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2016 sind die USA eine Oase in turbulentem Umfeld
20.01.16 08:37
BMO Global Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Nach neun Jahren hat die Federal Reserve im vergangenen Dezember zum ersten Mal wieder den Leitzins erhöht. Welchen Einfluss das auf die US-Wirtschaft hat und welche Chancen sich im Jahr 2016 für Investoren im US-Fixed-Income-Universum ergeben, erklärt Janelle Woodward, President und Portfolio Manager bei der Institutional Fixed Income Boutique TCH unter dem Dach von BMO Global Asset Management.
In vergangenen Zinszyklen hätten allgemeine Variablen wie etwa das Bruttoinlandsprodukt, die Inflation, die Renditen von US-Staatsanleihen, die Hypothekenzinsen und Credit Spreads den Währungshütern einen homogenen Blick auf die Entwicklung der US-Wirtschaft vermittelt. Doch schon Anfang 2015 habe sich abgezeichnet, dass diesmal die steigenden Beschäftigungszahlen nicht mit den Inflationserwartungen einhergegangen seien. "Daran hat sich auch mit Blick auf das gerade begonnene Jahr nichts geändert", so Woodward. "Das Missverhältnis wurde durch fallende Rohstoffpreise und ein langsameres Wirtschaftswachstum sogar verschärft." Gleichwohl hätten eine bessere Ausschöpfung des Produktionspotenzials und ein gesundes Wachstum am Arbeitsmarkt die FED in ihrer optimistischen Sichtweise bestärkt.
Europäische Investoren sollten ihren Blick besonders auf den US-amerikanischen Anleihenmarkt richten, meine Woodward. Ein Engagement in US Credit könnte sich unter den gegenwärtigen Bedingungen auszahlen. Normalerweise müssten Anleger bei einer Umschichtung ihrer Investments entweder auf Liquidität oder Qualität verzichten. Bei einem Wechsel in den US-amerikanischen Fixed-Income-Markt sei das aber nicht der Fall. "Wenn Investoren jetzt von europäischen Anleihen zu US-amerikanischen wechseln, können sie bis zu 200 Basispunkte an zusätzlicher Rendite vereinnahmen. Der US-amerikanische Anleihemarkt ist der höchstentwickelte und liquideste der Welt. Mit einem Anlagevolumen von mehr als 4 Billionen US-Dollar und beinahe 6.000 gehandelten Titeln ist er rund dreimal so groß wie der europäische. Investoren, die jetzt in US-Unternehmensanleihen anstatt in europäische Bonds investieren, können ihre Erträge deutlich steigern", so Woodward.
Diese Anlagechancen böten sich, obwohl die makroökonomischen Faktoren eher ambivalent seien. Ein reales Lohnwachstum stehe noch immer aus, stelle Woodward fest. Auch im ersten Halbjahr 2016 sei mit einer Steigerung der Reallöhne nicht zu rechnen. Die Große Rezession in der Folge der Finanzkrise habe zu signifikanten strukturellen Problemen auch auf dem Arbeitsmarkt geführt. Diese zu überwinden, werde lange dauern. Daran werde nach Ansicht der Fondsmanagerin auch die Erhöhung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte nur wenig ändern: "Wir sehen nur einen geringen Einfluss auf die reale Wirtschaft." Woodward rechne mit einem moderaten Wachstum der US-amerikanischen Wirtschaft in diesem Jahr. Der Konsum, der in den USA 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmache, müsse durch bessere Arbeitsmarktbedingungen und niedrigere Energiepreise für die Verbraucher angekurbelt werden. Um das Wachstum nachdrücklich zu steigern, seien außerdem signifikante reale Lohnzuwächse notwendig.
Obwohl die US-Wirtschaft durch strukturelle Probleme weiter gehemmt sei, werde ihr Wachstum deutlich über dem anderer Industrieländer liegen. Der US-Dollar werde auch weiterhin stark bleiben und Kapitalzuflüsse vor allem aus Europa und Japan anziehen, weil dortige Investoren auf dem US-amerikanischen Markt Schutz vor Niedrig- oder gar Negativzinsen suchten, so Woodward. Entscheidend für den Erfolg US-amerikanischer wie europäischer Anleger werde in diesem Jahr sein, wie gut sie die geldpolitischen Zyklen und ihre Folgen einschätzen könnten. Der Anleihemarkt habe sich nun einige Jahre stark auf die erwartete Zinserhöhung konzentriert, dabei seien aber Marktdynamiken und andere ökonomische Entwicklungen außer Acht gelassen worden, die sich in der Zwischenzeit ergeben hätten. Aus Sicht der Expertin würden diese vernachlässigten Größen einen stärkeren Einfluss auf die Fixed-Income-Märkte haben als die Geldpolitik für sich genommen.
Gerade die Tatsache, dass die US-amerikanische Wirtschaft derzeit moderat wachse und es kein überhitztes Wachstum gebe, sollte als gutes Zeichen gewertet werden: "In diesem Umfeld hat US Credit historisch immer gute Erträge gebracht. Die aktuelle Steilheit der Zinskurve bietet einzigartige Investmentmöglichkeiten. Allein das lange Ende des US-amerikanischen Corporate Markts rangiert bei über 1,5 Billionen und hat damit beinahe die Größe des gesamten europäischen Markts für Unternehmensanleihen." US-Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Investmentgrade) seien im Jahr 2016 daher mit großer Wahrscheinlichkeit eine gute Anlage. Grund dafür sei auch die Neubewertung von Kreditrisiken im vergangenen Jahr. Die Fondsmanagerin erwarte in dieser Assetklasse aufgrund des guten Ausblicks für die US-Wirtschaft und der hohen Renditen im Vergleich zu Anleihealternativen mit gleicher Laufzeit und Qualität neben hohen Zuflüssen aus Nordamerika auch weiterhin Investitionen aus dem Ausland.
Im High-Yield-Universum seien die Ausfallraten 2015 gestiegen, allerdings vor allem im Energie- und Rohstoffsektor. Da der Markt für Unternehmensanleihen insgesamt aber gesund sei, rechne Woodward nicht mit einem Übergreifen auf andere Sektoren. Das Fazit der Fondsmanagerin: "Angesichts der globalen wirtschaftlichen Schwäche und vieler Unsicherheiten wird das US-Wachstum 2016 wahrscheinlich eine Oase in einem ansonsten turbulenten Umfeld sein. Wir glauben weiterhin, dass der US-Fixed-Income-Markt angesichts der relativen ökonomischen Stärke der USA und der zunehmenden Divergenz der Zentralbankpolitiken anderer entwickelter Staaten, eine besonders attraktive Assetklasse für globale Investoren ist. Nach einem schwierigen Jahr für Anleihen und der undifferenzierten Ausweitung der Credit Spreads im dritten Quartal, gibt es für Anleger signifikante Chancen im US-Investmentgrade-Bereich." (Ausgabe vom 19.01.2016) (20.01.2016/alc/a/a)
In vergangenen Zinszyklen hätten allgemeine Variablen wie etwa das Bruttoinlandsprodukt, die Inflation, die Renditen von US-Staatsanleihen, die Hypothekenzinsen und Credit Spreads den Währungshütern einen homogenen Blick auf die Entwicklung der US-Wirtschaft vermittelt. Doch schon Anfang 2015 habe sich abgezeichnet, dass diesmal die steigenden Beschäftigungszahlen nicht mit den Inflationserwartungen einhergegangen seien. "Daran hat sich auch mit Blick auf das gerade begonnene Jahr nichts geändert", so Woodward. "Das Missverhältnis wurde durch fallende Rohstoffpreise und ein langsameres Wirtschaftswachstum sogar verschärft." Gleichwohl hätten eine bessere Ausschöpfung des Produktionspotenzials und ein gesundes Wachstum am Arbeitsmarkt die FED in ihrer optimistischen Sichtweise bestärkt.
Europäische Investoren sollten ihren Blick besonders auf den US-amerikanischen Anleihenmarkt richten, meine Woodward. Ein Engagement in US Credit könnte sich unter den gegenwärtigen Bedingungen auszahlen. Normalerweise müssten Anleger bei einer Umschichtung ihrer Investments entweder auf Liquidität oder Qualität verzichten. Bei einem Wechsel in den US-amerikanischen Fixed-Income-Markt sei das aber nicht der Fall. "Wenn Investoren jetzt von europäischen Anleihen zu US-amerikanischen wechseln, können sie bis zu 200 Basispunkte an zusätzlicher Rendite vereinnahmen. Der US-amerikanische Anleihemarkt ist der höchstentwickelte und liquideste der Welt. Mit einem Anlagevolumen von mehr als 4 Billionen US-Dollar und beinahe 6.000 gehandelten Titeln ist er rund dreimal so groß wie der europäische. Investoren, die jetzt in US-Unternehmensanleihen anstatt in europäische Bonds investieren, können ihre Erträge deutlich steigern", so Woodward.
Obwohl die US-Wirtschaft durch strukturelle Probleme weiter gehemmt sei, werde ihr Wachstum deutlich über dem anderer Industrieländer liegen. Der US-Dollar werde auch weiterhin stark bleiben und Kapitalzuflüsse vor allem aus Europa und Japan anziehen, weil dortige Investoren auf dem US-amerikanischen Markt Schutz vor Niedrig- oder gar Negativzinsen suchten, so Woodward. Entscheidend für den Erfolg US-amerikanischer wie europäischer Anleger werde in diesem Jahr sein, wie gut sie die geldpolitischen Zyklen und ihre Folgen einschätzen könnten. Der Anleihemarkt habe sich nun einige Jahre stark auf die erwartete Zinserhöhung konzentriert, dabei seien aber Marktdynamiken und andere ökonomische Entwicklungen außer Acht gelassen worden, die sich in der Zwischenzeit ergeben hätten. Aus Sicht der Expertin würden diese vernachlässigten Größen einen stärkeren Einfluss auf die Fixed-Income-Märkte haben als die Geldpolitik für sich genommen.
Gerade die Tatsache, dass die US-amerikanische Wirtschaft derzeit moderat wachse und es kein überhitztes Wachstum gebe, sollte als gutes Zeichen gewertet werden: "In diesem Umfeld hat US Credit historisch immer gute Erträge gebracht. Die aktuelle Steilheit der Zinskurve bietet einzigartige Investmentmöglichkeiten. Allein das lange Ende des US-amerikanischen Corporate Markts rangiert bei über 1,5 Billionen und hat damit beinahe die Größe des gesamten europäischen Markts für Unternehmensanleihen." US-Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Investmentgrade) seien im Jahr 2016 daher mit großer Wahrscheinlichkeit eine gute Anlage. Grund dafür sei auch die Neubewertung von Kreditrisiken im vergangenen Jahr. Die Fondsmanagerin erwarte in dieser Assetklasse aufgrund des guten Ausblicks für die US-Wirtschaft und der hohen Renditen im Vergleich zu Anleihealternativen mit gleicher Laufzeit und Qualität neben hohen Zuflüssen aus Nordamerika auch weiterhin Investitionen aus dem Ausland.
Im High-Yield-Universum seien die Ausfallraten 2015 gestiegen, allerdings vor allem im Energie- und Rohstoffsektor. Da der Markt für Unternehmensanleihen insgesamt aber gesund sei, rechne Woodward nicht mit einem Übergreifen auf andere Sektoren. Das Fazit der Fondsmanagerin: "Angesichts der globalen wirtschaftlichen Schwäche und vieler Unsicherheiten wird das US-Wachstum 2016 wahrscheinlich eine Oase in einem ansonsten turbulenten Umfeld sein. Wir glauben weiterhin, dass der US-Fixed-Income-Markt angesichts der relativen ökonomischen Stärke der USA und der zunehmenden Divergenz der Zentralbankpolitiken anderer entwickelter Staaten, eine besonders attraktive Assetklasse für globale Investoren ist. Nach einem schwierigen Jahr für Anleihen und der undifferenzierten Ausweitung der Credit Spreads im dritten Quartal, gibt es für Anleger signifikante Chancen im US-Investmentgrade-Bereich." (Ausgabe vom 19.01.2016) (20.01.2016/alc/a/a)


