit niedrigen Zinsen die Wirtschaft stärken wollen. Von dieser Strategie wird die FED vermutlich auch nicht so schnell abweichen, das haben die Anleihenmärkte bereits einkalkuliert", so Sadowski. Hinzu kämen die schlechten Wachstumszahlen aus anderen großen Industrienationen, deren Niedrig- und Negativzinspolitik auch die dortigen Staatsanleihen schlecht performen lassen würden. Das wirke sich auch auf die US-Staatsanleihen negativ aus. Für den Experten sei klar, dass die Märkte hier dieses Umfeld eingepreist hätten und nicht etwa eine Rezession erwarten würden, obwohl auch er zugebe, dass das Risiko sich leicht erhöht habe.

Problematisch sehe er insbesondere die aggressive Handelspolitik der USA, die weltweit zu Verunsicherung geführt habe. "Die FED kann mit ihrer Zinspolitik zwar durchaus Anreize setzen und die Märkte stimulieren, aber überschätzen sollte man die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen deswegen nicht. Zuletzt hat die Wirtschaft 2015-2016 geschwächelt, konnte sich dann aber erholen. Damals gab es aber auch noch keinen Handelskrieg mit China und die damit verbundene Unsicherheiten in vielen Branchen."

Wie solle man also auf diese Signale und Entwicklungen reagieren? Für Sadowski würden die US-Aktienmärkte, insbesondere Unternehmen mit einer nachhaltigen Kapitalrendite, auch in näherer Zukunft eine interessante Investitionsmöglichkeit darstellen. Er empfehle, sich in diesem Zusammenhang auch mit dem Thema fundamentale Analyse zu befassen, um lohnenswerte Papiere zu finden. (22.11.2019/alc/a/a)